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Ob an der Tankstelle oder im Supermarkt, spätestens an der Kasse wird deutlich, dass die Inflation ein Thema ist. Zuletzt trieben der Konflikt mit dem Iran, die zeitweise Sperrung der Straße von Hormus und Versorgungsengpässe auf dem Ölmarkt vor allem die Energiepreise deutlich nach oben.

Dass die Preissteigerungen nicht nur subjektiv wahrgenommen werden, zeigen die aktuellen Inflationsdaten. In den USA stieg die Verbraucherpreisinflation im Mai 2026 auf 4,2 % und erreichte damit den höchsten Stand seit drei Jahren. Sie liegt damit deutlich über dem Inflationsziel der US-Notenbank Fed von 2 %. Auch in der Eurozone hat sich der Preisauftrieb zuletzt wieder beschleunigt. Nachdem die Inflation über weite Strecken des vergangenen Jahres in der Nähe der 2%-Marke gelegen hatte, stieg sie im Mai auf 3,2 %. Vor allem höhere Energie- und Dienstleistungspreise trugen zu dieser Entwicklung bei.

Geldpolitik wird restriktiver

Steigende Inflationsraten führen häufig zu Änderungen in der Geldpolitik. Schließlich zählt die Sicherung der Preisstabilität zu den wichtigsten Aufgaben der Notenbanken. Den Anfang machte am 11. Juni die Europäische Zentralbank (EZB). Zum ersten Mal seit September 2023 erhöhten die Währungshüter den Einlagenzins um 25 Basispunkte auf 2,25 %.

Am 16. Juni reagierte die Bank of Japan auf die steigende Inflation. Sie erhöhte den Leitzins auf 1,00 %. Das ist das höchste Niveau seit 31 Jahren.

Nur einen Tag später richtete sich der Blick auf die USA. Am 17. Juni stand die erste Zinsentscheidung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh an. Trotz wiederholter Forderungen von US-Präsident Donald Trump nach einer Zinssenkung beließ die US-Notenbank den Leitzins unverändert in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 %. Die Entscheidung fiel einstimmig. Darüber hinaus signalisierten die Notenbanker, dass angesichts der zuletzt gestiegenen Inflation weitere Zinserhöhungen im zweiten Halbjahr nicht ausgeschlossen sind.

Kaum ein Thema wird an den Finanzmärkten so genau verfolgt wie die Geldpolitik der Notenbanken. Bereits kleine Änderungen in den Aussagen der Währungshüter können deutliche Kursbewegungen an den Aktien- und Anleihemärkten auslösen. Der Grund: Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung für Unternehmen und private Haushalte, was Investitionen und Konsum bremsen kann. Gleichzeitig erhöhen sie die Attraktivität von Anleihen gegenüber Aktien. Zudem sinkt bei höheren Zinsen der heutige Wert künftig erwarteter Unternehmensgewinne, wodurch insbesondere Wachstumsaktien unter Druck geraten können. Umgekehrt sorgen Zinssenkungen häufig für Rückenwind an den Börsen, da sie die Wirtschaft stimulieren und risikoreichere Anlageklassen wieder attraktiver machen.

Monatliche Inflationsraten in der EU, den USA und Japan (in %)

Zeitraum: Januar 2017 bis Mai 2026

Quellen: Statistisches Bundesamt, U.S. Bureau of Labor Statistics, Statistics Bureau of Japan. Stand: 30. Juni 2026

Sorgt KI für fallende Preise?

Deflation, also ein anhaltender Rückgang des allgemeinen Preisniveaus, spielte in den vergangenen Jahren, insbesondere in den westlichen Industrienationen, kaum eine Rolle. Als bekanntestes Beispiel gilt Japan. Nach dem Platzen der Immobilien- und Aktienblase Anfang der 1990er Jahre litt das Land fast zwei Jahrzehnte lang unter einer schwachen Wirtschaft und zeitweise sinkenden Preisen.

Dennoch schließen einige Ökonominnen und Ökonomen nicht aus, dass Deflation in den kommenden Jahren wieder an Bedeutung gewinnen könnte. Als möglicher Auslöser gilt eine der größten Zukunftstechnologien: die künstliche Intelligenz (KI).

KI und Automatisierung könnten die Produktivität in vielen Bereichen deutlich steigern. Unternehmen wären dann in der Lage, Güter und Dienstleistungen schneller und kostengünstiger zu produzieren. Diese Kostenvorteile könnten zumindest teilweise an die Kundinnen und Kunden weitergegeben werden und so den Preisdruck verringern. Ähnliche Entwicklungen waren in der Vergangenheit bei zahlreichen Technologieprodukten bereits zu beobachten. Fernseher, Computer oder Software sind beispielsweise dank Innovationen, effizienterer Produktionsprozesse und Skaleneffekten über viele Jahre hinweg günstiger geworden.

Darüber hinaus könnte KI ganze Branchen verändern. Ob im Gesundheitswesen, in der Rechtsberatung, der Buchhaltung oder bei Steuerdienstleistungen – zahlreiche wissensbasierte Tätigkeiten lassen sich zumindest teilweise automatisieren. Dadurch könnten Dienstleistungen nicht nur schneller, sondern auch langfristig günstiger angeboten werden.

Allerdings hat diese Entwicklung auch eine Kehrseite. Steigende Produktivität könnte mit einem geringeren Bedarf an Arbeitskräften in bestimmten Berufen einhergehen. Anfang des Jahres sorgte beispielsweise eine Studie von Citrini Research für Aufmerksamkeit. Darin skizzieren die Autoren ein Szenario, in dem der verstärkte Einsatz von KI die Arbeitslosenquote in den USA bis 2028 auf über 10 % steigen lassen könnte.

KI wird eine bedeutende disinflationäre Kraft sein, die die Produktivität steigert und die Wettbewerbsfähigkeit der Vereinigten Staaten stärkt.“

Was ist wahrscheinlicher? Inflation oder Deflation?

Aktuell ist von einer möglichen deflationären Wirkung der künstlichen Intelligenz noch wenig zu spüren. Vielmehr scheint das Gegenteil der Fall zu sein. Der weltweite Wettlauf um die Vorherrschaft im Bereich KI sorgt derzeit für enorme Investitionen und treibt die Nachfrage nach zahlreichen Rohstoffen, Komponenten und Infrastruktur in die Höhe.

Die Summen, die in den Ausbau der KI-Infrastruktur fließen, sind gewaltig. Allein die Investitionsausgaben der fünf großen Hyperscaler Alphabet, Amazon, Meta, Microsoft und Oracle dürften sich in diesem Jahr auf fast 750 Mrd. US-Dollar belaufen. Ein großer Teil davon fließt in den Bau neuer Rechenzentren. Dafür werden unter anderem Hochleistungschips, Transformatoren, Stromnetze, Glasfaserkabel und Kühlsysteme benötigt. Da viele dieser Komponenten auch in anderen Industrien zum Einsatz kommen, kann die stark gestiegene Nachfrage die Preise über den KI-Sektor hinaus erhöhen – von Autos bis hin zu Smartphones. Gleichzeitig benötigen die Rechenzentren große Mengen an Energie und machen zusätzliche Investitionen in die Energieinfrastruktur erforderlich. Kurz- bis mittelfristig wirkt KI daher eher preistreibend, bevor mögliche Produktivitätsgewinne langfristig für sinkende Kosten sorgen könnten.

Aktien gegenüber optimistisch, auf die Inflation bedacht

Franklin Templeton Solutions (FTS) bewertet regelmäßig die aktuelle Lage an den Kapitalmärkten. Die Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass eine restriktive Geldpolitik und steigende Finanzierungskosten Gegenwind für Risikoanlagen darstellen können. Gleichzeitig sprechen die robuste Gewinnentwicklung vieler Unternehmen und das anhaltende Wirtschaftswachstum weiterhin für Aktien.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist der weltweite Ausbau der KI-Infrastruktur. Unternehmen, die Hochleistungschips, Netzwerktechnik oder andere Schlüsselkomponenten für Rechenzentren liefern, profitieren von einer ungebrochen hohen Nachfrage. Gleichzeitig sorgen begrenzte Produktionskapazitäten und Lieferengpässe dafür, dass viele dieser Unternehmen ihre Margen weiter steigern können. Allerdings weist FTS darauf hin, dass sich dadurch auch ein Konzentrationsrisiko ergibt. Wenn die hohen Investitionen in KI ausbleiben, könnte dies die Gewinnerwartungen einzelner Unternehmen spürbar belasten.

Für Anlegerinnen und Anleger kann es daher sinnvoll sein, das Portfolio breit zu diversifizieren und nicht ausschließlich auf große Technologieunternehmen zu setzen. Denn vom KI-Boom profitieren nicht nur Halbleiterhersteller. Der Ausbau der Rechenzentren erfordert Investitionen in Stromnetze, Glasfaserleitungen, Kühlsysteme, Grundstücke und das Baugewerbe. Dadurch rücken auch Bereiche wie Energieversorgung und Infrastruktur stärker in den Fokus. Infrastrukturinvestments bieten dabei einen weiteren Vorteil: Viele Betreiber verfügen über langfristige Verträge oder regulierte Einnahmen und können steigende Kosten teilweise weitergeben. Dadurch gelten sie häufig als vergleichsweise widerstandsfähig in einem inflationären Umfeld. Welche weiteren Argumente für Infrastruktur als Anlageklasse sprechen, erfahren Sie in der aktuellen Investmentidee.

Steigende Renditen in den USA und Europa

Ein Blick auf den Anleihemarkt lohnt sich ebenfalls. Angesichts des wieder gestiegenen Inflationsdrucks haben sich die Zinserwartungen in den USA zuletzt deutlich verändert. Die Märkte rechnen inzwischen damit, dass die US-Notenbank im kommenden Jahr mindestens einen weiteren Zinsschritt nach oben vornehmen könnte. Diese restriktivere Geldpolitik hat die Renditen von US-Staatsanleihen steigen lassen. Laut den Expertinnen und Experten von Franklin Templeton Solutions liegen die Renditen inzwischen sogar über ihrem fairen Wert.

In Europa zeichnet sich ein differenzierteres Bild ab. Zwar halten höhere Energiepreise und Inflationsrisiken die Renditen derzeit auf einem vergleichsweise hohen Niveau. Gleichzeitig sprechen die schwache Konjunktur, eine verhaltene Kreditnachfrage und ein moderater Lohnanstieg dafür, dass der Inflationsdruck mittelfristig wieder nachlassen könnte. Sollte dies eintreten, könnten auch die Anleiherenditen sinken. Da Anleihekurse und Renditen in entgegengesetzte Richtungen verlaufen, würde dies steigende Kurse bereits ausgegebener Anleihen begünstigen.

Fazit

Auf absehbare Zeit dürften die Inflation und die damit verbundene Geldpolitik richtungsweisend für die Kapitalmärkte bleiben. Aktien könnten weiterhin von soliden Gewinnerwartungen und den hohen Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur profitieren. Gleichzeitig bieten die gestiegenen Renditen am Anleihemarkt wieder attraktivere Ertragschancen als noch vor wenigen Jahren. Zwar könnte künstliche Intelligenz langfristig für Produktivitätsgewinne sorgen und den Preisdruck verringern, aktuell überwiegen jedoch die inflationären Effekte des weltweiten KI-Ausbaus. Für Anlegerinnen und Anleger spricht deshalb vieles für einen ausgewogenen und breit diversifizierten Anlageansatz.



Wichtige Hinweise

Das vorliegende Dokument dient ausschließlich der allgemeinen Information. Es ist weder als individuelle Anlageberatung noch als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer bestimmten Anlagestrategie zu verstehen. Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Kapitalsumme. Es besteht keine Garantie, dass eine Strategie ihr Ziel erreichen wird. Die Wertentwicklung kann auch durch Währungsschwankungen beeinflusst werden. Eine geringere Liquidität kann den Kurswert der Vermögenswerte beeinträchtigen. Währungsschwankungen können den Wert ausländischer Anlagen beeinträchtigen. Strategien, die in Schwellenländer investieren, können mit höheren Risiken verbunden sein als jene, die in Industrieländer investieren. Strategien, die in Finanzderivate investieren, sind mit spezifischen Risiken verbunden, die das Risikoprofil der Strategie erhöhen können. Bei Strategien, die in bestimmte Sektoren oder Regionen investieren, können die Renditen stärker schwanken als bei einer breiter diversifizierten Strategie.

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