Beginnen wir mit dem wohl offensichtlichsten Sektor, der von den Auswirkungen der KI profitieren wird: dem Technologiesektor. Zu den Profiteuren dürften unter anderem die sogenannten „Schaufelverkäufer“ gehören. Schaufelverkäufer sind Unternehmen oder Einzelpersonen, die während eines Wirtschaftsbooms nicht direkt an der Hauptaktivität teilnehmen, sondern Werkzeuge, Dienstleistungen oder Ressourcen bereitstellen, die für diese Aktivität benötigt werden, wie beispielsweise die Schaufelverkäufer während des Goldrauschs.
| Das große Ganze – Anlagechancen in Technologie, Infrastruktur und sauberer Energie entdecken |
Wachstum im Technologiesektor
Im Zusammenhang mit KI sind hier vor allem Halbleiter-, Hardware- und Cloud-Computing-Unternehmen zu nennen. KI-Anwendungen und Rechenzentren benötigen viele und leistungsfähige Chips. Die Nachfrage nach diesen elektronischen Bauteilen ist in den letzten Monaten geradezu explodiert. Zudem besteht ein deutlicher Kostenunterschied zwischen einem herkömmlichen CPU-Server mit vier Kernen und dem für KI benötigten Server mit fast 300 CPU-Kernen. Ein KI-Server kostet etwa das 27-Fache eines Standardservers.1 Dies schlägt sich auch in deutlichen Umsatzzuwächsen bei verschiedenen Marktteilnehmern nieder. Bekannte Namen sind beispielsweise der Chip-Entwickler Nvidia sowie die großen Cloud-Anbieter Amazon, Microsoft und Alphabet.
Aber auch der direkte Einsatz von KI kann erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsmodell sowie die Umsatz- und Gewinnentwicklung eines Unternehmens haben. Da immer mehr Konzerne KI einsetzen, um den Wert ihrer Produkte zu steigern oder ihre Dienstleistungen zu optimieren, wird die jährliche Produktivität verschiedener Unternehmensfunktionen steigen.
McKinsey schätzt, dass durch den Einsatz von KI in den fünf wichtigsten Unternehmensfunktionen Softwareentwicklung, Vertrieb, Marketing, Kundenservice sowie Forschung und Entwicklung weltweit jährliche Produktivitätssteigerungen von über 2 Bio. US-Dollar erzielt werden könnten.2
Energieverbrauch steigt massiv an
In den nächsten fünf Jahren werden Verbraucher und Unternehmen voraussichtlich doppelt so viele Daten erzeugen wie in den letzten zehn Jahren. Die großen Technologieunternehmen sind daher gezwungen, neue Rechenzentren zu bauen und bestehende auszubauen.
Beispielsweise hat Amazon Web Services (AWS) eine Investition in Höhe von 8,8 Mrd. Euro in seinen bestehenden Standort in Frankfurt angekündigt, um die steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten in Deutschland zu decken.3
Laut Schätzungen werden in den kommenden fünf Jahren rund 1 Bio. US-Dollar in Rechenzentren investiert. Racks in KI-Rechenzentren könnten siebenmal mehr Strom benötigen als herkömmliche Rechenzentrums-Racks. All dies dürfte zu einem sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Energie führen. Es wird erwartet, dass die weltweite Stromnachfrage in den nächsten drei Jahren um durchschnittlich 14 % pro Jahr steigen wird.4
Prognostizierte globale Stromnachfrage (TWh)
Rechenzentren gehören zu den am schnellsten wachsenden Energieverbrauchern. KI überholt Elektrofahrzeuge als Haupttreiber der Energienachfrage.

Quellen: Internes Research, McKinsey, IEA. Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Vorhersagen, Schätzungen oder Prognosen als richtig erweisen.
Gigantische Investitionen in Infrastruktur
Um diesen Bedarf zu decken, sind erhebliche Investitionen in die Infrastruktur erforderlich – eine weitere Chance für Anlegerinnen und Anleger. Die steigende Energienachfrage erfordert den Bau neuer Stromleitungen und die Modernisierung der Infrastruktur, um Engpässe und Ausfälle zu vermeiden.
Die Auswirkungen von KI auf die Infrastruktur werden jedoch weit über Rechenzentren und Stromerzeugung hinausgehen. Auch Bereiche wie Verkehr, Wasser und Kommunikation sind betroffen. Beispielsweise erfordert eine intelligente Verkehrssteuerung aufgrund der zunehmenden Bedeutung autonomer Fahrzeuge Investitionen in Straßen und Leitsysteme. Oder die Möglichkeit, die Auslastungsplanung im Schienen- und Luftverkehr zu optimieren, könnte Modernisierungs- und Ausbaumaßnahmen im Schienennetz und bei den Steuerungssystemen nach sich ziehen. Im Wassersektor werden zunehmend intelligente Zähler und Überwachungs- systeme installiert, um das Energiemanagement zu verbessern, die Wasserqualität zu kontrollieren und Leckagen besser zu erkennen. Ein weiterer sehr wichtiger Bestandteil der gesamten KI-Infrastruktur ist die Kommunikation. So wird das steigende Datenaufkommen einen Ausbau des Glasfasernetzes und der Mobilfunkmasten nach sich ziehen.
Infrastrukturinvestitionen spielen somit eine entscheidende Rolle bei der Deckung des steigenden Energiebedarfs und bei der Gewährleistung der Ausfallsicherheit. Da KI die Branchen weiter umgestalten wird, stellt moderne Infrastruktur eine bedeutende Investitionsmöglichkeit dar. Außerdem bieten börsennotierte Infrastrukturtitel fünf klare Vorteile, die sie für langfristige Anlegerinnen und Anleger interessant machen:

Quelle: ClearBridge Investments. Die zum Ausdruck gebrachten Meinungen können sich ohne Vorankündigung ändern und berücksichtigen nicht die jeweiligen Anlageziele, finanziellen Verhältnisse oder Bedürfnisse von Anlegerinnen und Anlegern.
Saubere Energie für wachsenden Energiebedarf
Angesichts der Anforderungen für die neue physische Infrastruktur, die zukünftig für die Rechenzentren und die Datenverarbeitung benötigt wird, dürfte die Energiebranche in die nächste Phase ihrer Energiewende eintreten. Die beiden traditionellen Quellen für grundlastfähigen Strom, die sich am besten zur Deckung des Strombedarfs von KI-Rechenzentren eignen, sind Kohle und Kernenergie. Die Energiequellen, die in der Vergangenheit am verlässlichsten waren, sind jedoch nicht mit den Klimazielen vereinbar oder zu kostspielig. Daher müssen andere Technologien in Betracht gezogen werden, um diese Herausforderung meistern zu können.
Solar- und Windkraft sind heute in vielen Teilen der Welt die kostengünstigsten Energieträger für die Stromerzeugung und machten 2023 bereits 91 % der zusätzlichen Stromkapazität aus. In den nächsten Jahren soll die installierte Kapazität deutlich gesteigert werden. Das Problem: KI-Rechenzentren benötigen jeden Tag und rund um die Uhr eine verlässliche und konstante Energieversorgung. Somit werden dringend Innovationen bei der Erzeugung, Speicherung und Verteilung von Energie benötigt. Hier könnte erneut KI zum Einsatz kommen.
Während KI den Energiebedarf steigen lässt, wird sie auch entscheidend zur Optimierung der Energienutzung und zur Verringerung der CO2-Emissionen beitragen. So kann KI die Effizienz von Systemen für erneuerbare Energien, insbesondere bei der Solar- und Windenergieerzeugung, steigern. Beispielsweise hat bei ReNew Energy Global der Einsatz von KI nicht nur die Stromerzeugung aus bestehenden Solar- und Windkraftanlagen um bis zu 1,5 % verbessert, sondern auch die Wartung rationalisiert.5
Zudem ermöglicht KI genauere Prognosen der Erzeugung erneuerbarer Energien und der Verbrauchernachfrage. Durch die Analyse von Daten von Satelliten, Sensoren und Wetterstationen kann KI die Sonneneinstrahlung und Windgeschwindigkeit vorhersagen und so dazu beitragen, Angebot und Nachfrage besser auszugleichen. Diese verbesserte Prognosefähigkeit ist entscheidend, um Versorgungsunterbrechungen und Stromausfälle zu verhindern.

Fazit:
Fortschritte bei KI und anderen Technologien schaffen vielfältige Möglichkeiten für weitere Innovationen und Investitionen. Die Zunahme digitaler Aktivitäten führt auch zu einem raschen Anstieg der Energienachfrage. Die Deckung dieses Bedarfs erfordert erhebliche Investitionen in neue Infrastrukturen. Dieser Bedarf muss auf nachhaltige Weise gedeckt werden. Denn der Übergang in eine umweltfreundlichere Zukunft erfordert eine stabile Energieversorgung und effiziente Lösungen. Für Anlegerinnen und Anleger ergeben sich daraus interessante Investitionsmöglichkeiten.
Drei ausgewählte Fonds, die für Anlegerinnen und Anleger interessant sein könnten:
|
|
|
1. Ein Teilfonds von Franklin Templeton Investment Funds (FTIF), einer in Luxemburg registrierten SICAV.
2. Ein Teilfonds von Franklin Templeton Global Funds plc („FTGF“). FTGF ist eine offene Investmentgesellschaft mit variablem Kapital, die als Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren („OGAW“) organisiert ist. FTGF ist in Irland von der Central Bank of Ireland zugelassen.
- Quellen: Unternehmensberichte, Franklin Templeton. Die Zahlen sind Schätzungen. Stand: Juli 2023.
- Quellen: McKinsey, „The Economic Potential of Generative AI“, Franklin Templeton. Stand: 14.06.2023.
- Quelle: Amazon, 19.06.2024.
- Quelle: Internes Research, McKinsey, IEA.
- Quelle: Forbes, „AI Can Power The Green Energy Transition“, 26.02.2024.
