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Powell sprach viel über die Wirtschaft und die Inflation, blieb aber weitgehend nebulös, was die zukünftige Geldpolitik der Fed betrifft. Dennoch konnte man aus seiner Rede eine beunruhigende Botschaft an die AnhängerInnen des Szenarios einer weichen Landung heraushören. So wies er darauf hin, dass die Inflation bei den Kerndienstleistungen ohne Immobilien bisher weniger stark auf konjunkturelle Veränderungen oder die geldpolitischen Straffungsmaßnahmen der Fed reagiert habe. Außerdem erklärte er, dass die aktuelle Geldpolitik der Fed bereits „restriktiv“ sei, d.h. die reale (inflationsbereinigte) Fed Funds Rate liege über dem Bereich, der allgemein als „neutral“ angesehen wird. Powell vermied es, sich konkret zu den nächsten Schritten zu äußern. Er verwies darauf, dass die Fed eine längere Zinspause oder weitere Zinserhöhungen beschließen könnte. Dass er Zinssenkungen nicht erwähnte, war jedoch die deutlichste Botschaft der Rede.

Obwohl die Inflation seit ihrem Höchststand zurückgegangen ist – was zu begrüßen ist – bleibt sie zu hoch. Wir sind bereit, die Zinssätze gegebenenfalls weiter anzuheben, und beabsichtigen, die Politik auf einem restriktiven Niveau zu halten, bis wir sicher sind, dass sich die Inflation nachhaltig in Richtung unseres Ziels bewegt.

Für AnlegerInnen bedeutet dies, dass von dieser Seite vorerst nichts zu erwarten ist. Erst muss sich die Konjunktur deutlich abkühlen und die Arbeitslosenquote auf über 4 % steigen (Stand August: 3,8 %). Zudem dürfte die Renditestrukturkurve invers bleiben und die Inversion könnte sogar noch zunehmen, da die Fed bereit sein muss, eine Rezession zu riskieren, um die Preisstabilität wiederherzustellen.

US-Staatsanleihen: Angebot, Nachfrage und Haushaltsdefizite

Die Renditen von US-Staatsanleihen sind so hoch wie schon lange nicht mehr. Erst kürzlich übersprang die Rendite 10-jähriger US-Treasuries die Marke von 4,35 %, ein Niveau, das seit November 2007 nicht mehr erreicht wurde. Treiber dieser Entwicklung sind ein besser als erwartetes Wirtschaftswachstum, eine anhaltende Inflation und ein angespannter Markt.

Das Angebot an Treasuries wird durch hohe Haushaltsdefizite angeheizt, die den Appetit des Marktes auf Anleihen testen werden. Nach Angaben des Congressional Budget Office wird das US-Haushaltsdefizit im Jahr 2023 5,4 % erreichen und im darauf folgenden Jahr auf 5,8 % ansteigen. Um dieses Ausgabenniveau zu halten, wird die Regierung deutlich mehr Schulden aufnehmen müssen.

Aus internationaler Sicht waren US-Anleihen bisher attraktiv, insbesondere im Vergleich zu europäischen und japanischen Anleihen. Dies könnte sich jedoch ändern, da die Zentralbanken außerhalb der USA wahrscheinlich weitere Zinserhöhungen vornehmen müssen, während die Fed langsam das Ende der Fahnenstange erreicht haben könnte. Ein Rückgang der Auslandsnachfrage ist daher wahrscheinlich.

Die derzeit inverse Zinsstrukturkurve preist eine deutliche Lockerung der Geldpolitik aufgrund einer sich abschwächenden Konjunktur ein, was im Widerspruch zu den jüngsten Äußerungen von Fed-Chef Powell steht. So hat Powell wiederholt erklärt, dass die Fed weiterhin vorsichtig agieren und die Zinsen noch länger hoch halten werde, um ein Wiederaufflammen des Inflationsdrucks zu verhindern.

Renditen von US-Staatsanleihen

Die Renditekurve der US- Staatsanleihen ist nach wie vor stark invertiert. Die aktuellen Renditen deuten darauf hin, dass die Fed wahrscheinlich gezwungen sein wird, den Leitzins in erheblichem Umfang zu senken, um eine schrumpfende Wirtschaft zu bekämpfen, obwohl eine „weiche Landung“ prognostiziert wird.

Quelle: Bloomberg, Stand: 14. August 2023

Vor diesem Hintergrund könnten vor allem die Renditen am kurzen Ende als relativ attraktiv angesehen werden, während die Renditen am langen Ende noch zu niedrig sein könnten.

US-IG-Unternehmensanleihen: solide Fundamentaldaten

Die Renditen US-amerikanischer IG-Unternehmensanleihen waren von einem dynamischen Marktrisikoumfeld geprägt, da die AnlegerInnen auf das robuste Wirtschaftswachstum, die rückläufige Inflation, den anhaltend starken Arbeitsmarkt und die restriktive Politik der Fed reagierten. So war in den letzten Monaten eine Verengung der Kreditspreads zu beobachten, was auf den wachsenden Optimismus der AnlegerInnen zurückzuführen ist. Sie scheinen auf eine „weiche Landung“ der Wirtschaft und mehr Stabilität im Finanzsektor zu setzen.

Unternehmensanleihen erscheinen derzeit recht attraktiv und dürften zunehmend InvestorInnen anziehen, nicht zuletzt weil die Fundamentaldaten der Unternehmen recht stabil sind. Der aktuelle Verschuldungsgrad, die Zinsdeckung, der freie Cashflow und die Tilgungspläne liegen auf einem höheren Niveau als in der jüngeren Vergangenheit. Zudem haben sich viele Unternehmen während der Pandemie zu niedrigen Zinsen refinanziert. Sie sind daher nicht darauf angewiesen, zu den aktuell höheren Zinssätzen Geld aufzunehmen. Dies könnte dazu beigetragen haben, dass sich die Zinserhöhungen der US-Notenbank weniger stark ausgewirkt haben. Ab 2025 könnte für viele Unternehmen ein Refinanzierungsbedarf entstehen, bis dahin könnten die Zinsen aber wieder sinken.

Ein Wermutstropfen bleibt jedoch: Die Spreads liegen nur wenig über dem langfristigen Durchschnitt und lassen somit wenig Spielraum für unerwartete negative Ereignisse. Es bleibt also spannend, wie die Weltwirtschaft auf die zu erwartende Straffung der geldpolitischen Bedingungen reagiert und wie die Zentralbanken ihre Strategien an die Marktgegebenheiten anpassen.

High-Yield-Unternehmensanleihen: hohe Rendite mit Tücken

Hochverzinsliche Unternehmensanleihen sind aktuell ebenfalls sehr attraktiv. Der Bloomberg US Corporate High Yield Bond Index bietet derzeit eine Rendite von über 8 %. Mögliche Kursrückgänge können damit sogar teilweise kompensiert werden. Insgesamt erscheint der Markt für Hochzinsanleihen noch robust, insbesondere wenn man die Kreditkennzahlen mit historischen Daten vergleicht. Aber Vorsicht: Erste dunkle Wolken in Form von schrumpfenden Gewinnmargen ziehen am Horizont auf, getrieben von einer langsamer wachsenden Weltwirtschaft und steigenden Kosten, auch bei den Löhnen. Viele Unternehmen könnten bald an ihre Grenzen stoßen, wenn es darum geht, die Preise zu erhöhen, um diese Kostenstei-gerungen auszugleichen. Eine Verlangsamung der Kreditvergabe durch die Banken oder eine Verschärfung der Kreditvergabestandards stellt ebenfalls ein Risiko für den Markt für Hochzinsanleihen dar.

Trotz aller Risiken können die hohen Renditen, die Hochzinsanleihen derzeit bieten, für AnlegerInnen interessant sein, die eine langfristige Anlage planen und die Höhen und Tiefen durchstehen können.

Die am besten performenden Anleihen-Sektoren in den letzten fünf Kalenderjahren (von 2018 bis 2022)

Aktives Sektormanagement ist entscheidend für die Identifizierung der besten Renditechancen.

Quelle: © 2023. Morningstar, Inc. Alle Rechte vorbehalten. Kommunale Anleihen werden durch den Bloomberg Municipal Bond Index dargestellt; variabel verzinsliche Darlehen werden durch den Credit Suisse Leveraged Loan Index dargestellt; kurzfristige Staatsanleihen werden durch den Bloomberg US Government 1-2 Year TR Index dargestellt; 10-jährige US-Schatzanleihen werden durch den FTSE 10-year Treasury Benchmark dargestellt; globale Anleihen werden durch den FTSE World Government Bond Index dar-gestellt; hochverzinsliche Anleihen werden durch den Credit Suisse High Yield Index dargestellt; TIPS werden durch den Bloomberg U. S. TIPS Index; Mortgage-Backed Securities werden durch Bloomberg U.S. MBS Index dargestellt; Investment Grade Corporates werden durch Bloomberg U.S. Corporate Investment Grade Index dargestellt. Weitere Informationen zu den Datenanbietern finden Sie unter www. franklintempletondatasources.com. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein Indikator oder eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.

Fazit:

Anleihen waren in den letzten Jahren selten so attraktiv wie heute. Sorgfältig ausgewählte, qualitativ hochwertige festverzinsliche Wertpapiere können über die Erzielung von Erträgen hinaus einen Mehrwert schaffen, indem sie von Kapitalgewinnen profitieren, wenn die Zinsen in Zukunft sinken. Die derzeit höheren Renditen können auch dazu beitragen, dass festverzinsliche Wertpapiere ihre traditionelle Rolle als Portfoliodiversifizierer zurückgewinnen.

Dennoch ist diese Anlageklasse nicht frei von Risiken. Interessierte AnlegerInnen sollten daher überlegen, in aktiv gemanagte Anleihenfonds zu investieren. Diese Fonds ermöglichen es den PortfoliomanagerInnen, die Risikoallokation wie Sektor- und Rating-Exposure, Durationspositionierung und Titelauswahl zu steuern, was im Vergleich zu passiv verwalteten Indexfonds und ETFs ein Risikomanagement und eine potenziell bessere mittel- und langfristige Performance ermöglichen kann.


Wichtige Hinweise

Das vorliegende Dokument dient ausschließlich der allgemeinen Information. Es ist weder als individuelle Anlageberatung noch als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer bestimmten Anlagestrategie zu verstehen. Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Kapitalsumme. Es besteht keine Garantie, dass eine Strategie ihr Ziel erreichen wird. Die Wertentwicklung kann auch durch Währungsschwankungen beeinflusst werden. Eine geringere Liquidität kann den Kurswert der Vermögenswerte beeinträchtigen. Währungsschwankungen können den Wert ausländischer Anlagen beeinträchtigen. Strategien, die in Schwellenländer investieren, können mit höheren Risiken verbunden sein als jene, die in Industrieländer investieren. Strategien, die in Finanzderivate investieren, sind mit spezifischen Risiken verbunden, die das Risikoprofil der Strategie erhöhen können. Bei Strategien, die in bestimmte Sektoren oder Regionen investieren, können die Renditen stärker schwanken als bei einer breiter diversifizierten Strategie.

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