Zum Inhalt springen

Die wichtigsten Punkte

  • Phasen erheblicher Unsicherheit bieten sowohl für Privatanleger als auch für professionelle Anleger eine Gelegenheit, sich durch einen längeren Zeithorizont einen Anlagevorteil zu verschaffen.
  • Die Lösung der beiden größten makroökonomischen und marktbezogenen Unbekannten – die Zollpolitik und das Haushaltsabstimmungspaket – sollte die Grundlage für eine dauerhafte Aktienrally bilden. Rückschläge auf dem Weg dorthin werden jedoch wahrscheinlich zu Volatilitätsschüben führen.
  • Kurzfristig könnte sich aufgrund der Zollsituation ein Luftloch bilden. Unsere Zuversicht hinsichtlich eines anhaltenden Wirtschaftswachstums ist jedoch gestiegen, da sich zwei Indikatoren des ClearBridge Recession Risk Dashboards positiv verändert haben: die Zinsstrukturkurve und die Lkw-Transporte.1

Die Zeit spielt den Anlegern in die Hände

Anlegern stehen mehrere Quellen von „Vorteilen“ zur Verfügung, die zu einer überdurchschnittlichen Performance führen können. Einer davon, den sich Privatanleger leicht zunutze machen können, ist laut Morningstar der strukturelle Vorteil, der sich aus dem Fehlen von Karriere- oder Branchendruck ergibt, dem die Fachleute ausgesetzt sind.2 Professionelle Anleger werden regelmäßig im Vergleich zu ihren Benchmarks bewertet. Dies kann zu suboptimalen Entscheidungen führen, wenn kurzfristigen Zielen Vorrang vor langfristigen Ergebnissen eingeräumt wird. Privatanleger können sich daher einen Vorteil verschaffen, indem sie Fehlbewertungen ausnutzen, die entstehen, wenn kurzfristiges Denken langfristige Überlegungen überlagert.

In Zeiten großer Unsicherheit, wie sie derzeit herrscht, kann eine erhöhte Risikowahrnehmung dazu führen, dass Anleger ihre Entscheidungen für einen kürzeren Zeithorizont treffen. Wir sind der Meinung, dass sich diese Dynamik in den letzten Monaten bemerkbar gemacht hat, da sich die Zeithorizonte der Anleger auf breiter Front verkürzt haben. Dies ist eine Chance für Privatanleger und Fachleute gleichermaßen, denn der Vorteil lässt sich einfach dadurch erzielen, dass man seinen Zeithorizont verlängert.

Wenn wir einen längeren Zeithorizont zugrunde legen und darüber nachdenken, wie die Bedingungen in einem Jahr aussehen könnten, ist es vernünftig, davon auszugehen, dass zwei der größten Unbekannten – die Zölle und das Haushaltsabstimmungspaket – zu diesem Zeitpunkt weitgehend, wenn auch nicht vollständig, gelöst sein werden. Obwohl es bei beiden Unbekannten in den letzten Wochen Fortschritte in Richtung einer Lösung gab, erwarten wir für die Zukunft weitere Wendungen. Dies könnte zu weiteren Volatilitätsschüben führen, bevor sich die Grundlage für eine nachhaltige Aktienrally bildet.

Zu den Faktoren, die die Volatilität anheizen könnten, zählen die zahlreichen offenen Fragen bezüglich des letztendlichen Umfangs, der Kosten und der Auswirkungen des Pakets zur Haushaltsabstimmung auf das US-Defizit. Das bedeutet, dass die Entwicklung der langfristigen Zinssätze auch weiterhin im Mittelpunkt stehen wird, da die Anleger die unvermeidlichen Änderungen des Gesetzespakets analysieren werden, das im Laufe des Sommers den Kongress durchlaufen wird. An der Zollfront haben die jüngsten Gerichtsentscheidungen eine neue Quelle der Unsicherheit geschaffen. Die Anleger versuchen abzuschätzen, was erlaubt sein wird und welche Schritte die Regierung unternehmen wird, sollte die jüngste Gerichtsentscheidung zur Aufhebung der mit dem „International Emergency Economic Powers Act“3 verbundenen Zölle bestehen bleiben.

Positive konjunkturelle Impulse durch das Haushaltsgesetz dürften Defizitsorgen zerstreuen

Wenn wir jedoch einen Schritt zurücktreten und unseren Zeithorizont verlängern, sind wir der Meinung, dass der Kongress Präsident Trump letztlich einen Gesetzentwurf vorlegen wird, der die Wirtschaft ankurbelt. Dadurch wird sich die Defizitsituation zwar weiter verschärfen, wir glauben jedoch, dass dies letztlich auf überschaubare Weise geschehen wird. Ebenso ändern die jüngsten Gerichtsentscheidungen nichts an unserer Ansicht, dass die für die Wirtschaft schädlichsten Zolloptionen weniger wahrscheinlich geworden sind. Auch wenn die Regierung möglicherweise auf andere Rechtsvorschriften zurückgreifen muss, um ihre Zollagenda umzusetzen, gibt es kaum Anzeichen dafür, dass sich der Umfang oder das Ausmaß dadurch wesentlich ändern werden. Wir gehen daher davon aus, dass die mit Zöllen verbundene Unsicherheit auch in den kommenden Quartalen weiter abnehmen wird.

Eine Verringerung der Unsicherheit dürfte den Aktienmärkten dabei helfen, eine volatilere Phase zu überstehen. Dies könnte letztlich die Grundlage für eine dauerhafte Rally im weiteren Verlauf des Jahres 2025 bilden. Dies entspräche auch dem historischen Muster: In der Regel durchlaufen neue Bullenmärkte (nach einem Abverkauf um 20 % oder mehr während eines Bärenmarktes) im dritten Jahr eine Verdauungsphase. Dies gilt auch für die aktuelle Rally: Seit dem zweiten Jahrestag des Bullenmarktes am 12. Oktober 2024 hat der S&P 500 Index4 lediglich um 1,7 % zugelegt. Sollte sich die Geschichte wiederholen, könnten die Aktienkurse in den kommenden Monaten weiterhin seitwärts tendieren. Im Herbst, wenn der Bullenmarkt in sein viertes Jahr geht, könnten sie dann wieder einen Aufwärtstrend verzeichnen.

Abbildung 1: Konsolidierung im dritten Jahr

Quellen: FactSet, S&P Global.

Eine entscheidende Voraussetzung für eine weitere positive Entwicklung der Aktienmärkte ist ein fortgesetztes Wirtschaftswachstum. Unsere Zuversicht, dass dieses eintreten wird, hat sich in den letzten Wochen erhöht. Grund dafür sind zwei positive Signaländerungen im ClearBridge Recession Risk Dashboard in diesem Monat: Die Invertierung der Renditekurve hat ein Ende gefunden, sodass sich dieser Indikator von rot auf gelb verbessert hat, und der Indikator für die Lkw-Lieferungen ist von gelb auf grün umgesprungen. Insgesamt bleibt das Dashboard im grünen, expansiven Bereich.

Abbildung 2: Recession Dashboard

Quelle: BLS, Federal Reserve, Census Bureau, ISM, BEA, American Chemistry Council, American Trucking Association, Conference Board und Bloomberg. Das ClearBridge Recession Risk Dashboard wurde im Januar 2016 geschaffen. Bezüge auf die Signale, die es in den Jahren vor Januar 2016 ausgesendet hätte, basieren auf der Art und Weise, wie sich die zugrunde liegenden Daten zu jener Zeit in den Indikatoren, aus denen es besteht, widerspiegelten.

Wie das Dashboard zeigt, scheint die Wirtschaft auf soliden Füßen zu stehen, während die Auswirkungen der handelspolitischen Unsicherheit allmählich spürbar werden. Die am vergangenen Freitag veröffentlichten vorläufigen Handelsdaten zeigen jedoch den stärksten jemals verzeichneten Rückgang der Wareneinfuhren im Monat April, was darauf hindeutet, dass die Wirtschaftsdaten in den kommenden Monaten recht volatil sein könnten. Das Risiko eines „Luftlochs“ in der Nachfrage scheint hoch, da sowohl Privatpersonen als auch Unternehmen ihre Käufe im Vorfeld der erwarteten Einführung von Zöllen „vorgezogen“ haben. Dies dürfte in den kommenden Monaten zu einer Abschwächungsphase führen, in der weniger Käufe getätigt werden.

Das Auftauchen dieses Luftlochs in den harten Daten könnte die Anleger verschrecken und zu einer erneuten Verkürzung der Zeithorizonte führen, wenn die Angst vor einer Rezession wieder zunimmt. Die daraus resultierende Marktvolatilität könnte sich noch verstärken, wenn dies mit einem Rückschlag bei der Haushaltsabstimmung oder den Handelsgesprächen zusammenfällt. In diesen Szenarien sind Anleger unserer Meinung nach am besten beraten, ihren Zeithorizont zu verlängern, während andere sich eher kurzfristig orientieren.



Wichtige Hinweise

Das vorliegende Dokument dient ausschließlich der allgemeinen Information. Es ist weder als individuelle Anlageberatung noch als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer bestimmten Anlagestrategie zu verstehen. Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Kapitalsumme. Es besteht keine Garantie, dass eine Strategie ihr Ziel erreichen wird. Die Wertentwicklung kann auch durch Währungsschwankungen beeinflusst werden. Eine geringere Liquidität kann den Kurswert der Vermögenswerte beeinträchtigen. Währungsschwankungen können den Wert ausländischer Anlagen beeinträchtigen. Strategien, die in Schwellenländer investieren, können mit höheren Risiken verbunden sein als jene, die in Industrieländer investieren. Strategien, die in Finanzderivate investieren, sind mit spezifischen Risiken verbunden, die das Risikoprofil der Strategie erhöhen können. Bei Strategien, die in bestimmte Sektoren oder Regionen investieren, können die Renditen stärker schwanken als bei einer breiter diversifizierten Strategie.

Wenn Sie Informationen über die Publikumsfonds für Privatanleger von Franklin Templeton wünschen, besuchen Sie bitte www.franklinresources.com. Dort werden Sie auf Ihre lokale Website von Franklin Templeton weitergeleitet.