Zum Inhalt springen

Jahrzehntelang waren Börsen der Ort, an dem Unternehmen heranwuchsen. Anleger konnten beobachten, wie junge Unternehmen von Small Caps zu Mid Caps aufstiegen und in seltenen Fällen sogar in die Reihen der weltweit größten Konzerne avancierten. Diese Entwicklung vollzieht sich heute zunehmend an den privaten Märkten. Einige Unternehmen wirken bei ihrem Gang an die Börse bereits wie voll ausgereifte Organisationen.

Diese Entwicklung stellt die Indexkonstruktion auf die Probe. Die bevorstehenden Notierungen von Unternehmen wie SpaceX, OpenAI und Anthropic veranlassen Indexanbieter dazu, ihre Kriterien für die zeitnahe Aufnahme sehr großer Titel beim Börsengang (IPO) in wichtige Benchmarks zu prüfen. Einige Indexanbieter, darunter FTSE Russell und NASDAQ, arbeiten mit Hochdruck daran, ihre Benchmarks so zu gestalten, dass sie die nächste Generation großer Listings abdecken können. Andere, darunter S&P Dow Jones Indices, ziehen es vor, bewährte Leitlinien beizubehalten, und verfolgen weiterhin einen eher bedachten Ansatz bei der Festlegung von Kriterien für Zulassung und Aufnahme.

Wir bewerten diese Vielfalt von Ansätzen positiv. Indexanbieter versuchen, zwei wichtige Ziele in Einklang zu bringen: einerseits die Abbildung des investierbaren Marktes im Zuge seiner Entwicklung und andererseits die Wahrung von Liquidität, Stabilität und transparenten Regeln. Es gibt nicht nur eine einzige richtige Antwort. Eine Benchmark, die sich zu langsam anpasst, könnte wichtige Veränderungen in der Wirtschaft auslassen. Eine Benchmark, die zu schnell reagiert, könnte Anleger Unternehmen aussetzen, bevor deren Handelshistorie, Streubesitz und Fundamentaldaten ausreichend etabliert sind.

Ein oft übersehener Aspekt bei der Erstellung von Benchmarks ist, dass die Bewertungen und die Indexgewichtungen auf unterschiedlichen Faktoren beruhen. Die meisten großen Aktienindizes basieren auf der um den Streubesitz bereinigten Marktkapitalisierung, sie berücksichtigen daher nur die tatsächlich für den Börsenhandel verfügbaren Aktien. Die vorläufige Analyse von SpaceX durch FTSE Russell ging von einer Gesamtmarktkapitalisierung von 1,5 Bio. USD, jedoch einer verfügbaren Marktkapitalisierung von ca. 70 Mrd. USD aus. Daraus ergeben sich geschätzte Gewichtungen von lediglich 0,11 % im Russell 1000 Index und 0,08 % im FTSE GEIS All-World Developed Index.1

Abbildung 1: Größe ist nicht alles: Streubesitz bestimmt anfängliche Indexgewichtungen

Quellen: Morningstar, Bloomberg, Reuters, CNBC, Unternehmensmeldungen, öffentliche Einreichungen und Analysen von Franklin Templeton. Stand: Juni 2026. Die Bewertungen sind ungefähre Angaben und basieren auf öffentlich verfügbaren Schätzungen mit Stand Juni 2026.

Ein Unternehmen kann zwar die Schlagzeilen beherrschen, aber dennoch mit einer vergleichsweise geringen Anfangsgewichtung in einen breiten Index aufgenommen werden. Mit der Zeit laufen die Sperrfristen ab, die Gründer, Mitarbeiter und frühe Investoren in der Regel daran hindern, Aktien unmittelbar nach dem Börsengang zu veräußern. Dadurch kommen mehr Aktien an die Börse, was die Indexgewichtung des Unternehmens potenziell erhöhen kann.

Eine weitere Frage, die Anleger möglicherweise noch nicht bedacht haben, ist, ob Indizes durch diese Neuaufnahmen automatisch stärker auf Wachstum ausgerichtet sind. Auf den ersten Blick könnte die Antwort offensichtlich erscheinen. Viele dieser Unternehmen sind in Bereichen wie künstliche Intelligenz (KI), Luft- und Raumfahrt sowie Cloud-Infrastruktur tätig. Die Zusammensetzung von Indizes ist jedoch häufig differenzierter, als die Schlagzeilen vermuten lassen.

Die Vorgehensweise von FTSE Russell verdeutlicht diesen Punkt. Schnell notierte Börsengänge übernehmen normalerweise die Stilmerkmale ihres jeweiligen Teilsektors, bis die Fundamentaldaten des Unternehmens vorliegen. Der Indexanbieter hat jedoch ebenfalls eingeräumt, dass eine ausschließliche Orientierung an Durchschnittswerten der Branche eine sogenannte „Marktverzerrung“ hervorrufen könnte, was in bestimmten Fällen ein abweichendes Vorgehen zulässt. Bei SpaceX deutete die vorläufige Einstufung durch FTSE auf den Telekommunikationssektor hin, wo der Durchschnitt des Teilsektors ein Wachstum von 18 % und einen Wertanteil von 82 % aufwies.2

Das mag Anleger überraschen, die alle rasant wachsenden Titel automatisch als Wachstumswerte betrachten. Doch ist es eine nützliche Erinnerung: Indexinvestitionen folgen festen Regeln und orientieren sich nicht an Schlagzeilen. Stilindizes prüfen nicht einfach, ob ein Unternehmen als innovativ wahrgenommen wird. Sie evaluieren Merkmale wie Bewertung, Erträge, Wachstumskennzahlen und Branchenzugehörigkeit. Mit der Börsennotierung weiterer etablierter Privatunternehmen könnten einige die traditionellen Modelle infrage stellen.

Hier zeigen sich die weiterreichenden Auswirkungen auf Portfolios. Breit aufgestellte Index-ETFs bleiben effiziente, taktische Instrumente für ein diversifiziertes Engagement in Aktien. Mit Länder- oder Stil-ETFs können Anleger zudem gezieltere Markteinschätzungen zum Ausdruck bringen. Indizes sind allerdings nicht statisch. Neue Unternehmen kommen hinzu, Sektorgewichtungen verschieben sich, der Streubesitz ändert sich, Einstufungen entwickeln sich weiter und es entstehen Konzentrationen. Ein Indexengagement ist daher nicht unbedingt ein Investment, das Anleger einmal festlegen und dann unbeachtet lassen sollten.

Unseres Erachtens wird die nächste Welle großer Börsengänge die Bedeutung des Grundsatzes „Wissen, was man besitzt“ noch verstärken. Der IPO mag für Schlagzeilen sorgen. Langfristig dürfte es jedoch darauf ankommen, wie diese Unternehmen im Laufe der Zeit das Benchmark-Engagement umgestalten.



Wichtige Hinweise

Das vorliegende Dokument dient ausschließlich der allgemeinen Information. Es ist weder als individuelle Anlageberatung noch als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer bestimmten Anlagestrategie zu verstehen. Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, einschließlich des möglichen Verlusts der Kapitalsumme. Es besteht keine Garantie, dass eine Strategie ihr Ziel erreichen wird. Die Wertentwicklung kann auch durch Währungsschwankungen beeinflusst werden. Eine geringere Liquidität kann den Kurswert der Vermögenswerte beeinträchtigen. Währungsschwankungen können den Wert ausländischer Anlagen beeinträchtigen. Strategien, die in Schwellenländer investieren, können mit höheren Risiken verbunden sein als jene, die in Industrieländer investieren. Strategien, die in Finanzderivate investieren, sind mit spezifischen Risiken verbunden, die das Risikoprofil der Strategie erhöhen können. Bei Strategien, die in bestimmte Sektoren oder Regionen investieren, können die Renditen stärker schwanken als bei einer breiter diversifizierten Strategie.

Herausgegeben von Franklin Templeton International Services S.à r.l., Niederlassung Deutschland, Mainzer Landstr. 16, 60325 Frankfurt am Main.

Wenn Sie Informationen über die Publikumsfonds für Privatanleger von Franklin Templeton wünschen, besuchen Sie bitte www.franklinresources.com. Dort werden Sie auf Ihre lokale Website von Franklin Templeton weitergeleitet.