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Kernpunkte

  • Ein neuer globaler Investitionszyklus im Verteidigungssektor erstreckt sich mittlerweile über die größten Rüstungskonzerne hinaus auch auf agile Hightech-Verteidigungsunternehmen. Dabei erweist sich Europa als wichtiger Treiber für steigende Verteidigungsausgaben.
  • Die Prioritäten in der Verteidigung verlagern sich von traditionellen Plattformen hin zu schnelleren, autonomeren und stärker softwarebasierten unbemannten Systemen, Verteidigungselektronik und Luft- und Raumfahrttechnologie.
  • Unseres Erachtens bieten sich attraktive Chancen bei kleineren Spezialanbietern, die zentrale Glieder in der Verteidigungslieferkette darstellen, neue Plattformen schneller entwickeln können und ein breiter diversifiziertes Engagement in Verteidigungsausgaben ermöglichen.
     

Reinvestitionen in die Verteidigung nicht mehr ausschließlich die Domäne der großen Rüstungskonzerne

Die globalen Verteidigungsausgaben befinden sich in einem anhaltenden Aufwärtszyklus, da Regierungen auf ein zunehmend umkämpftes geopolitisches Umfeld und eine sich wandelnde Rolle hinsichtlich der Sicherheitsprioritäten der USA reagieren. Laut dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) beliefen sich die weltweiten Militärausgaben im Jahr 2025 auf 2,887 Bio. USD, was einem realen Anstieg von 2,9 % entspricht und das elfte Jahr in Folge Wachstum bedeutet (Abbildung 1). Zwischen 2016 und 2025 erhöhten sich die weltweiten Militärausgaben um 41 %. Das unterstreicht, dass der aktuelle Zyklus keine kurzfristige Reaktion, sondern eine mehrjährige Neuausrichtung der nationalen Sicherheitsprioritäten darstellt.

Abbildung 1: Weltweite Militärausgaben seit 11 Jahren in Folge im Anstieg

Quelle: Das Stockholm International Peace Research Institute. Stand: 27. April 2026.

Das Wachstum ist vermehrt global angelegt. Während die USA absolut betrachtet weiterhin die weltweit höchsten Verteidigungsausgaben tätigen, gingen die Ausgaben außerhalb der USA 2025 um 9,2 % nach oben. Europa bot das deutlichste Beispiel für eine stärkere Wiederaufrüstung: Die Militärausgaben wurden um 14 % aufgestockt. In Asien und Ozeanien nahmen die Verteidigungsausgaben indes um 8,1 % zu. Auch die politischen Zusagen der NATO deuten auf weiteren Spielraum hin: Auf dem Haager Gipfel 2025 verpflichteten sich die Bündnispartner zu jährlichen Investitionen in Höhe von 5 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bis zum Jahr 2035. Dabei sind mindestens 3,5 % für zentrale Verteidigungsanforderungen und bis zu 1,5 % für verteidigungs- und sicherheitsbezogene Ausgaben vorgesehen.

Abbildung 2: Verteidigungsausgaben auf historischem Höchststand und weiter mit Aufwärtstendenz

Quelle: Das Stockholm International Peace Research Institute. Stand: 27. April 2026.

Diese Ausgaben fließen nicht nur an die größten Rüstungskonzerne. Der von Drohnentechnologie geprägte Russland-Ukraine-Krieg und der Konflikt in Nahost verdeutlichen die zunehmende Ausrichtung moderner Verteidigungsprioritäten auf schnellere, stärker verteilte, autonomere und eher softwaregestützte Systeme – Bereiche, in denen kleinere Spezialunternehmen eine überproportionale Rolle spielen können. Da sich die Beschaffung auf Kompetenzen wie Weltraumsysteme, Drohnen, Antriebstechnik, Verteidigungselektronik, Nukleartechnologien und hochentwickelte Luft- und Raumfahrtkomponenten verlagert, gewinnen diese kleineren Spezialanbieter als wichtige Akteure im Zyklus der Verteidigungsausgaben zunehmend an Bedeutung.

Schnellere und flexiblere Technologien für die moderne Verteidigung

Die Art der Verteidigungsausgaben vollzieht einen Wandel. Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten bekräftigen die Bedeutung unbemannter Systeme, der Raketenabwehr, kostengünstiger Einwegplattformen, einer schnellen Produktionskapazität sowie von Technologien, die rascher als herkömmliche Großplattformen einsatzbereit sind. Das ist insbesondere für europäische Regierungen relevant, von denen viele bestrebt sind, ihre Bestände aufzustocken, die Luftverteidigung zu stärken, die heimische Industrieproduktion auszubauen und die Beschaffungsprozesse zu beschleunigen.

Dieses Umfeld begünstigt Unternehmen, die über gezielte technische Fachkompetenz, flexible Fertigungsmodelle und ein Engagement in vorrangigen Bereichen der Verteidigungshaushalte verfügen. Beispielsweise sind Small-Cap-Unternehmen in mehreren prioritären Verteidigungskategorien vertreten, darunter unbemannte Flugsysteme, Hyperschall- und Raketenabwehr, Raketenantriebe und Weltraumtechnologien. Eine Partnerschaft mit einem führenden Rüstungskonzern in der EU zur Entwicklung eines unbemannten kooperativen Kampfflugzeugs für die deutsche Luftwaffe zeigt, wie kleinere Anbieter von Verteidigungstechnologie neben etablierten regionalen Hauptauftragnehmern den europäischen Bedarf an Kompetenzen decken können. Die Fokussierung auf kostengünstigere, schnell einsetzbare Systeme kann das Wachstum und die Margenausweitung von Small-Cap-Rüstungsunternehmen beflügeln, da die nationalen Verteidigungshaushalte zunehmend Geschwindigkeit, Skalierbarkeit und Autonomie priorisieren. Rüstungskonzerne mit staatlichen Großaufträgen greifen in zahlreichen vorrangigen Investitionsbereichen zunehmend auf kleinere Unternehmen als Zulieferer zurück, darunter bei der Herstellung kritischer Bauteile und Systeme für Raketen und Raketenabwehr sowie für das U-Boot-Programm der USA – allesamt Bereiche, die mit den sich wandelnden Prioritäten der nationalen Sicherheit verbunden sind.

Diese Unternehmen stehen im Einklang mit einem allgemeinen Trend hin zu einer schnelleren und flexibleren Beschaffung im Verteidigungsbereich. In den USA tragen das auf Drohnen spezialisierte Replicator-Programm und die Commercial Solutions Openings der Defense Innovation Unit dazu bei, die Lieferantenbasis des Pentagon über die traditionellen Hauptauftragnehmer hinaus zu erweitern. Gleichzeitig fördern der Europäische Verteidigungsfonds, das EU Defence Innovation Scheme und der NATO Defence Innovation Accelerator for the North Atlantic die Verteidigungsinnovation, kleine und mittlere Unternehmen sowie Dual-Use-Technologien im Bündnis. Zusammen spiegeln diese Bemühungen den wachsenden Bedarf an verteilten, autonomen und anpassungsfähigen Systemen – von Drohnen über Sensoren bis hin zu Präzisionstechnologien – wider, die in großem Maßstab produziert und eingesetzt werden können. Für kleinere Unternehmen mit spezialisierter Technologie und Fertigungskompetenz kann sich dadurch ein direkterer Zugang zur Partizipation an der Modernisierung der Verteidigung ergeben als im traditionellen Modell des Hauptauftragnehmers. Da kleinere und neuere Unternehmen für Verteidigungstechnologie nicht den enormen Verwaltungsaufwand und das geringere Wachstum der großen Rüstungskonzerne zu bewältigen haben, können sie diese kritischen Kompetenzen zu attraktiveren Preisen anbieten.

Hochentwickelte Komponenten für den Einsatz entscheidend

Moderne Verteidigungssysteme sind zunehmend durch Präzisionstechnologie, fortschrittliche Sensorik und spezialisierte Komponenten geprägt. Ob die Anwendung ein Flugzeugtriebwerk, ein Raketenabwehrsystem, eine Drohne, ein Satellit oder eine Weltraumplattform ist – der Bedarf an hochtechnisierten Komponenten wächst stetig. Das eröffnet Chancen für kleinere Unternehmen, die spezialisierte Nischen in der umfassenderen Lieferkette für Luft- und Raumfahrt und Verteidigung besetzen.

Ein in den USA ansässiges Mid-Cap-Unternehmen liefert beispielsweise hochentwickelte Lager und Bauteile an die Luft- und Raumfahrt-, Verteidigungs- und Industriemärkte und ist damit in Verteidigungsprogrammen, der Nachfrage nach Raketenersatzteilen und den Produktionsraten der Luft- und Raumfahrt-OEMs engagiert. Ein weiteres Unternehmen wiederum bietet Schlüsseltechnologien für industrielle Wachstumsmärkte an, darunter Überwachungs- und Steuerungsinstrumente, elektronische Prüf- und Messgeräte, Sensoren für den sichtbaren Spektralbereich, die in Überwachungs- und Zielsystemen zum Einsatz kommen, sowie Verteidigungselektronik und Luftfahrtausrüstung. Das Engagement des Unternehmens erstreckt sich über Militär-, Verteidigungs-, Drohnen- und Weltraumanwendungen.

Der gemeinsame Nenner ist die Spezialisierung. Diese Unternehmen sind keine Großauftragnehmer, die ganze Plattformen bauen. Sie liefern schwer nachahmbare Technologien und Komponenten, die das Funktionieren fortschrittlicher Plattformen ermöglichen. Mit zunehmender Komplexität, Vernetzung und Präzision von Verteidigungssystemen gewinnen Lieferanten von hochentwickelten Komponenten an kritischer Bedeutung für die Modernisierung der Kompetenzen in Luftfahrt, Verteidigung, Drohnentechnologie und Weltraum. Für viele dieser Komponentenhersteller ist besonders wichtig, dass ihre entscheidenden Lösungen speziell für kostenintensive Plattformen entwickelt sind, Ersatzbedarf im Aftermarket schaffen und eine starke Preisgestaltungsmacht mit sich bringen, was wiederum ein solides Margenprofil gewährleistet.

Der Weltraum als neue Frontlinie

Weltraumtechnologie hat sich von einem spezialisierten Nischenmarkt zu einer zentralen Säule der modernen Verteidigungsarchitektur entwickelt (wobei in Zukunft wahrscheinlich auch kommerzielle Möglichkeiten entstehen werden). Kommunikation, Überwachung, Navigation, Raketenfrühwarnung und Gefechtsfeldkoordination sind immer stärker auf Satellitennetzwerke angewiesen, die auch in umkämpften Umgebungen zuverlässig funktionieren. Da Regierungen angesichts der sich verschärfenden geopolitischen Unsicherheit größere strategische Autonomie, resilientere Kommunikationssysteme und bessere Überwachungsmöglichkeiten anstreben, hat das besondere Bedeutung erlangt.

Dieser Wandel eröffnet Chancen für kleinere Unternehmen, die flexibel agieren können und sich auf bestimmte Bereiche des Weltraum-Ökosystems fokussieren. Beispielsweise fertigt und wartet ein Small-Cap-Unternehmen Satelliten für Kunden aus Luft- und Raumfahrt und Verteidigung und verfügt über ein Engagement sowohl in weltraumgestützten Verteidigungsprogrammen der USA als auch in neuen kommerziellen Anwendungsbereichen. Unserer Auffassung nach verdeutlichen das rasche Wachstum dieses Unternehmens bei Kernprogrammen und die potenzielle Ausweitung auf Anwendungen im Zusammenhang mit Golden Dome, wie neue Verteidigungsprioritäten die Chancen für kleinere spezialisierte Anbieter von Satelliten vergrößern. Ein weiteres Mid-Cap-Unternehmen liefert Raumfahrzeuge, Satellitenkomponenten und Startdienste für kommerzielle, staatliche und vertrauliche Kunden und bietet ein Engagement im wachsenden Bedarf an der Herstellung von Weltraumsystemen, da Satellitenkonstellationen für die nationale Sicherheit immer wichtiger werden.

Vor allem unterstreichen die Beiträge solcher Unternehmen, wie weltraumbezogene Verteidigungsausgaben nicht nur an große Hauptauftragnehmer fließen, sondern auch an kleinere Spezialisten, die Satelliten, Startkapazitäten und missionskritische Komponenten entwickeln, welche die nächste Generation militärischer Infrastruktur unterstützen.

Kleinere Unternehmen können ein differenziertes Verteidigungsengagement bieten

Aus unserer Sicht sind einige der vielversprechendsten Chancen im Rahmen eines potenziell einmaligen Investitionszyklus im Verteidigungs- und Weltraumsektor außerhalb der größten Rüstungskonzerne zu finden. Mit der Ausweitung der Verteidigungsausgaben – insbesondere in Europa, wo Regierungen die Haushalte rasch aufstocken und Kapazitäten wiederaufbauen – liefern kleinere Spezialanbieter zunehmend unverzichtbare Kompetenzen bei unbemannten Systemen, Verteidigungselektronik, spezialisierten Luft- und Raumfahrtkomponenten, Nukleartechnologien und Weltrauminfrastruktur.

Der aktuelle Wiederaufrüstungszyklus besteht nicht nur darin, mehr herkömmliche Flugzeuge, Schiffe oder Fahrzeuge zu produzieren. Vielmehr geht es um die Modernisierung der Verteidigungsarchitektur für eine Welt, die von umkämpftem Luftraum, autonomen Systemen, elektronischer Kriegsführung, Raketenabwehr, resilienter Infrastruktur und weltraumgestützter Kommunikation geprägt ist. Diese Prioritäten lassen die Nachfrage entlang der Verteidigungslieferkette wachsen, wobei kleinere Spezialanbieter eine entscheidende Rolle spielen können.



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