AUTOREN

Francis Gannon
Co-Chief Investment Officer, Managing Director
Unsicherheit + Volatilität = ein negatives Quartal
Das erste Quartal 2025 war für US-Aktien schwierig. Die Zollankündigungen (sowie das Hin und Her bei der Umsetzung, das für Volatilität sorgte), die hartnäckig hohe Inflation, das schwindende Verbrauchervertrauen und das anschließende Wiederaufflackern der Rezessionsängste setzten viele Aktien im Februar und über weite Teile des März anhaltend unter Druck. Die Märkte hassen kaum etwas so sehr wie Unsicherheit, und im ersten Quartal schien es davon mehr zu geben als üblich.
Der Russell 2000 Index der Small-Caps gab um 9,5 % nach, der Russell 1000 Index, der Large Caps abbildet, verlor 4,5 %. Allerdings konzentrierte sich die Outperformance der Large-Cap-Werte nicht auf die kleine Gruppe der Mega-Cap-Aktien, die in den vergangenen Jahren an der Marktspitze standen: Der Russell Top 50 Index sank im ersten Quartal 2025 um 7,6 %, während der technologielastige Nasdaq Composite 10,3 % abgeben musste.
Ein schwieriges Quartal für US-Aktien
Renditen der Russell Indizes im ersten Quartal 2025
Quelle: Russell Investments. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Der Russell Microcap Index hat im ersten Quartal 14,4 % verloren, damit war in den ersten drei Monaten des Jahres kein wirkliches Muster einer kapitalisierungsabhängigen Performance zu erkennen. Wenn überhaupt, dann kam es im Berichtszeitraum zu einer Flucht aus den „Glorreichen Sieben“, der Gruppe der Mega-Cap-Technologiewerte Alphabet, Amazon, Apple, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla, die alle im ersten Quartal 2025 Federn lassen mussten. Die jüngste Entkoppelung der Glorreichen Sieben vom Großteil der Large-Cap-Ergebnisse ist ein Trend, denn wir genau beobachten werden, denn eine Verbreiterung des Marktes war in der Vergangenheit immer ein gutes Signal für sowohl die absolute als auch die relative langfristige Performance der Small-Cap-Titel.
Ausland
In deutlichem Gegensatz zu ihren US-Pendants konnten Nicht-US-Aktien einen erfreulichen Jahresauftakt 2025 verzeichnen. Sowohl der MSCI ACWI ex-USA Small Cap Index als auch der MSCI ACWI ex-USA Large Cap Index konnten nach dem negativen vierten Quartal 2024 eine Trendwende verzeichnen und starteten das Jahr im Plus. Der MSCI ACWI ex-USA Small Cap erzielte im ersten Quartal 2025 einen Anstieg um 0,6 %, sein Large-Cap-Pendant konnte 5,5 % zulegen. Damit konnten beide die Auswirkungen der Kombination aus politischen Turbulenzen in Deutschland, Frankreich und Kanada und der anhaltenden Konjunkturflaute in China, die zum enttäuschenden Jahresende 2024 beigetragen hatte, hinter sich lassen.
Large-Cap-Aktien aus anderen Ländern als den USA lagen im 1- und im 3-Jahres-Zeitraum zum 31.03.2025 auf relativer Basis vorn, während der MSCI ACWI ex-USA Small Cap im 5- und 10-Jahreszeitraum zum 31.03.2025 die Nase vorn hatte.
Erholung der Small Caps
Wie bei einem Abwärtstrend am Markt – auch wenn der aktuelle erst seit Kurzem andauert – nicht anders zu erwarten, konnte sich der Russell 2000 Value Index im ersten Quartal 2025 mit einem Minus von 7,7 % besser behaupten als der Russell 2000 Growth Index, der 11,1 % einbüßte.
In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder festgestellt, dass sich die Small-Cap-Indizes mit der Performanceführung merkwürdig symmetrisch immer wieder abgewechselt haben. Diese Beobachtung hatte in jüngster Zeit über längere Zeiträume Gültigkeit. Der Russell 2000 Value übertraf sein Small-Cap-Growth-Pendant in den 1- und 5-Jahres-Zeiträumen zum 31.03.2025, während der dem Russell 2000 Growth im 3-Jahres-Zeitraum hinterherhinkte. Interessanterweise lagen die Indizes im 10-Jahres-Zeitraum zum 31.03.2025 praktisch gleichauf, sie legten beide um 6,1 % zu.
Und schließlich musste der Russell 2000 Value gegenüber dem vorangegangenen Höchststand der Small-Cap-Werte vom 11.08.2021 bis zum Ende des ersten Quartals 2025 deutlich weniger abgeben, sein Minus betrug 7,6 % gegenüber einem Verlust von 19,7 % beim Russell 2000 Growth. Dieses Ergebnis deckt sich eher mit dem langfristigen Muster, denn üblicherweise verliert der Index der Value-Titel aus dem Small-Cap-Segment in Phasen eines Marktrückgangs oder bei höchst volatilen Märkten weniger. (Vom jüngsten Hoch des Russell 2000 am 24.11.2024 bis zum 31.03.2025 lag der Index der Value-Titel aus dem Small-Cap-Segment ebenfalls vorn, allerdings war der Vorsprung mit einem Minus von 14,7 % gegenüber einem Rückgang um 17,2 % weniger deutlich.)
Die Small-Cap-Sektorstory
Innerhalb des Russell 2000 schmälerten zehn der elf Sektoren die Performance im ersten Quartal 2025. Die größten Verlustbringer waren die Sektoren Informationstechnologie, Industrie, Gesundheitswesen und zyklische Konsumgüter. Positivbeiträge kamen lediglich aus dem Versorgungssektor, der leicht zulegen konnte, während Basiskonsumgüter und Immobilien die Wertentwicklung am wenigsten belasteten. Die defensiven Sektoren – Basiskonsumgüter, Gesundheitswesen, Immobilien und Versorgungsunternehmen – verloren deutlich weniger als ihre zyklischen Pendants. Dies stand im Gegensatz zum vierten Quartal 2024, in dem zehn der elf Sektoren das Quartal im Plus beendet hatten.
10 von 11 Sektoren schmälerten die Performance im ersten Quartal 2025
Negative Sektorbeiträge zum Russell 2000 im ersten Quartal 2025
Quelle: Russell Investments. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Der Großteil der Negativbeiträge des Small-Cap-Technologiesektors kam aus den Bereichen Software sowie Halbleiter und Halbleiterausrüstung. Zusammen mit Biotechnologie waren sie die drei größten Verlustbringer unter den Sektoren im Russell 2000. Doch auch wenn diese Branchen erhebliche Verluste verzeichneten, so war der Rückgang bei den Small-Cap-Werten doch gleichmäßiger auf Sektoren, Branchen und natürlich Unternehmen verteilt.
Korrekturen passieren… wichtig ist, wie man darauf reagiert
Es ist noch zu früh, um sagen zu können, ob das erste Quartal nur eine kurzzeitige Marktschwäche oder der Beginn einer längeren Phase fallender Aktienkurse war. Als Small-Cap-Spezialisten mit einer über 50-jährigen Erfahrung haben wir jedoch einen entscheidenden Vorteil – wir sind an Korrekturen und Bärenmärkte gewöhnt. Wir haben immer danach gestrebt, dann begierig zuzugreifen, wenn andere ängstlich waren, und uns zurückzuhalten, wenn andere gierig waren. Die folgende Grafik zeigt, wie häufig unterjährige Rückgänge in ansonsten positiven Jahren für Small-Cap-Aktien auftreten.
Erhebliche unterjährige Rückgänge treten häufig auf
Erträge des Russell 2000 in einem Kalenderjahr und stärkste Einbrüche innerhalb eines Kalenderjahres, 31.12.2000-31.03.2025
Quelle: Russell Investments. 1Die Daten für den bisherigen Jahresverlauf sind in den Durchschnittswerten nicht enthalten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Wir wissen natürlich, dass es aus psychologischen Gründen schwierig ist, weiterhin zu investieren, wenn die Kurse fallen. Im Laufe der Jahre haben wir jedoch immer wieder festgestellt, dass Panikverkäufe oder Zurückzahlung während Marktrückgängen langfristig teuer sein können.
Das Verpassen der frühesten Phase der Rally ist immer kostspielig
Durchschnittliche 12-Monats-Erträge beim Russell 2000 während einer Erholungsphase, abhängig von verschiedenen Einstiegspunkten, 05.10.1979-31.03.2025
Quelle: Russell Investments. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Natürlich fragen wir uns auch, ob Small-Cap-InvestorInnen – insbesondere die aktiven unter ihnen – einen psychologischen Vorteil gegenüber ihren Large-Cap-Pendants haben: In der Vergangenheit kam es im Small-Cap-Segment häufiger zu Korrekturen. Tatsächlich glauben wir, dass einer der wichtigsten Faktoren für einen langfristigen Erfolg eines aktiven Investmentansatzes im Aktienuniversum darin besteht, bei Marktrückgängen investiert zu bleiben – und das gilt unabhängig vom Stil oder der Marktkapitalisierung.
Sonnige Aussichten trotz unklarer Wetterlage
Uns stehen zugegebenermaßen ungewisse Zeiten bevor. Die beunruhigenden Faktoren, die wir oben aufgeführt haben – Zölle, Inflation und schwindendes Verbrauchervertrauen – sind alles legitime Gründe zur Sorge. Wenn es wirklich zu einer Rezession – oder sogar zu einer Phase der Stagflation – kommen sollte, dann werden wir weiterhin nach attraktiv bewerteten Unternehmen Ausschau halten, die sich zudem durch eine Kombination aus geringer Verschuldung, robusten Cashflows, gut etablierter Gewinnentwicklung, robusten langfristigen Wachstumsaussichten und einem bewährten Management auszeichnen. Man darf unseres Erachtens auch nicht vergessen, dass schwierige Wirtschafts- und/oder Marktphasen irgendwann auch wieder enden. Diejenigen AnlegerInnen, die von einer Erholung am meisten profitieren, sind fast immer diejenigen, die sich auch in unruhigen Zeiten nicht vom Kurs abbringen ließen.
Falls sich diese Sorgen als übertrieben erweisen und die Wirtschaft weiterhin wächst, dann sehen wir ein großes Potenzial für eine anhaltende Phase der Marktführung der Small-Cap-Werte. Gemessen an unserer bevorzugten Indexbewertungskennzahl, dem Verhältnis des Unternehmenswertes zum Gewinn vor Zinsen und Steuern (EV/EBIT), ist der Russell 2000 nach wie vor deutlich attraktiver bewertet als der Russell 1000.
Die Bewertungssituation ist schon im Hinblick auf eine spätere Rückkehr zum Mittelwert vielversprechend; noch attraktiver wird sie jedoch, wenn man auch die Konsensschätzungen zum Gewinnwachstum einbezieht. Ende 2024 ging man davon aus, dass der Russell 2000 im Jahr 2025 gemessen am Gewinn je Aktie ein stärkeres Gewinnwachstum verzeichnen würde als der Russell 1000. (Der Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) wird berechnet als der Gewinn eines Unternehmens, geteilt durch die im Umlauf befindlichen Stammaktien. Die EPS-Wachstumsschätzungen sind die von Broker-Analysten vorausberechneten Schätzungen der mittleren einjährigen EPS-Wachstumsrate. Bei den Schätzungen handelt es sich um den von FactSet übernommenen Durchschnitt der Schätzungen von Analysten aus Brokerunternehmen, die Analysen zu den Einzeltiteln erstellen. Sämtliche Nicht-Aktienwerte, Investmentgesellschaften und Unternehmen, die nicht von Broker-Analysten beobachtet werden, sind ausgeschlossen. Quelle: FactSet.)
Wir begrüßen ein Marktumfeld, in dem sich unseren Investmentteams kontinuierlich äußerst vielversprechende langfristige Chancen bieten. Diese lassen sich bei attraktiv niedrigen Kursen in Zeiten turbulenter oder höchst volatiler Märkte leichter finden. Auch für den weiteren Jahresverlauf bleiben wir überzeugt, dass die Voraussetzungen optimal sind – für eine Führungsposition der Small Caps ebenso wie für unseren aktiven Ansatz, den wir der Zusammenstellung unserer Portfolios zugrunde legen.
Definitionen
Der Russell 1000 Index ist ein nicht verwalteter, kapitalisierungsgewichteter Index für inländische Large-Cap-Aktien. Er misst die Wertentwicklung der 1.000 größten börsennotierten US-Unternehmen im Russell 3000 Index.
Der Russell 2000 Index ist ein Index für inländische Small-Cap-Aktien, der die Wertentwicklung der 2.000 kleinsten börsennotierten US-Unternehmen im Russell 3000 Index misst.
Die Russell 2000 Value und Growth Indizes umfassen jeweils die Substanz- bzw. Wachstumswerte im Russell 2000, wie von Russell Investments festgelegt.
Der Russell Microcap Index misst die Wertentwicklung des Micro-Cap-Segments des US-Aktienmarktes.
Der Russell Top 50 Mega Cap Index ist ein nach der Marktkapitalisierung gewichteter Index der 50 größten Aktien im breiten Russell 3000 Universum der US-Aktien.
Der MSCI ACWI ex USA Small-Cap Index ist ein nicht gemanagter, kapitalisierungsgewichteter Index globaler Small-Cap-Werte, ohne Small-Caps aus den USA.
Der MSCI ACWI ex USA Large-Cap Index ist ein nicht gemanagter, kapitalisierungsgewichteter Index globaler Large-Cap-Werte, ohne Large-Caps aus den USA.
Der Unternehmenswert (Enterprise Value, EV) bezieht sich auf den Gesamtwert eines Unternehmens nach Berücksichtigung von Fremdkapital- und Eigenkapitalgebern.
Die Bewertungskennzahl EV/EBIT ist das Verhältnis zwischen dem Unternehmenswert (EV) und dem Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT).
WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, ein Verlust des Anlagekapitals ist möglich. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Investoren können nicht direkt in einen Index investieren. Die Renditen nicht verwalteter Indizes enthalten keine Gebühren, Aufwendungen oder Verkaufsgebühren.
Beteiligungspapiere unterliegen Kursschwankungen und sind mit dem Risiko des Kapitalverlusts verbunden.
Rohstoffe und Währungen sind mit erhöhten Risiken verbunden, zu denen unter anderem Marktrisiken und politische Risiken, das Regulierungsrisiko sowie Risiken im Zusammenhang mit naturgegebenen Bedingungen gehören, sodass sie unter Umständen nicht für alle Anleger geeignet sind.
Die Risiken und die Volatilität bei Small-Cap- und Mid-Cap-Aktien sind größer als bei Large-Cap-Aktien.
US-Staatsanleihen (Treasuries) sind direkte Schuldverschreibungen, die von der US-Regierung begeben werden und durch ihre uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit abgesichert sind. Die US-Regierung garantiert die Kapital- und Zinszahlungen auf US-Staatsanleihen, wenn die Wertpapiere bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Im Gegensatz zu US-Staatsanleihen sind Schuldtitel, die von Bundesbehörden und Gebietskörperschaften begeben werden, sowie damit verbundene Anlagen nicht unbedingt durch die uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit der US-Regierung abgesichert. Selbst wenn die US-Regierung die Kapital- und Zinszahlungen auf Wertpapiere garantiert, betrifft diese Garantie keine Verluste, die auf einen Rückgang des Marktwerts dieser Wertpapiere zurückzuführen sind.
Alle Unternehmen und/oder Fallstudien im vorliegenden Dokument dienen lediglich der Veranschaulichung. Eine Anlage wird derzeit nicht unbedingt in einem von Franklin Templeton empfohlenen Portfolio gehalten. Die bereitgestellten Informationen stellen weder eine Empfehlung noch eine individuelle Anlageberatung in Bezug auf bestimmte Wertpapiere, Strategien oder Anlageprodukte dar und sind kein Hinweis auf Handelsabsichten eines durch Franklin Templeton verwalteten Portfolios. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Die in diesem Artikel genannten Daten und Zahlen stammen von Russell Investments, FactSet, Bloomberg und Reuters.
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