AUTOREN

Francis Gannon
Co-Chief Investment Officer, Managing Director
Die Aktienmärkte kommen mit Unsicherheit nicht gut zurecht, und für die nächste Zeit rechnen wir mit einigen Ereignis- und politischen Risiken, die für Marktvolatilität sorgen dürften. Doch ergibt sich daraus auch eine langfristige Chance, vor allem für eine in Ungnade gefallene Anlageklasse, die von vielen AnlegerInnen lange Zeit ignoriert wurde."
Handelsspannungen und Anzeichen einer sich abkühlenden Wirtschaft nehmen zu, daher scheint es, dass die wirtschaftliche Unsicherheit von Tag zu Tag größer wird. Keine Frage, die Konjunkturmeldungen haben in letzter Zeit enttäuscht: Eintrübung des Konsumklimas, höhere Inflationserwartungen, rückläufige Auftragseingänge im verarbeitenden Gewerbe und so viele schwebende Hauskäufe wie noch nie. Hinzu kommen immer wieder neue Meldungen über Zölle, die erst eingeführt werden sollen, dann doch nicht oder später, sowie verstärkt Entlassungen in Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen – die besten Voraussetzungen für eine Korrektur. So ist der Russell 2000 Index ausgehend von seinem letzten Höchststand am 25. November 2024 um 17,0 % zum 10.3.2025 zurückgegangen. Ob diese Wachstumssorgen oder eine mögliche Rezession etwas an unserer Überzeugung hier bei Royce ändern wird, dass sich der Markt weiter verbreitern wird?
Aus unserer Perspektive sind wir weiterhin zuversichtlich, dass es zu einer Verbreiterung des Markts kommt. Der Russell 2000 lag in den letzten vier Jahren im negativen Bereich und verzeichnete im Zeitraum vom 10. März 2021 bis 10. März 2025 eine annualisierte Rendite von –1,7 %, während der Russell 1000 im selben Zeitraum im Durchschnitt mit 10,2 % rentierte. Kleinere Unternehmen sind mit der Zeit in Ungnade gefallen. Aber auch wenn die durch die derzeitige Nachrichtenlage bedingte Unsicherheit dazu führt, dass die Märkte sich auf kurze Sicht wieder neu finden, sehen wir einige ausgleichende positive Faktoren, die kleineren Unternehmen zugute kommen dürften, wie z. B. attraktivere Bewertungen, starkes Wachstumspotenzial, Re-shoring, Deregulierung und Diversifizierung, gegen das hohe Konzentrationsrisiko bei den Large-Cap-Indizes. Hinzu kommt, dass die Unternehmen im Russell 2000 Ende 2024 zusammen nur 4,7 % des Russell 3000 ausmachten (gemessen an der Marktkapitalisierung). Eine derart niedrige Gewichtung von Small-Caps im Russell 3000 gab es zuletzt in den späten 1980er Jahren – der langfristige Durchschnitt liegt bei knapp 8 %.
Gewichtung von Small-Caps im Russell 3000 auf historischem Tiefstand
Gesamtmarktkapitalisierung des Russell 2000 in Prozent der Gesamtmarktkapitalisierung des Russell 3000 (in %), 30.11.1984–31.12.2024
Quelle: FactSet.
Nach einer zwei Jahre andauernden Gewinnrezession und einer unerwartet positiven Berichtssaison scheinen die Ergebnisse des vierten Quartals 2024 darauf hinzudeuten, dass die Gewinne der Small-Caps möglicherweise die Talsohle erreicht haben und in den kommenden zwei Jahren den Markt anführen dürften.
Durchschnittliches erwartetes Gewinnwachstum für 2025–2026
Geschätztes aggregiertes 2-Jahres-EPS-Wachstum je Index
Der Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) wird berechnet als der Gewinn eines Unternehmens, geteilt durch die im Umlauf befindlichen Stammaktien. Die EPS-Wachstumsschätzungen sind die von Broker-Analysten vorausberechneten Schätzungen der mittleren einjährigen EPS-Wachstumsrate. Bei den Schätzungen handelt es sich um den von FactSet übernommenen Durchschnitt der Schätzungen von Analysten aus Brokerunternehmen, die Analysen zu den Einzeltiteln erstellen. Sämtliche Nicht-Aktienwerte, Investmentgesellschaften und Unternehmen, die nicht von Broker-Analysten beobachtet werden, sind ausgeschlossen. Quelle: FactSet.
In Anbetracht des zunehmenden Risikos von Wachstumssorgen, egal ob infolge der zollpolitischen Spannungen, der Abkühlung der Wirtschaft oder von beidem, haben die AnlegerInnen zu Recht die Wahrscheinlichkeit rückläufiger Gewinne und eines abnehmenden Umsatzwachstums im Fokus. Die Gewinnerwartungen sind gesunken, aber nicht in hohem Maße. Sollten sich die Wachstumssorgen zu einer Rezession auswachsen, wird sich diese Dynamik mit ziemlicher Sicherheit verändern. Allerdings hat eines der zuverlässigsten Rezessionssignale der Vergangenheit noch nicht angeschlagen – die Spreads sind im historischen Vergleich weiterhin sehr eng.
Natürlich sind Korrekturen nie schön. Aber sie sind normal und irgendwann vorbei. Der durchschnittliche Rückgang innerhalb eines Jahres beim Russell 2000 im Zeitraum von Ende 1999 bis Ende 2024 beträgt 20 %, während die durchschnittliche annualisierte Rendite innerhalb eines Kalenderjahres im selben Zeitraum bei 9,2 % lag. Die Aktienmärkte kommen mit Unsicherheit nicht gut zurecht, und für die nächste Zeit rechnen wir mit einigen Ereignis- und politischen Risiken, die für Marktvolatilität sorgen dürften. Doch ergibt sich daraus auch eine langfristige Chance, vor allem für eine in Ungnade gefallene Anlageklasse, die von vielen AnlegerInnen lange Zeit ignoriert wurde. Die Mean Reversion ist ein mächtiges Konzept, sagt Ben Graham: „Kurzfristig ist der Aktienmarkt eine Wahlmaschine. Langfristig aber ist er eine Waage.“ Dem können wir nur zustimmen!
Definitionen
Der Russell 1000 Index ist ein nicht verwalteter, kapitalisierungsgewichteter Index für inländische Large-Cap-Aktien. Er misst die Wertentwicklung der 1.000 größten börsennotierten US-Unternehmen im Russell 3000 Index.
Der Russell 2000 Index ist ein Index für inländische Small-Cap-Aktien, der die Wertentwicklung der 2.000 kleinsten börsennotierten US-Unternehmen im Russell 3000 Index misst.
Der Russell 3000 Index ist ein nicht gemanagter Index für die 3.000 größten US-Unternehmen.
WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, ein Verlust des Anlagekapitals ist möglich. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen. Investoren können nicht direkt in einen Index investieren. Die Renditen nicht verwalteter Indizes enthalten keine Gebühren, Aufwendungen oder Verkaufsgebühren.
Beteiligungspapiere unterliegen Kursschwankungen und sind mit dem Risiko des Kapitalverlusts verbunden.
Rohstoffe und Währungen sind mit erhöhten Risiken verbunden, zu denen unter anderem Marktrisiken und politische Risiken, das Regulierungsrisiko sowie Risiken im Zusammenhang mit naturgegebenen Bedingungen gehören, sodass sie unter Umständen nicht für alle Anleger geeignet sind.
Die Risiken und die Volatilität bei Small-Cap- und Mid-Cap-Aktien sind größer als bei Large-Cap-Aktien.
US-Staatsanleihen (Treasuries) sind direkte Schuldverschreibungen, die von der US-Regierung begeben werden und durch ihre uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit abgesichert sind. Die US-Regierung garantiert die Kapital- und Zinszahlungen auf US-Staatsanleihen, wenn die Wertpapiere bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Im Gegensatz zu US-Staatsanleihen sind Schuldtitel, die von Bundesbehörden und Gebietskörperschaften begeben werden, sowie damit verbundene Anlagen nicht unbedingt durch die uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit der US-Regierung abgesichert. Selbst wenn die US-Regierung die Kapital- und Zinszahlungen auf Wertpapiere garantiert, betrifft diese Garantie keine Verluste, die auf einen Rückgang des Marktwerts dieser Wertpapiere zurückzuführen sind.
Alle Unternehmen und/oder Fallstudien im vorliegenden Dokument dienen lediglich der Veranschaulichung. Eine Anlage wird derzeit nicht unbedingt in einem von Franklin Templeton empfohlenen Portfolio gehalten. Die bereitgestellten Informationen stellen weder eine Empfehlung noch eine individuelle Anlageberatung in Bezug auf bestimmte Wertpapiere, Strategien oder Anlageprodukte dar und sind kein Hinweis auf Handelsabsichten eines durch Franklin Templeton verwalteten Portfolios. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
Die in diesem Artikel genannten Daten und Zahlen stammen von Russell Investments, FactSet, Bloomberg und Reuters.
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