AUTOREN

Steve Land
Portfolio Manager,
Franklin Equity Group

1. Was hat die Goldpreise in die Höhe getrieben und die Volatilität verursacht?
Land: In Zeiten finanzieller und geopolitischer Belastungen entwickelt sich Gold erfahrungsgemäß gut. Die aktuellen Handelsspannungen, die globalen Konflikte und die fiskalpolitische Unsicherheit in den großen Volkswirtschaften haben diesen Trend noch verstärkt. Aus struktureller Sicht untergraben hohe Staatsschulden, anhaltende Haushaltsdefizite und eine größere Toleranz gegenüber Inflation das Vertrauen in Fiatwährungen. Ein hohes Maß an gehebelter Spekulation, insbesondere in China, trug dazu bei, die Preise vor einer starken Korrektur Ende Januar nach oben zu treiben.1 Trotz der Rekordrückgänge sehen wir angesichts des begrenzten Angebots und der wachsenden Nachfrage weiterhin fundamentale Unterstützung für hohe Goldpreise.
Gold wird durch eine angespannte Angebots- und Nachfragedynamik gestützt

Quelle: Weltgoldrat. 31. Dezember 2025. Wichtige Mitteilungen und Nutzungsbedingungen des Datenanbieters sind verfügbar unter www.franklintempletondatasources.com.
Goldpreise im Vergleich zu Goldminenbetreibern seit 2000

Quellen: FactSet, LBMA, American Stock Exchange, 31. Januar 2000–3. Februar 2026. Der Goldpreis ist in Spot-USD/Feinunze angegeben, die Goldminenbetreiber sind anhand des NYSE Arca Gold BUGS Index dargestellt. Indizes werden nicht gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Indikator für die zukünftigen Renditen.
2. Warum hinken die Minenbetreiber der Entwicklung des Edelmetalls hinterher?
Land: Zentralbanken und mit Edelmetall besicherte ETFs haben die Goldrallye angeheizt, sodass die Goldpreise deutlich schneller gestiegen sind als die Zuflüsse in Aktien von Minenbetreibern. Viele Minenbetreiber werden unter ihren historischen Bewertungen gehandelt, weisen hohe freie Cashflow-Renditen und ein attraktives Verhältnis von Unternehmenswert zu Cashflow auf.2 Unserer Einschätzung nach sind die Bewertungen in den letzten Jahren um etwa 20 %3 hinter den Goldpreisen zurückgeblieben – eine auffällige Diskrepanz.
3. Ist das Bewertungsgefälle gerechtfertigt?
Land: Unserer Auffassung nach nicht. Die Diskrepanz spiegelt eher die Wahrnehmung der Anleger als die Fundamentaldaten wider. Anleger erinnern sich noch an vergangene Zyklen mit Kosteninflation, Fehlallokation von Kapital und Verwässerung. Aus unserer Sicht hat sich die Branche jedoch verändert. Minenbetreiber weisen heute solidere Bilanzen, eine bessere Kapitaldisziplin und höhere Aktionärsrenditen auf. Angesichts der derzeit hohen Goldpreise bieten Minenbetreiber eine echte operative Hebelwirkung, da ihre Erträge und ihr freier Cashflow schneller steigen als die Goldpreise. Hinzu kommen anhaltender makroökonomischer Rückenwind und die signifikante negative Korrelation zwischen Gold und US-Dollar, sodass die Argumente für Minenbetreiber gut untermauert sind.
4. Unterstützen die Fundamentaldaten höhere Bewertungen von Goldaktien?
Land: Unserer Meinung nach auf jeden Fall. Die hohen Goldpreise haben außergewöhnliche Erträge und Cashflow-Zuwächse ermöglicht. Das dritte Quartal (Q3) 2025 brachte vielen Produzenten Rekordgewinne, wobei das Q4 diese Werte wahrscheinlich noch übertreffen wird. Denn der Goldpreis lag bei durchschnittlich ca. 4.150 USD/Unze, was einem Anstieg von rund 700 USD gegenüber dem Vorquartal und etwa 1.500 USD gegenüber dem Vorjahr entspricht.4 Der Umsatz dürfte um rund 20 % gegenüber dem Vorquartal und um ca. 55 % gegenüber dem Vorjahr zulegen, während die Betriebskosten um weniger als 10 % zugenommen haben.5 Das hat eine erhebliche Margenausweitung zur Folge. Bei gleichbleibender Produktion hat die Kombination aus starker Cashflow-Generierung und attraktiven Bewertungen auch Fusionen und Übernahmen vorangetrieben, sodass Minenbetreiber einen Mehrwert gegenüber dem Vorjahr erzielen, Reserven ersetzen und sich für langfristiges Wachstum positionieren konnten.
5. Wie resilient sind die Minenbetreiber, wenn die Goldpreise sinken?
Land: Zwar ist angesichts der hohen Edelmetallpreise eine gewisse Vorsicht geboten, dennoch gehen wir davon aus, dass Minenbetreiber über einen erheblichen Puffer verfügen. Die Stimmung kann umschlagen – man denke an steigende Zinsen, nachlassende Inflation oder abnehmende geopolitische Spannungen. Wir schätzen jedoch, dass der Goldpreis unter etwa 3.500 USD/Unze fallen müsste, bevor die Wirtschaftlichkeit des Sektors wieder an frühere Abschwungphasen erinnern würde. Höhere Goldpreise verbessern den Zugang zu Kapital, wodurch das Explorations- und Entwicklungspotenzial sowie die Rentabilität von Projekten steigen.
Fazit
Unserer Ansicht nach werden Goldminenbetreiber durch starke Bilanzen, attraktive Bewertungen und zahlreiche Katalysatoren, darunter auch Fusionen und Übernahmen, gestützt. In Verbindung mit dem ungewissen fiskalpolitischen und makroökonomischen Umfeld bleiben wir gegenüber Gold und Goldaktien zu Beginn des Jahres 2026 positiv eingestellt.
Fiatwährung: Eine Fiatwährung bzw. Fiatgeld ist eine von einer Regierung ausgegebene Währung, die durch staatliche Regulierung als gesetzliches Zahlungsmittel zugelassen ist. In der Regel ist eine Fiatwährung weder durch Edelmetalle wie Gold oder Silber noch durch andere Sachwerte oder Rohstoffe gedeckt. Alle großen globalen Währungen sind Fiatgeld.
Fußnoten
- Quelle: Bloomberg. 30. Januar 2026.
- Quelle: FactSet und Bloomberg. 27. Januar 2026.
- Quelle: Franklin Templeton Research und Bloomberg. 27. Januar 2026.
- Quelle: FactSet/Bloomberg. 31. Dezember 2025. Der Goldpreis lag im Q4/2025 bei durchschnittlich 4.150 USD/Unze, verglichen mit 3.458 USD/Unze im Q3/2025 und 2.661 USD/Unze im Q4/2024.
- Quelle: FactSet und Bloomberg. 31. Dezember 2025.
WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, ein Verlust des Anlagekapitals ist möglich.
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Die Risiken und die Volatilität bei Small-Cap- und Mid-Cap-Aktien sind größer als bei Large-Cap-Aktien.
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verbunden, z. B., weil die Transaktionen unter Umständen nicht fristgerecht oder zu ungünstigen Bedingungen abgeschlossen werden. Internationale Anlagen sind mit besonderen Risiken verbunden. Hierzu gehören Währungsschwankungen sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, die zu erhöhter Volatilität führen können. Diese Risiken sind in den Schwellenländern noch größer.
