AUTOREN

Scott Glasser
Chief Investment Officer, ClearBridge Investments
United States
Die wichtigsten Punkte
- Der Aktienmarkt erscheint trotz anhaltend starker Indizes müde, da das Spitzenfeld kleiner geworden ist. Das deutet auf eine Phase kurzfristig erhöhter Volatilität angesichts der gespaltenen Stimmung und Furcht vor einer wirtschaftlichen Abkühlung hin.
- Die Gewinnerwartungen für das zweite Halbjahr werden zwar wahrscheinlich zurückgeschraubt, aber die Schwäche dürfte sich in Grenzen halten und die US-Wirtschaft an einer Rezession vorbeischrammen.
- Langfristig wird die Marktbreite wohl wieder auf gesündere Niveaus zurückkehren, da die Mega-Cap-Konzentration stagniert und sich die Beteiligung auf mehr Sektoren und größere Beiträge kleiner und mittlerer Unternehmen ausweitet.
- Wir gehen davon aus, dass sich die Gewinne und die Aktienkursentwicklung der „Glorreichen Sieben“ ausgehend von den soliden Niveaus der letzten 12-18 Monate weiter normalisieren werden. In Zukunft wird die Kohorte vermutlich solide statt spektakuläre Ergebnisse erzielen.
Ein Markt im Wandel
US-Aktien erzielten in der ersten Hälfte des Jahres eine ausgezeichnete Wertentwicklung. Der S&P 500 Index legte um 15,3 % zu, da solide Unternehmensgewinne und Konjunkturmaßnahmen weiterhin die Auswirkungen erhöhter Zinsen wettmachten. Die Zahlen zur Gesamt-Performance wurden von einem Wiederanstieg der Mega-Cap-Aktien beflügelt, allen voran führenden Halbleitern. Dahinter verbergen sich aktuelle Anzeichen einer Verschlechterung unter der Oberfläche (Abbildung 1).
Die Zahl der Aktien mit neuen Höchstständen an der New Yorker Börse erreichte vor zwei Monaten einen Höhepunkt. Seitdem beobachten wir einen Rückgang der Beteiligung in allen Sektoren, da Small- und Mid-Cap-Aktien ohne klare Orientierung sind. Obgleich der S&P 500 im zweiten Quartal um 4,3 % gestiegen ist, legten sechs der 11 Sektoren im Global Industry Classification Standard (GICS) absolut gemessen den Rückwärtsgang ein, darunter Grundstoff-, Industrie-, Energie- und Finanzaktien, die unseres Erachtens wichtige Barometer für die Wirtschaftstätigkeit sind. Angesichts der kräftigen Rally ausgehend von den Tiefständen im Oktober 2023, kombiniert mit der aktuellen Schwäche in einigen Bereichen, wäre eine Atempause oder auch eine milde Marktkorrektur vermutlich eine gesunde langfristige Entwicklung.
Abbildung 1: Breite des US-Aktienmarkts

Stand der Daten: 30. Juni 2024. Quellen: New Yorker Börse und Bloomberg. Indizes werden nicht aktiv gemanagt, und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten und Ausgabeaufschläge sind nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung.
Die Gewinnprognosen sind bis dato in diesem Jahr stabil und wurden nur selten nach unten korrigiert. Die Konsensschätzung für das Gesamtjahr lautet auf ein Gewinnwachstum von 10 % bis 11 % für die S&P 500-Unternehmen. Dennoch sehen wir zum ersten Mal seit die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) mit den Zinserhöhungen begonnen hat, mehr bedeutende Anzeichen für eine einsetzende Abkühlung der Wirtschaft. Die Eintrübung der Daten zur Beschäftigung und zum verarbeitenden Gewerbe und anderer verbraucherbezogenen Ausgabentrends deuten allesamt auf eine Verlangsamung hin. Die Konjunkturdynamik wird sich zwar 2024 vermutlich fortsetzen, was zum Teil an Haushaltsausgaben im Vorfeld der Wahl liegt. 2025 werden sich die Wachstumsprognosen allerdings voraussichtlich deutlich abschwächen. Die aktuellen Prognosen beziffern das Gewinnwachstum im S&P 500 auf 14 % im Jahr 2025. Wir halten allerdings ein mittleres einstelliges Wachstum für wahrscheinlicher.1 Vor allem aber erwarten wir nächstes Jahr noch Wirtschaftswachstum.
Abbildung 2: Korrekturen des Gewinn je Aktie (Earnings per Share, EPS) robust

*Typischer Pfad ist 2012-2017, 2019 und 2022-2023; 2018 ausgeschlossen wegen Verzerrung aufgrund von TCJA (Tax Cuts and Jobs Act); 2020-2021 ausgeschlossen aufgrund von Verzerrungen im Zusammenhang mit der Coronapandemie, Prozentuale Veränderung der EPS-Erwartungen in USD. Stand der Daten: 30. Juni 2024. Quellen: FactSet, S&P.
In den nächsten 3-6 Monaten wird die Sorge der Marktteilnehmer über die Unternehmensgewinne voraussichtlich zunehmen, die Wirtschaft unter dem Strich allerdings wachsen. Die Erwartungen werden angemessen korrigiert, insbesondere mit Blick auf die Wahrscheinlichkeit niedrigerer kurzfristiger Zinsen.
Auswirkung der Marktkonzentration
Die Aktien der „Glorreichen Sieben“ haben das Gewinnwachstum in den letzten zwei Jahren unverhältnismäßig stark angekurbelt. Wir gehen davon aus, dass die Gewinne von Small Caps in den nächsten 12-18 Monaten wieder steigen werden. Small-Cap-Titel haben besonders stark unter den höheren Zinsen gelitten. 2023 sanken die Gewinne von Unternehmen aus dem Russell 2000 Index um 12 %. Dieses Jahr sind sie um 13,6 % gestiegen und 2025 werden sie voraussichtlich mit 31 % sprunghaft nach oben gehen. Sollte dies eintreten, dürfte es zu einer Marktverbreiterung führen, die Chancen für aktive Anlageverwalter bieten dürften.
Abbildung 3: Vorsprung der Glorreichen Sieben schwindet

Die Daten zu den Glorreichen Sieben beziehen sich auf die folgenden Aktien: Microsoft (MSFT), Amazon (AMZN), Meta (META), Apple (AAPL), die Google-Muttergesellschaft Alphabet (GOOGL), Nvidia (NVDA) und Tesla (TSLA). Stand der Daten: 30. Juni 2024. Quellen: FactSet, Russell Investments, S&P.
Aufgrund der Zuwächse der Glorreichen Sieben ist die Marktkonzentration auf den höchsten Stand seit den 1970ern gestiegen. Die fünf Top-Aktien machen inzwischen 27 % des S&P 500 aus und auf die Top 10 entfallen 37 %. Die Konzentration wird sich unseres Erachtens voraussichtlich in etwa auf den aktuellen Niveaus einpendeln, da Mega Caps weiter solides Ertragswachstum erzielen, allerdings langsamer als zuletzt. Wir beobachten bereits eine größere Performancestreeuung bei Börsenschwergewichten und gehen davon aus, dass sich diversifizierte Portfolios in den nächsten 12-18 Monaten zunehmend überdurchschnittlich entwickeln werden.
Fußnoten
- Es gibt keine Garantie dafür, dass sich Schätzungen oder Prognosen bewahrheiten.
DEFINITIONEN
Der S&P 500 Index ist ein nicht gemanagter repräsentativer Index aus 500 Aktien, der generell die Performance von Großunternehmen in den USA widerspiegelt.
Der S&P 493 ist der S&P 500 Index ohne die sieben Technologiewerte (die „Glorreichen Sieben“).
Der Russell 2000 Index ist ein Index für inländische Small-Cap-Aktien, der die Wertentwicklung der 2.000 kleinsten börsennotierten US-Unternehmen im Russell 3000 Index misst.
Die New Yorker Börse (NYSE oder New York Stock Exchange) ist die älteste noch bestehende Börse in den USA und ausgehend von der gesamten Marktkapitalisierung der dort notierten Wertpapiere der größte Aktienhandelsplatz der Welt.
Beim Global Industry Classification Standard (GICS) handelt es sich um ein Rahmenwerk für Branchenanalysen, das Anlegern Aufschluss über die wichtigsten Geschäftsfelder von Unternehmen auf der ganzen Welt gibt.
Der Gewinn je Aktie (EPS) ist der Anteil des Gewinns eines Unternehmens, der auf jede umlaufende Stammaktie entfällt. Bei dem Gewinn je Aktie eines Index handelt es sich um den aggregierten Gewinn je Aktie der Unternehmen, die Bestandteil des Index sind.
WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, ein Verlust des Anlagekapitals ist möglich. Bitte beachten Sie, dass ein Anleger nicht direkt in einen Index investieren kann. Gebühren, Kosten oder Ausgabeaufschläge sind in den Renditen nicht gemanagter Indizes nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit stellt keine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung dar.
Beteiligungspapiere unterliegen Kursschwankungen und sind mit dem Risiko des Kapitalverlusts verbunden.
Festverzinsliche Wertpapiere sind mit Zins-, Kredit-, Inflations- und Wiederanlagerisiken sowie mit dem Risiko eines möglichen Verlusts des Kapitalbetrags verbunden. Wenn die Zinssätze steigen, fällt der Wert von festverzinslichen Wertpapieren.
Internationale Anlagen sind mit besonderen Risiken verbunden. Hierzu gehören Währungsschwankungen, gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, die zu erhöhter Volatilität führen können. Diese Risiken sind in Schwellenländern noch größer.
Rohstoffe und Währungen sind mit erhöhten Risiken verbunden, zu denen unter anderem Marktrisiken und politische Risiken, das Regulierungsrisiko sowie Risiken im Zusammenhang mit naturgegebenen Bedingungen gehören, sodass sie unter Umständen nicht für alle Anleger geeignet sind.
Diversifizierung ist keine Garantie für Gewinne und bietet keinen Schutz vor Verlusten.
US-Staatsanleihen (Treasuries) sind direkte Schuldverschreibungen, die von der US-Regierung begeben werden und durch ihre uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit abgesichert sind. Die US-Regierung garantiert die Kapital- und Zinszahlungen auf US-Staatsanleihen, wenn die Wertpapiere bis zur Endfälligkeit gehalten werden. Im Gegensatz zu US-Staatsanleihen sind Schuldtitel, die von Bundesbehörden und Gebietskörperschaften begeben werden, sowie damit verbundene Anlagen nicht unbedingt durch die uneingeschränkte Kreditwürdigkeit und Steuerhoheit der US-Regierung abgesichert. Selbst wenn die US-Regierung die Kapital- und Zinszahlungen auf Wertpapiere garantiert, betrifft diese Garantie keine Verluste, die auf einen Rückgang des Marktwerts dieser Wertpapiere zurückzuführen sind.
Ein aktives Management garantiert weder Gewinne noch schützt es vor Marktrückgängen.
