Drei Themen, die uns heute beschäftigen:
- Neuausrichtung der Chinapolitik: Nach einem deutlichen Rückgang des Technologiesektors im Januar überprüft der Gesetzgeber in China einen Gesetzentwurf mit dem Titel „Maßnahmen für die Verwaltung von Onlinespielen“. Mit diesem Gesetz sollte die Teilnahme an und die Umsätze von Onlinespielen in China weiter eingeschränkt werden. Die Bereitschaft der Politik, auf der Grundlage der Rückmeldungen von Anlegern Anpassungen vorzunehmen, sehen wir positiv – sie deutet auf einen pragmatischeren Ansatz hin.
- Rücksetzung der Zinserwartungen: Die Erwartungen der Anleger an den Zeitplan für Zinssenkungen in den USA wurden zurückgedrängt und nach dem Strategiemeeting der US-Notenbank Fed im Januar angepasst. Eventuell haben die Anleger im Dezember 2023 den Zeitplan für Zinssenkungenzu optimistisch eingeschätzt. Diese Neubewertung ließ den US-Dollar im Januar um fast 3 % steigen1, und dieser Anstieg war einer der Faktoren, die die Performance der Schwellenländeraktien belasteten. Laut Konsensmeinung am US-Markt wurden die Zinssenkungen allerdings nur verschoben, nicht aufgehoben, und man geht weiterhin von einem „No Landing“ Szenario aus. Wahrscheinlich wird der US-Dollar seinen Abwärtstrend wiederaufnehmen und damit die Schwellenländer unterstützen – sie entwickeln sich bei einem schwachen US-Dollar tendenziell besser.
- Wahlbeobachtung: In Indonesien, der drittgrößten Demokratie der Welt, wird am 14. Februar ein neuer Präsident gewählt. Am aussichtsreichsten ist Prabowo Subianto von der Partei „Great Indonesia Movement“ (Gerindra)2. Er wird vom amtierenden Präsidenten Joko „Jokowi“ Widodo unterstützt und hat versprochen, sich auf Sicherheit und Verteidigung zu konzentrieren. Subianto war in Jokowis Kabinett Verteidigungsminister und hat angedeutet, er werde Jokowis Entwicklungspolitik weiterführen. Vermutlich unterstützt Jokowi unter anderem deshalb seine Kandidatur und nicht die des Kandidaten Ganjar Pranowo von seiner eigenen Partei PDI-P. Für Anleger bedeutet das: Die Politik, die die Raffinierung im Inland geschürfter Mineralien fördert, dürfte weitergeführt werden und liefert einen positiven Ausblick fürdas Inlandswachstum.
Ausblick
In den letzten Monaten hatten makroökonomische Ereignisse einen starken Einfluss auf die Wertentwicklung an den Aktienmärkten. Zinssenkungen sind zwar ein allumfassendes Thema, aber durch unsere Präsenz vor Ort erfahren wir auch von Performance-Treibern an lokalen Märkten. Ein Beispiel dafür ist die langsame Erholung in China mit scharfem Wettbewerb in bestimmten Sektoren und einer Verschiebung der Konsummuster.
Der Bottom-up-Ansatz ist ein Kernelement unserer Anlagephilosophie. Wir ermitteln Unternehmen mit Wettbewerbsvorteilen, die deren langfristiges Wachstum, ihre Rentabilität und ihre Erträge unterstützen. Manchmal
widerspricht dies den Reaktionen an den Märkten. Während viele Anleger nach Bekanntgabe der Entwürfe für neue Gesetzgebung im Spielebereich Ende 2023 ihre Positionen chinesischer Spieleaktien abstießen, entschieden sich einige unserer Portfoliomanager, ihr Engagement bei einer chinesischen Internetfirma zu erhöhen. Aus Ihrer Sicht sank der Aktienkurs stärker als die vermuteten Auswirkungen auf die langfristigen Erträge. Also ergriffen sie die Chance und bauten bestehende Positionen aus.
Angesichts unzähliger Unternehmen, die kaum Beachtung finden und kaum analysiert werden, ist aus unserer Sicht nichts so wichtig wie die Kenntnis der lokalen Märkte. Auch die Verbesserung der Corporate Governance ist ein Trend, den wir in den Schwellenländern ausgemacht haben. Dazu gehören unter anderem Dividendenausschüttungen und Rückkäufe, die nach unserer Auffassung die langfristige Attraktivität von Schwellenländeraktien stabilisieren. Wir kombinieren unseren Schwerpunkt auf Bottom-up-Betrachtungen mit diesen Entwicklungen, um Chancen zu ermitteln.
Marktkommentar: Januar 2024
Schwellenländeraktien legten im Quartalsverlauf zu, fielen jedoch im Januar und blieben hinter Industrieländeraktien zurück, die stiegen. Die Sorge der Anleger um die chinesische Wirtschaft und der schwindende Optimismus, dass Zinssenkungen in den USA kurz bevor stünden, drückten auf die Stimmung an den Märkten. Der MSCI Emerging Markets Index sank im Berichtsmonat um 4,63 %, während der MSCI World Index um 1,22 %. % stieg.3
In asiatischen Schwellenländern sanken die Aktienkurse. Die meisten Länder im MSCI-Referenzindex verzeichneten Verluste; am stärksten gingen die Aktienmärkte in China und Südkorea zurück. Das Wirtschaftswachstum in China übertraf für 2023 zwar das offizielle Wachstumsziel des Landes, aber das Wachstum im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und andere Daten wie die Einzelhandelsumsätze und die Beschäftigtenzahlen erfüllten die Konsenserwartungen nicht. Allerdings dämmten Berichte über einen Plan zur Stützung des Marktes gegen Ende des Berichtszeitraums die Verluste etwas ein.
In Südkorea verringerte die Regierung ihre Wachstumsprognose und steigerte ihre Inflationsschätzungen für 2024. Zudem verabschiedete sie eine Vielzahl an Maßnahmen zur Steigerung des Konsums. Positiv ist die Ausweitung der südkoreanischen Exporte im Dezember und damit im dritten aufeinanderfolgenden Monat: Es wurden mehr Halbleiterprodukte ausgeliefert, deren Preise zudem stiegen. Die Unternehmen entwickelten sich sehr unterschiedlich: Dank künstlicher Intelligenz standen Halbleiterfirmen sehr gut da, während der Wachstumsausblick bei Automobilherstellern eher unsicher blieb. In Taiwan gewann der Kandidat der Democratic Progressive Party (DPP) die Präsidentschaftswahlen. Indische Aktien verzeichneten zwar Kurssteigerungen, litten aber nach den jüngsten Gewinnen unter zahlreichen Gewinnmitnahmen. Auch indische Finanzunternehmen standen nach durchwachsenen Quartalsergebnissen und angesichts der Sorge um rückläufige Gewinne unter Verkaufsdruck.
In den Schwellenländern Europas, im Nahen Osten und in Afrika verzeichneten die Märkte ebenfalls Verluste. Angesichts der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten stiegen die Ölpreise deutlich an. Zwar würden die Aktienmärkte im Nahen Osten normalerweise von höheren Ölpreisen profitieren, aber die Tatsache, dass die Zinsen in den USA eventuell später sinken als erwartet, drückte auf die Gewinne. Bankenaktien im Nahen Osten profitierten allerdings von den Unternehmensgewinnen.
In Lateinamerika waren die Aktienmärkte rückläufig. Die Inflation war ein Schlüsselthema: In Brasilien und Peru ging sie zurück, aber in Mexiko setzte die Gesamtinflation ihren Aufwärtstrend fort. Der Aktienkurs des nationalen brasilianischen Öl- und Gaskonzerns Petrobras stieg, nachdem das Unternehmen 2023 seine Produktion steigern konnte und bekanntgab, den Jaspe-Ölblock erwerben zu wollen. Die Produktionskapazitäten werden dadurch weiter steigen und somit das Wachstum fördern.
Fußnoten
- Quelle: FactSet, 2. Februar 2024.
- Quelle: „Who will be the next president of Indonesia?“ The Economist, 2. Februar 2024.
- Quelle: MSCI, FactSet 2. Februar 2024. Indizes werden nicht aktiv gemanagt und es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Gebühren, Kosten und Ausgabeaufschläge sind nicht berücksichtigt. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftigen Renditen.
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Festverzinsliche Wertpapiere sind mit Zins-, Kredit-, Inflations- und Wiederanlagerisiken sowie mit dem Risiko eines möglichen Verlusts des Anlagebetrags verbunden. Wenn die Zinssätze steigen, fällt der Wert von festverzinslichen Wertpapieren.
Internationale Anlagen sind mit besonderen Risiken verbunden. Hierzu gehören Währungsschwankungen sowie gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Unsicherheiten, die zu erhöhter Volatilität führen können. Diese Risiken sind in Schwellenländern noch größer.
Der Einfluss der Regierung auf die Wirtschaft ist noch immer hoch, und daher spielen bei Investitionen in China Regulierungsrisiken im Vergleich zu vielen anderen Ländern eine größere Rolle.
Es gibt im Kontext von Investitionen in China, Hong Kong und Taiwan,spezielle Risiken, dazu gehören eine geringere Liquidität, Enteignung, eine konfiskatorische Besteuerung, Spannungen im internationalen Handel, Nationalisierung sowie Devisenkontrollbestimmungen und eine rasante Inflation. All dies kann negative Auswirkungen auf den Fonds haben. Investitionen in Taiwan könnten wegen der politischen und wirtschaftlichen Beziehung der Insel zu China negativen Einflüssen unterliegen.
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