Investmentsteuerreformgesetz

Investmentsteuerreformgesetz: Die wichtigsten Änderungen im Überblick

Die Regelungen des neuen Investmentsteuerreformgesetzes, die im Wesentlichen zum 1. Januar 2018 in Kraft treten werden, führen zu einer grundlegenden Reform der Investmentbesteuerung durch Schaffung zweier voneinander unabhängiger Besteuerungssysteme für Publikums-Investmentfonds und Spezial-Investmentfonds.

Hier sehen Sie ein Video vom BVI zu den wichtigsten Änderungen des Investmentsteuergesetzes 2018

Wir haben für Sie die wichtigsten Änderungen zusammengefasst:

Regelungen zur Besteuerung von Publikumsfonds werden vereinfacht

In Deutschland steuerpflichtige Anleger von Publikumsfonds unterliegen nach dem Investmentsteuerreformgesetz einer pauschalen Besteuerung auf Basis von

  • Ausschüttungen (unabhängig von ihrer Zusammensetzung);
  • sogenannten Vorabpauschalen und
  • Gewinnen aus der Rückgabe bzw. Veräußerung von Fondsanteilen.

Vorabpauschale bei thesaurierenden Fonds bzw. Fonds mit geringer Ausschüttung

Die sogenannte Vorabpauschale wird erhoben, wenn der Investmentfonds keine oder nur geringe Ausschüttungen vornimmt und soll eine jährliche Mindestbesteuerung in Höhe einer risikolosen Marktverzinsung sicherstellen. Sie beträgt 70 % des jährlich von der Bundesbank festgesetzen Basiszinses gemäß Bewertungsgesetz, multipliziert mit dem Wert des Investmentfondsanteils zum Jahresbeginn. Auf Basis des von der Bundesbank für das Jahr 2016 festgesetzten Basiszinses von 1,1 % würde die Vorabpauschale für 2016 zum Beispiel 0,77 % des Fondsanteilswertes betragen. Sofern der tatsächliche Wertzuwachs des Fonds im Kalenderjahr geringer ist, wird nur dieser angesetzt. Beim Verkauf der Fondsanteile werden die bereits während der Haltedauer besteuerten Vorabpauschalen vom steuerpflichtigen Veräußerungsgewinn abgezogen, um eine Doppelbesteuerung beim Anleger zu vermeiden.

Teilfreistellungen bei Aktien- und Immobilienanlagen

Auf Erträge aus Investmentfonds, die fortlaufend zu bestimmten Prozentsätzen in Aktien oder Immobilien investieren, sind verschiedene nach Investorentyp gestaffelte Teilfreistellungen anzuwenden. Im Falle von Privatanlegern können durch die Teilfreistellungen bei Aktienfonds 30 %, bei Mischfonds 15 % und bei Immobilienfonds 60 % der Erträge als steuerfrei eingestuft werden. Die Teilfreistellungen werden sowohl auf Ausschüttungen und Vorabpauschalen, als auch auf Veräußerungsgewinn angewendet.

Übergangsregelungen zum Jahreswechsel 2017/2018

Zur klaren Abgrenzung von Erträgen, die basierend auf dem „alten“, vor 2018 geltenden Steuerrecht zu versteuern sind, und Erträgen, die ab 2018 unter das reformierte Investmentsteuerrecht fallen, sieht das Reformgesetz Übergangsregelungen vor. Zum einen haben alle Publikumsfonds zum 31. Dezember 2017 ein steuerliches Rumpfgeschäftsjahresende zu bilden und den Anlegern letztmalig Erträge nach altem Steuerrecht zuzuweisen. Zum anderen gelten auf Anlegerebene zum 31. Dezember 2017 alle Fondsanteile als fiktiv veräußert und wieder angeschafft. Der im Rahmen dieser fiktiven Veräußerung ermittelte Veräußerungsgewinn oder -verlust wird erst bei einer späteren tatsächlichen Veräußerung der Anteile steuerlich berücksichtigt.

Eingeschränkter Bestandschutz für Alt-Anteile bei Gewinnen über 100.000 EUR

Auch Fondsanteile, die von Privatanlegern vor Einführung der Abgeltungssteuer erworben wurden, gelten zum 31. Dezember 2017 als verkauft und wieder angeschafft. Somit sind auch die Wertsteigerungen dieser vor 2009 gekauften Anteile ab 2018 steuerpflichtig. Allerdings gilt ein Freibetrag von 100.000 Euro pro Anleger für die ab 1. Januar 2018 entstehenden Kursgewinne. Sofern die Veräußerungsgewinne aus Alt-Anteilen den Freibetrag von 100.000 Euro nicht übersteigen, kommt es nicht zu Besteuerung. Die bis zum 31.12.2017 eingetretenen Wertzuwächse von Altanteilen bleiben außerdem steuerfrei.

Hinweis: Die hier aufgeführten allgemeinen Hinweise zur Besteuerung beziehen sich auf in Deutschland unbeschränkt steuerpflichtige Anteilsinhaber und basieren auf der derzeitigen Rechtslage bzw. dem derzeitigen Kenntnisstand über zukünftige Änderungen der Rechtslage (Stand: November 2016). Die steuerliche Beurteilung kann sich durch Gesetzgebung, Rechtsprechung oder Erlasse der Finanzverwaltung ändern. Anlegern wird empfohlen, sich bezüglich ihrer persönlichen Steuersituation an einen Steuerberater zu wenden.