Wie lange kann der globale wirtschaftliche Höhenflug noch anhalten?

Globaler Investment-Ausblick Q3

2018 war das Jahr, in dem Volatilität an die globalen Finanzmärkte zurückkehrte. Nichtsdestotrotz verbuchte die US-Wirtschaft im zweiten Quartal das stärkste Wachstum seit vier Jahren, während sich am US-Aktienmarkt die längste Haussephase seit Ende des Zweiten Weltkriegs fortsetzte. Unsere Expertenrunde führender Investmentspezialisten untersucht die Fakten und bietet ihre Einschätzung dazu, wer und was die Märkte kurz- und längerfristig beeinflussen könnte.

Nähert sich das weltweit synchronisierte Wachstum seinem Ende?

F: Das weltweite Wachstum scheint weiterhin stark zu sein und recht synchron zu verlaufen. Wo sehen Sie die wichtigsten treibenden Faktoren für das Wachstum in den USA und weltweit?

Ed Perks: Die weltweite Erholung wird nach wie vor von steigenden Unternehmensgewinnen und Gewinnmargen getragen. Wir beobachten die Wachstumsdynamik sehr genau, da wir weltweit Anzeichen für eine abnehmende Synchronisierung erkennen. Die Geldpolitik wird straffer, doch alles deutet darauf hin, dass die Flaute durch die Fiskalpolitik überwunden werden kann.

Michael Hasenstab:
Wir sind der Ansicht, dass das Wachstum in Europa seinen Höhepunkt erreicht hat und abnimmt. Auch Japan wirkt eher schwach. Obwohl einige der großen Schwellenländer inzwischen erheblichen Belastungen ausgesetzt sind, gehen wir davon aus, dass viele Schwellenländer fundamental stabil sein sollten.

Stephen Dover: Die US-Wirtschaft profitiert derzeit von massiven Anreizmaßnamen, von einer Lockerung der Vorschriften bis hin zu Steuersenkungen. Die USA haben sich nach der Rezession in Folge der globalen Finanzkrise der Jahre 2007-2008 erholt. Wir beobachten weiterhin, wie sich die Erholung in den Gewinnen US-amerikanischer Unternehmen niederschlägt.

Unsere Meinung: Allgemein gehen wir davon aus, dass sich das von den USA angeführte positive globale Wirtschaftswachstum kurzfristig fortsetzen wird. Erfahren Sie mehr in unserem Fachartikel.

Was treibt den unbeliebtesten US-Bullenmarkt aller Zeiten an?

Datum der Aufzeichnung: 28. August 2018

Handelsspannungen: Wird gebellt oder gebissen?

F: Es sind Fragen aufgekommen, ob wir uns inmitten eines Handelskriegs befinden, und was ein Handelskrieg überhaupt bedeutet. Was halten Sie von den aktuellen Spannungen in den internationalen Handelsgesprächen?

Michael Hasenstab: Ich würde sagen, es ist eher ein von gegenseitigen Vergeltungsmaßnahmen bestimmter Handelskonflikt und weniger ein voller Handelskrieg. Meiner Meinung nach wäre das echte Risiko eine Eskalation zwischen den USA und China. Das ist offensichtlich am wahrscheinlichsten. Dennoch würde ich die Wahrscheinlichkeit derzeit noch als sehr gering ansetzen.

Chris Molumphy: Es ist bemerkenswert, dass der US-Aktienmarkt die handelsbezogenen Schlagzeilen bislang weitgehend ignoriert hat. Ich stimme zu, dass wir in dieser Hinsicht sicherlich noch den ein oder anderen Schlagabtausch beobachten werden. Aus unserer Sicht sieht es jedoch nicht so aus, als würden diese Probleme erheblichen Einfluss auf das globale Wachstum haben. Unser Basisszenario geht davon aus, dass die Handelsspannungen die Volatilität wohl erhöhen dürften, jedoch keine allzu starken Auswirkungen auf die Fundamentaldaten haben sollten.

Stephen Dover: Ich denke, das Thema Handel ist mit zu viel Angst behaftet. Es ist mit zahlreichen politischen Themen und sogar Verteidigungsfragen verbunden - insbesondere im Hinblick auf China. Letzten Endes dürften Reformen meiner Meinung nach für China gut sein. Das Land dürfte hierdurch stabiler werden.

Manraj Sekhon: Die Handelszölle gegen China kommen zweifellos zu einer schwierigen Zeit, in der die Lohnkostenvorteile des Landes abklingen. Tatsächlich ist in China zu beobachten, dass Arbeitsplätze an günstige Standorte wie etwa Vietnam abwandern. Gleichzeitig leitet das Land gerade einen Entschuldungsprozess ein. Allerdings investiert China auch in die Zukunft.

Unsere Meinung: Unser Basisszenario geht davon aus, dass die Handelsspannungen die Volatilität wohl erhöhen dürften, jedoch keine allzu starken Auswirkungen auf die Fundamentaldaten haben sollten. Erfahren Sie mehr in unserem Fachartikel.

China sollte nicht unterschätzt werden.

Datum der Aufzeichnung: 28. August 2018


Eine gesunde Skepsis am Markt

F: Die US-Aktienmärkte eilen von einem Höchststand zum nächsten. Dennoch scheinen sich zahlreiche Anleger erhebliche Sorgen um Anlagechancen und den globalen Ausblick zu machen. Worauf müssen sich Anleger Ihrer Ansicht nach einstellen?

Chris Molumphy: Ich denke, es ist ein gutes Zeichen, dass viele Anleger skeptisch sind. Wenn diese Skepsis verloren geht - dann ist der Zeitpunkt, zu dem man sich wirklich allmählich Sorgen machen muss. Aber wir konzentrieren uns auf Fundamentaldaten, und die wirtschaftlichen Fundamentaldaten der USA erscheinen uns kurz- und sogar mittelfristig ziemlich gut.

Stephen Dover: Ich denke, dass man am Aktienmarkt auf die heute bestehenden Risiken vorbereitet sein muss. Dennoch ist es für Anleger aus meiner Sicht nicht unbedingt der beste Zeitpunkt, um voll und ganz auf Risikoengagements zu setzen.

Michael Hasenstab: Wir haben uns stärker auf idiosynkratische Alpha-Chancen konzentriert, und nicht nur darauf, dieses Beta des breiteren Markts abzuschöpfen. Ich denke, es lässt sich nur schwerlich argumentieren, dass das breitere Markt-Beta günstig ist. Genaugenommen wird es allmählich sogar wahrscheinlich recht teuer. Die Gefahr bei passiven Anlagen besteht darin, dass man erhebliches Index-Beta erhält, ohne sich auf die kleinere Alpha-Untergruppe zu konzentrieren.

Unsere Meinung: Wir sind der Ansicht, dass die Skepsis des Markts ein gesundes Zeichen ist, da sie der Überschwänglichkeit am Markt entgegenwirkt. Und was während des letzten Jahrzehnts funktioniert hat, wird künftig wahrscheinlich nicht funktionieren. Wir sind davon überzeugt, dass es darum geht, Research anzuwenden, um Chancen zu identifizieren, die am besten für Wachstum unter den aktuellen Marktbedingungen geeignet sind. Erfahren Sie mehr in unserem Fachartikel.

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