Lernen Sie Chetan Sehgal kennenApr 9, 2018

Mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung mit Anlagen in Schwellenländern hat Chetan Sehgal zweifellos die ein oder andere Anekdote erlebt haben. Während er bei Franklin Templeton Emerging Markets Equity immer mehr Verantwortung übernimmt, erfahren wir mehr über seine Anfangszeit, seinen ersten Auftrag in Russland, die Art und Weise, in der er nach wie vor eine kollegiale Philosophie innerhalb seines Teams pflegt, und warum er der Ansicht ist, dass Innovationskraft die Schwellenmärkte weiter stärken wird.

Können Sie sich noch an die Zeit erinnern, als Sie sich zum ersten Mal mit Schwellenländern befasst haben?

Ich kam 1995 zu Franklin Templeton – zu einem Zeitpunkt, als das Unternehmen gerade dabei war, in den Schwellenländern zu expandieren. Dazu gehörte auch Indien, das seine Märkte gerade erst für ausländische Investoren geöffnet hatte. Es war eine spannende Zeit, um für eine erstklassige Organisation in einem noch jungen Markt tätig zu sein. Ich wurde zwar eingestellt, um Unternehmen in Indien zu analysieren, es sollte jedoch noch eine Weile dauern, bis wir in diese Märkte tatsächlich auch investieren konnten. Depotbanken waren in Indien noch nicht vollständig etabliert, und der Markt beruhte immer noch auf physischen Anteilszertifikaten. Zudem waren die Registrierungsprozesse komplex. Daher war betraf mein erster Auftrag letztlich Russland – nicht gerade das, was ich erwartet hatte.

Was war Ihr denkwürdigstes Erlebnis als Schwellenmarktanleger?

Die Tatsache, dass ich bei meinem ersten Auftrag in Russland landete, macht dies sicherlich zu einem meiner unvergesslichen Erlebnisse. Russland war in jener Zeit noch ganz anders als heute. Die meist staatseigenen Industrien des Landes durchliefen gerade eine groß angelegte Privatisierungskampagne, im Zuge derer das Eigentum an private Unternehmen übertragen wurde. All dies spielte sich vor einem von politischen Turbulenzen geprägten Hintergrund ab. Die ersten beiden Ratschläge, die ich bei meiner Ankunft in Russland erhielt, sind mir bis heute im Gedächtnis geblieben: 1. Achte auf die Sicherheitslage in Russland, und 2. Nimm Dich vor Preisveränderungen in Acht. Damals herrschte in der russischen Wirtschaft Hyperinflation. Die Speisekarten von Restaurants wurden daher nur mit Kreide auf eine Tafel geschrieben, um den täglichen Preisschwankungen Rechnung zu tragen. Es machte einfach keinen Sinn, Menüs mit festen Preisen zu drucken!

Wir würden Sie die Philosophie und die Kultur innerhalb Ihres Teams beschreiben?

Wir verfolgen in jederlei Hinsicht einen teambasierten Ansatz, und es herrscht eine sehr kollegiale Atmosphäre, in der Ideen offen geteilt und ausgetauscht werden. Auch wenn unsere Analysten auf 20 lokale Büros weltweit verteilt sind, gehen wir neue Anlagechancen stets im Team an. Dabei nutzen wir die volle Breite des uns zur Verfügung stehenden lokalen Wissens. Wenn beispielsweise ein Pharmaunternehmen in Südkorea einen Partner in China hat, beauftragen wir einen chinesischen Analysten damit, das Unternehmen zu beurteilen. Wir gehen es wie ein Gruppenprojekt an. Und wir wollen diese Kultur noch auf viele Jahre hin bewahren. All dies fließt in unsere Philosophie ein, unser Wissen und unser Research zu teilen, was meines Erachtens eine ausgezeichnete Möglichkeit bietet, um bei Anlagen in Schwellenländern Mehrwert zu schaffen. Lokales Wissen ist für unseren Entscheidungsprozess von zentraler Bedeutung.

Mein ehemaliger Chef, Mark Mobius, hat diese Philosophie im Team gepflegt, indem er auf zwei Konferenzen pro Jahr bestand, bei denen alle Analysten des Schwellenmarktteams im selben Hotel zusammenkamen, um unsere Ideen zu diskutieren. Ich habe einmal nachgerechnet: ich in meiner Zeit hier bei Franklin Templeton habe ich im Rahmen von Konferenzen inzwischen wohl mehr als ein Jahr in Hotelzimmern damit verbracht, Ideen mit anderen Analysten zu diskutieren und zu debattieren.

Welche Chancen sehen Sie in den Schwellenländern?

Schwellenländer haben sich so stark auf Technologie eingestellt, dass sie in vielen Fällen sehr viel schneller hiervon profitieren können als weiter fortgeschrittene Länder. Einige der neuen und innovativen Technologien, die ich in den Schwellenländern beobachtet habe, umgehen bestehende Modelle. Und meiner Einschätzung nach stehen wir heute erst am Anfang.

Der Technologiesektor ist unglaublich breit und umfasst neben Hardware und Software auch damit verbundene Dienstleistungen.

Viele Anleger haben in der Vergangenheit zwar Software den Vorzug gegenüber Hardware gegeben, die Technologie ist jedoch so weit fortgeschritten, dass heute nur noch ganz wenige Unternehmen an der Spitze des Hardwaretechnologiesegments stehen. Infolgedessen ist die Nachfrage nach Hardware-Entwicklung in vielen Bereichen stark angestiegen. Hierzu zählen beispielsweise die Nachfrage nach Mikrochips zur Gewinnung von Krypto-Währungen, verbesserte Smartphone-Funktionen und Veränderungen im traditionellen Automobilsektor. Das ist das Tolle an Technologie, und ich bin sehr auf die kommenden Entwicklungen in diesem Sektor gespannt.

Was ist die größte Veränderung, die Sie während der letzten beiden Jahrzehnte in Schwellenländern beobachtet haben?

Eine der größten Veränderungen, die ich in den 23 Jahren, in denen ich mich mit Anlagen in Schwellenländern befasst habe, gesehen habe, betrifft die Verbesserungen im Bereich der Corporate Governance. Manchmal erkennen Anleger nicht, was für einen Unterschied gesetzliche, aufsichtsrechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen machen – insbesondere in den Schwellenländern. Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dürften die Schwellenländer schon bald zu internationalen Standards aufschließen und ein weiteres Kapitel der soliden Wachstum-Story schreiben, die wir hier beobachtet haben.

Das Schwellenmarktuniversum hat sich im Laufe der Jahre rapide verändert. Unsere Analyse zeigt, dass im Jahr 2000 lediglich 45 % des MSCI Emerging Markets Index auf Asien entfiel.1 Heute macht die Region 73 % aus. Der Schwerpunkt hat sich deutlich Richtung Asien verlagert: allein Chinas Anteil am MSCI Emerging Markets Index ist enorm gewachsen, von 6,6 % im Jahr 2000 bis auf 30,8 % im Jahr 2018. Das Wachstum Chinas ist so spektakulär ausgefallen, dass es nicht nur sein eigenes Schicksal bestimmt, sondern auch das zahlreicher weiterer Länder innerhalb des Schwellenmarktuniversums.

Wie würden Sie Ihren Anlagestil beschreiben?

Bei der Philosophie Templetons ging es schon immer darum, auf Basis von Bottom-up-Analysen unterbewertete Unternehmen zu identifizieren und dann langfristig in diese zu investieren. Für Value-Anleger ist es wichtig, eine langfristige Perspektive zu wahren – insbesondere in einem sich verändernden Anlageumfeld mit rapider Innovation in Sektoren wie etwa Technologie.

Was ist der anspruchsvollste Teil Ihrer Arbeit – und der lohnendste?

Am anspruchsvollsten ist sicherlich die Aufgabe, die Managementteams der Unternehmen, in die wir investieren, zu beurteilen. Unsere Verantwortung ist es, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und zu signalisieren, dass wir ihnen vertrauen und dass es uns um ihr langfristiges Potenzial geht. Das ist der befriedigendste Teil.

Was ist außerhalb der Arbeit Ihre größte Leidenschaft?

Wenn ich gerade nicht arbeite, versuche ich, mir Zeit zu nehmen, um Freunde zu treffen und Sport zu treiben, wie etwa Tischtennis, worin ich – zumindest nach meinem Dafürhalten – inzwischen recht gut geworden bin! Außerdem lese ich sehr gerne über Geschichte und Evolution.

CFA® und Chartered Financial Analyst® sind Marken des CFA Institute.

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Wichtige Hinweise

Alle Anlagen beinhalten Risiken, auch den möglichen Verlust der Kapitalsumme. Anlagen in ausländischen Wertpapieren sind mit besonderen Risiken behaftet, darunter Währungsschwankungen sowie ungewisse wirtschaftliche und politische Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe auch die Grenzmärkte gehören, sind mit erhöhten Risiken in Bezug auf dieselben Faktoren verbunden. Hinzu kommen die durch ihre kleinere Größe, ihre geringere Liquidität und die nicht so fest gefügten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen zur Stützung der Wertpapiermärkte bedingten Gefahren. Da diese Rahmenbedingungen in Grenzländern in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse Faktoren vorliegen, wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität und Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen, werden die mit Schwellenländern verbundenen Risiken in Grenzländern verstärkt. Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen.

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1.Der MSCI Emerging Markets Index umfasst Unternehmen mit hoher und mittlerer Kapitalisierung aus 23 Schwellenländern. Indizes werden nicht gemanagt. Es ist nicht möglich, direkt in einen Index zu investieren. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.