Was uns die Wahl in Italien über den Populismus in Europa sagtMar 13, 2018

Mit dem Ende der Parlamentswahl in Italien hat nun der Kuhhandel um die künftige Regierung begonnen. David Zahn, Head of European Fixed Income bei Franklin Templeton, analysiert die verschiedenen Konstellationen und ihre möglichen Folgen für das Anlageumfeld.

Der Ausgang der italienischen Parlamentswahl vom 4. März lieferte einen weiteren Beweis dafür, dass der Populismus in Europa noch immer Wind in den Segeln hat. Die politische Mitte Italiens wurde durch die Wahl weiter ausgehöhlt, da Parteien von den beiden Extremen des politischen Spektrums kräftige Zugewinne verzeichneten.

Wir rechnen letztendlich mit einer großen Koalition, auch wenn deren genaue Zusammensetzung noch offen ist.

Wahrscheinlich werden mehr rechts stehende Parteien künftig an Macht gewinnen und eine stärkere Stimme im Parlament bekommen. Ein wichtiger Aspekt ist, dass diese rechts stehenden Parteien die Regierungsausgaben erhöhen möchten. Da in Italien das Verhältnis von Schuldenstand zu Bruttoinlandsprodukt (BIP) noch immer ziemlich hoch ist, könnte dies negative Folgen für die Wirtschaft haben und zu einer unterdurchschnittlichen Leistung von italienischen Anleihen führen.

Der Markt versucht, eine möglicherweise recht veränderte Situation in Italien einzupreisen, da Parteien, die traditionsgemäß am Rande stehen, an Boden gewonnen haben.

Dennoch wird es wohl noch einige Wochen dauern, bis wir uns ein genaueres Bild machen können, wie das neue Parlament aussehen wird – und auf kurze Sicht bedeutet das mehr Unsicherheit für Italien. Höhere Unsicherheit könnte in den kommenden Wochen zu Volatilität für Anleihen aus Italien führen.

Der Rücktritt des ehemaligen Premierministers Matteo Renzi als Chef der Partito Democratico (PD) eröffnet die Möglichkeit, dass sich die PD mit ihrem alten Feind, der linksorientierten Fünf-Sterne-Bewegung, zusammentut, um eine Regierung zu bilden.

Aus meiner Sicht ist dies der Ausgang, der an den europäischen Anleihenmärkten wohl den größten Anklang finden würde.

Doch er ist nicht die einzige Option. Eine etwas weniger attraktive Aussicht für die europäischen Anleihenmärkte wäre, dass die PD sich der Mitte-Rechts-Koalition anschließt, zu der die Forza Italia und die populistische Lega gehören.

Aus Sicht der Rentenmärkte wäre der schlechteste Ausgang wohl ein Zusammenschluss von Fünf-Sterne-Bewegung und Lega, die jeweils eine beträchtliche Anzahl von Sitzen gewonnen haben, jedoch außer ihrer Ablehnung der Europäischen Union (EU) wenig gemein haben.

Beide Parteien haben ihre Anti-EU-Rhetorik in der letzten Zeit abgeschwächt und beabsichtigen wohl kaum einen Austritt aus der Europäischen Union, daher sehen wir darin kein systemisches Problem für den Rest der EU. Dies wird durch die Koalitionsvereinbarung in Deutschland, die am ersten Märzwochenende erzielt wurde, noch weiter gestärkt. Deutschland bleibt daher ein starker Befürworter des breiteren EU-Projekts. Die Ereignisse in Deutschland gleichen eine möglicherweise zunehmende Ablehnung der EU in Italien unseres Erachtens in gewisser Weise aus.

Die langfristigen Fundamentaldaten Italiens sehen wir weiterhin optimistisch. Doch die politische Entwicklung des Landes gibt Anlass zur Sorge, besonders das Drängen auf höhere Regierungsausgaben durch die zunehmend mächtigen Rechtsparteien. Wir warten erst einmal ab, was in Italien geschieht, und werden wohl die dortigen Entwicklungen verfolgen, bevor wir unsere Positionierung überdenken.

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