Fed hebt Zinssätze im Juni erneut anJun 19, 2018

Auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Juni setzte die US-Notenbank (Federal Reserve) ihren Straffungskurs fort und erhöhte ihren Leitzins zum zweiten Mal in diesem Jahr und zum siebenten Mal seit Dezember 2015. Chris Molumphy, Chief Investment Officer, Franklin Templeton Fixed Income Group, gibt uns einen Überblick über das geldpolitische Umfeld in den USA nach der Sitzung.

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Die US-Notenbank (Fed) hob ihren Leitzins, die Fed Funds Rate, auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Juni um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 1,75 % bis 2,00 % an. Sie veröffentlichte überdies aktualisierte Prognosen zur Geldpolitik und den Konjunkturaussichten. Der Markt scheint den letzten Schritt und die Vorhersagen der Fed gut zu verkraften.

Die Fed signalisierte vier Zinsanhebungen in diesem Jahr. Auf der März-Sitzung wurde noch mit drei Anhebungen gerechnet. Wir würden dem nicht allzu viel Beachtung beimessen, denn die Konsenseinschätzung der Währungshüter war weitgehend identisch. Das unten stehende Streudiagramm der Fed zeigte, dass acht Personen mit vier oder mehr Zinsanhebungen um einen viertel Punkt im Jahr 2018 rechneten, also nur eine mehr als im März. Entsprechend erwartete eine Person weniger drei oder weniger Anhebungen.

Auch wenn sich die Schlagzeilen auf diese höhere Zahl von Zinsanhebungen konzentrieren dürften, halten wir es nicht für allzu wichtig, ob die Fed in diesem Jahr drei oder vier Mal die Zinsen anhebt. Wir konzentrieren uns eher auf das Tempo des Wandels und den Schlusszinssatz, also wo die Zinsanhebungen der Fed enden, und die Anzahl der Anhebungen bis dorthin. Wir halten das Tempo der geldpolitischen Drosselung für gemäßigt und moderat.

Die Fed beließ ihre Schätzung des „neutralen“ Zinssatzes, also des Zinssatzes, an dem sich die Wirtschaft im Gleichgewicht befinden soll, bei 2,9 %.

Der Fed-Vorsitzende Jerome Powell kündigte überdies an, dass ab nächstem Jahr nach jeder, und nicht wie bisher nach jeder zweiten geldpolitischen Sitzung eine Pressekonferenz abgehalten wird. Dies dürfte der Fed mehr Flexibilität verleihen und nicht unbedingt ein Zeichen dafür sein, dass die Zentralbank mehr oder weniger aggressiv handeln wird.

Wirtschaftsprognosen spiegeln gesunde Fundamentaldaten wider

Die Fed, die ihre wirtschaftlichen Prognosen jedes Quartal aktualisiert, sah weiterhin eine Verbesserung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten in den USA.

  • Die Fed hob ihre Prognose für das Wachstum der USA im Jahr 2018 von bislang 2,7 % auf 2,8 % an.
  • Die Inflationsprognose der Fed für 2018 (auf Basis der persönlichen Konsumausgaben) wurde von 1,9 % auf 2,1 % nach oben korrigiert. Die längerfristige Prognose bis 2020 blieb jedoch bei 2,1 %.
  • Die Fed-Prognose zur Arbeitslosenquote für 2018 ging leicht von 3,8 % auf 3,6 % zurück.
  • Die Fed erhöhte ihre Prognose auf vier Zinsanhebungen im Jahr 2018 und legte die Federal Funds Rate auf 2,4 % fest. Die Fed ließ ihre Prognose von 3,4 % für 2020 unverändert.

Fortschreitender Konjunkturzyklus

Die USA befinden sich seit neun Jahren im derzeitigen Konjunkturzyklus, und seit dem 2. Weltkrieg gab es erst einen Zyklus, der zehn Jahre dauerte. Auch wenn es einige Bedenken wegen des fortgeschrittenen Stadiums gibt, erwarten nur wenige Ökonomen eine baldige Rezession. Mancher rechnet sogar erst in drei Jahren mit einem Abgleiten in die Rezession. Ein weiteres Anhalten der wirtschaftlichen Expansion für zwei oder drei Jahre wäre auf jeden Fall historisch. Der langen Dauer unseres aktuellen Zyklus sollte daher auf jeden Fall Rechnung getragen werden. Möglicherweise wird sich der Zyklus bereits umkehren, bevor die Fed ihren heutigen Schlusszinssatz erreicht.

Irgendwann wird die Party natürlich zu Ende sein. Fürs Erste kann die Fed ihre allmählichen Zinsanhebungen aus unserer Sicht jedoch beibehalten. Wir rechnen ferner auch mit dem allmählichen Anstieg der längerfristigen Zinssätze.

Die Renditekurve der US-Staatsanleihen hat sich abgeflacht. Dies ist ebenfalls im Auge zu behalten. Falls sie sich umkehrt und kurzfristige Schuldinstrumente höher rentieren als langfristige Schuldinstrumente, werden wir wohl viel Getöse um eine drohende Rezession hören. Wir halten eine Umkehr der Renditekurve nicht für wahrscheinlich – zumindest nicht so bald – aber es sollte beachtet werden, dass es nicht marktabhängige Kräfte gibt, die auf das lange Ende der Kurve, die 10-jährige US-Staatsanleihe, Druck ausüben könnten.

In Europa und Japan gibt es nach wie vor quantitative Lockerung (QE). Dies beeinflusst den US-Markt und drückt die Rendite möglicherweise tiefer, als dies ohne die Existenz des QE der Fall wäre. Im aktuellen Umfeld könnte die „Vorhersagekraft“ der umgekehrten Renditekurve daher nach unserer Ansicht möglicherweise von der Vergangenheit abweichen.

Insgesamt ist mit Blick auf die US-Wirtschaft festzustellen, dass die zugrunde liegenden Fundamentaldaten unverändert solide sind. Wir haben robustes Wirtschaftswachstum, starke Beschäftigung und niedrige Inflation. Die Zinssätze sind trotz der Zinsanhebungen in diesem Jahr nach wie vor ziemlich niedrig. Daher sind die Bilanzen bei Unternehmen und Verbrauchern unverändert robust. Das Nettovermögen stieg im ersten Quartal auf mehr als 100 Billionen Dollar[1]. Das sind gute Neuigkeiten.

Das Lohnwachstum spiegelt die Anspannung am Arbeitsmarkt nicht wider, was sogar Powell als kleines Dilemma anerkannte. Dies ist zwar rätselhaft, und wir halten das auch für merkwürdig, doch diese Lage ist nicht neu und dürfte sich so schnell nicht ändern. Die Faktoren, die für Druck auf die Löhne sorgen, dürften bestehen bleiben, seien es Globalisierung, technologische Innovation, demografische Entwicklung usw.

Wir weisen überdies darauf hin, dass es an den Märkten holprig zugeht und daher ein längerfristiger Blick vonnöten ist. Möglicherweise klettern die Zinsen bei bestimmten Nachrichten an einem bestimmten Tag stark nach oben. Aber man muss die Übersicht behalten und auf die Wirtschaft schauen. Wir konzentrieren uns weiterhin darauf, über den kurzfristigen Rummel hinauszublicken.

Auf die Frage, warum die Fed die Zinssätze anhebe, antwortete Powell auf der Pressekonferenz nach der Sitzung, dass die US-Wirtschaft „in sehr guter Verfassung“ sei. Das dürfte es ziemlich gut auf den Punkt bringen.

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[1] Quelle: US-Notenbank (Federal Reserve)