Ein Update zu unseren ESG ScoresNov 14, 2019

Anfang 2018 veröffentlichte Templeton Global Macro (TGM) Global Macro Shifts – Die Faktoren Umwelt, Soziales und Unternehmensführung bei Global-Macro-Anlagen [ GMS-9]. Darin wurden unsere Bewertung der Faktoren „Umwelt“, „Soziales“ und „Unternehmensführung“ (Environment, Social, Governance – ESG) im Rahmen unseres makroökonomischen Research-Prozesses und das Vorgehen beschrieben, mit dem die Research-Diskussionen des Teams in quantifizierbare Bewertungen kodifiziert werden. GMS-9 bildet den formellen Ausgangspunkt unseres selbst entwickelten ESG-Bewertungssystems, des Templeton Global Macro ESG Index (TGM-ESGI). Dieser Index bietet erstmalig für die Handelsplätze für Staatsanleihen eine Methodik, mit der der Schwerpunkt der Erkenntnisgrundlage für Anlagen auf prognostizierte Änderungen an ESG-Werten gelegt werden kann.

Three Tenets for Investing in Innovation

Wir beabsichtigen, unsere TGM-ESGI-Bewertungen in Zukunft regelmäßig öffentlich zu aktualisieren. Im vorliegenden Update wird kurz der Hintergrund unserer ESG-Philosophie sowie die Aktualisierung unserer Methodik dargestellt. Eine Verbesserung besteht insbesondere darin, dass die Faktoren „Soziales“ und „Unternehmensführung“ (S und G) nicht mehr wie in den vorherigen Ausgaben stärker gewichtet sind. Ab jetzt werden alle drei Faktoren (also auch E = „Umwelt“) gleich gewichtet. Der Beitrag enthält zudem aktualisierte TGM-ESGI-Werte für 56 Länder sowie kurze Fallstudien für drei Länder mit prognostizierter Verbesserung der Indexwerte und für zwei Länder mit prognostizierter Verschlechterung der Indexwerte. In dem Maße, wie sich das ESG-Umfeld bei staatlichen Emissionen weiterentwickelt, suchen wir zudem nach neuen Möglichkeiten, die Art und Weise, wie wir ESG-Faktoren messen und diese Informationen für Anlageentscheidungen nutzen, zu verbessern und zu verfeinern.

ESG-Philosophie und -Prozess von TGM

Nachstehend sind die fünf wichtigsten Grundsätze zusammengefasst, die die Anwendung von ESG-Faktoren im Research- und Investmentprozess bei TGM beschreiben. Diese Punkte spiegeln wider, wie ESG nach der Einschätzung von TGM von Anlegern in globalen Staatsanleihen am besten genutzt werden kann.

  1. Die ESG-Bewertung ist am effektivsten, wenn sie vollständig in andere Research-Komponenten, einschließlich traditioneller Wirtschaftsanalyse und Besuchen vor Ort, integriert wird. Diese Themen tragen zu unseren zentralen makroökonomischen Einschätzungen eines Landes bei. Die ESG-Faktoren kommen anschließend bei der Analyse wirtschaftlicher Themen wie Wachstum und Inflation zum Ausdruck.
  2. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einer zukunftsorientierten Sichtweise. Anders als die aktuelle ESG-Bewertung, die stark mit dem Einkommensniveau verknüpft ist, ist unserer Meinung nach das Momentum (d. h. die Veränderung von Indexwerten) die ausschlaggebende Kennzahl für die Wertentwicklung einer Anlage und die Frage, wo sich mit dem Kapital der größtmögliche positive Effekt erzielen lässt.
  3. Die ESG-Faktoren heben nicht nur Risikobereiche hervor, sondern sind auch ein wichtiges Instrument für die Identifizierung von Anlagechancen. Das Hauptinteresse von TGM richtet sich auf die projizierten Extremwerte, die bedeutende ESG-Veränderungen in die eine oder andere Richtung signalisieren.
  4. Damit eine ESG-Analyse von Nutzen ist, müssen die Investoren einen ausreichend langen Anlagehorizont haben. ESG-Faktoren lenken die Fundamentaldaten eines Landes; dies kann jedoch kurzfristig von zyklischen oder vorübergehenden Bedingungen überdeckt werden. Das grundlegende Vertrauen in die eigene Einschätzung und die Geduld, bis zur Verwirklichung dieser Einschätzung warten zu können, sind Voraussetzungen für erfolgreiche ESG-Anlagen.
  5. Ein stärkeres Gewicht auf die langfristigen Fundamentaldaten eines Landes bildet eine wirksame Grundlage für eine offene Kommunikation mit wirtschaftspolitischen Entscheidungsträgern, die daran interessiert sind, die besten wirtschaftlichen Vorgehensweisen zu erörtern. Dieser Dialog ist wichtig für unsere Fähigkeit, Mehrwert für unsere Anleger zu schaffen, aber auch für Regierungsvertreter, die an den Sichtweisen privater Marktteilnehmer interessiert sind.

Die ESG-Methodik

Der TGM-ESGI setzt sich aus 13 Unterkategorien zusammen (siehe GMS-9, Seite 4), die als wesentlich für die makroökonomische Wertentwicklung angesehen werden. Die Indexwerte reichen von 0 bis 100. Die aus verfügbaren globalen Indikatoren erstellten aktuellen Werte für den ESG-Index der einzelnen Länder können vom Researchteam anhand seiner eigenen Einschätzungen korrigiert werden. Danach erstellen die Analysten Prognosen für die von ihnen erwarteten mittelfristigen Veränderungen entlang der ESG-Kriterien. Die anschließenden Gesamtindexwerte werden durch eine gleichmäßige Gewichtung von 33 % für Governance, 33 % für Soziales und 33 % für Umwelt berechnet. Zur Berechnung der Indexwertänderung wird der aktuelle Wert einfach vom prognostizierten Wert abgezogen.

Verfeinerung unserer Bewertung von Umweltfaktoren

Die gleichmäßige Gewichtung der Werte für E, S und G bedeutet eine Verfeinerung unseres Bewertungsprozesses: Bisher haben wir den Faktor E mit 20 % niedriger gewichtet als S und G, die zu je 40 % berücksichtigt wurden, weil sich ökologische Faktoren unserer Einschätzung nach in der Regel über verhältnismäßig lange Zeiträume entwickeln. Diese Ansicht haben wir jedoch revidiert, weil wir bei Umweltfaktoren in letzter Zeit zunehmend akute Auswirkungen auf immer mehr staatliche Emittenten erkennen. Die neue gleich starke Gewichtung der E-Faktoren wirkt sich bis jetzt moderat auf die Gesamtindexwerte der Länder aus und verändert unsere aktuellen Anlageüberzeugungen nicht wesentlich. Allerdings hat sich das Potenzial von Umweltfaktoren, sich in Zukunft deutlicher auf unsere Anlageüberzeugungen auszuwirken, mit der stärkeren Gewichtung vergrößert.

Die Gleichgewichtung der Noten beruht teilweise auf der Erkenntnis, dass sich Umweltfaktoren in wichtigen Schwellenländern wie etwa Indien und Brasilien zu dringenden Problemen entwickeln. Außerdem leidet eine Reihe von Ländern schon seit Jahrzehnten überdurchschnittlich stark unter Umweltereignissen. Dazu gehören beispielsweise die Länder am Horn von Afrika, in denen Dürren auftreten und gleichzeitig die Ernährungssicherheit nicht gewährleistet ist, sowie bestimmte karibische Staaten, die von Naturkatastrophen verwüstet werden, ohne deren Folgen bewältigen zu können. Die längerfristigen Konsequenzen ökologischer Entwicklungen und des (Miss-)Managements der Umwelt sind bekannt und geben nach wie vor Grund zur Sorge. Beispielsweise gelangt ein Bericht der Weltbank zu dem Ergebnis, dass Indien jährlich Kosten in Höhe von 80 Mrd. US-Dollar durch Umweltzerstörung entstehen. Belastungen in dieser Größenordnung gefährden das zukünftige Wirtschaftswachstum. 1 

Ferner kommt ein Bericht der Europäischen Umweltagentur zu dem Schluss, dass der Klimawandel in den nächsten Jahrzehnten in Südeuropa zu einem bedeutenden Rückgang der Einkommen aus der Landwirtschaft führen könnte. 2 Forschungsergebnisse des European Academies Science Advisory Council deuten zudem darauf hin, dass sich die Anzahl klimatischer Ereignisse wie Dürren, Waldbrände und extreme Temperaturen seit 1980 verdoppelt hat, was zu zunehmend schädlichen Auswirkungen auf Länder und Menschen führt. 3 

Doch Umweltprobleme dürfen nicht isoliert betrachtet werden: Neben den möglichen direkten Folgen für staatliche Emittenten können Umweltfaktoren nämlich auch Spill-over-Effekte auf soziale und Governance-Faktoren entfalten. So kann das Missmanagement der Umwelt in gewissem Sinne als Mangel an Governance gedeutet werden: So verschärfen die Waldbrände im Amazonas-Regenwald in Brasilien nicht nur langfristig den Klimawandel, sondern bergen auch die Gefahr sozialer Unzufriedenheit, was die Zustimmungswerte für die Regierung unmittelbar verringert und möglicherweise von wichtigen Wirtschaftsreformen ablenkt.

Verfeinerung unserer Auswahl von Referenzindizes

Bei der Berechnung des TGM-ESGI bringt unser Researchteam seine Einschätzungen mit einer Auswahl repräsentativer globaler Indizes für jeden Indikator zusammen. Diese Indizes werden als Referenzwerte verwendet und von renommierten Quellen wie der Weltbank oder dem Weltwirtschaftsforum veröffentlicht, oft als Aggregation anderer Datenquellen. In unserem aktuellen Update haben wir die Gesamtauswahl an Indizes verfeinert, indem wir die vorher für nicht nachhaltiges Handeln und nicht nachhaltige Praktiken verwendeten Indizes durch Indizes des Weltwirtschaftsforums 4 (Global Competitiveness Report, Infrastructure) und den „Social Progress Index“ 5 (Environmental Quality) ersetzt haben. Wir sind der Ansicht, dass diese Indizes für unseren Bewertungsprozess umfassendere Merkmale bereitstellen.

Länder, deren Indexwerte sich durch die Verfeinerung der Methodik deutlich verändern

Als Ergebnis der veränderten TGM-ESGI-Gewichtung weist der Gesamtindexwert von Ländern mit sich verschlechterndem Umweltwert (beispielsweise Brasilien, Indien, Nigeria und die USA) eine etwas negativere Änderung auf, während er sich in Ländern mit prognostizierter Verbesserung bei Umweltfaktoren wie Energiesicherheit (Ägypten, Ghana und Peru) leicht positiv verändert.

Die stärkste zu berücksichtigende Nebenwirkung besteht darin, dass Länder mit als stabil prognostizierten Umweltfaktoren, aber negativen Änderungen bei Governance und Sozialem (etwa Polen, Ungarn und Italien) eine leichte Verbesserung bei der prognostizierten Änderung des ESG-Wertes verzeichnen. Gleichzeitig verschlechtert sich bei Ländern mit sich verbessernden Faktoren für Unternehmensführung und Soziales (beispielsweise Brasilien und Indonesien) die prognostizierte Änderung des ESG-Wertes leicht. In allen Fällen liegen die Auswirkungen auf die Werte für die prognostizierte Änderung innerhalb der Spanne von -1 bis +1, was wir als hinnehmbare Abweichung betrachten. Abbildung 1 zeigt eine enge lineare Regression der Folgen durch die methodische Neuerung für die aktuellen Werte.

Aktuelle Werte nach dem neuen TGM-ESGI zeigen eine enge lineare Regression gegenüber der bisherigen Bewertungsmethodik

Abbildung 1: Regression der aktuellen TGM-ESGI-Werte von August 2019 unter Verwendung der neuen Gewichtungen (33/33/33) gegenüber den aktuellen TGM-ESGI-Werten von August 2019 unter Verwendung der alten Gewichtungen (20/40/40) (Stand: August 2019)

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Länder, deren Indexwerte sich durch veränderte ESG-Bedingungen deutlich verändern

Im Vergleich zu den TGM-ESGI-Werten von Februar 2019 sind nun weniger Länder mit positiver Weiterentwicklung bei den TGM-ESGI-Kennzahlen zu erkennen. Die durchschnittliche prognostizierte Änderung der Indexwerte lag zur Bewertung im Februar 2019 bei -0,1 und nahm bei der jüngsten Bewertung auf -0,4 ab.

Es gibt jetzt 12 Länder mit prognostizierter positiver Änderung. Bei der letzten Ausgabe waren es noch 15. Die durchschnittliche prognostizierte Änderung für diese Länder ist von +2,4 auf +1,3 gefallen. Bei den Ländern mit prognostizierter Verschlechterung bleibt die prognostizierte Änderung mit -1,6 ungefähr gleich wie bei der Bewertung im Februar 2019. Länder wie Indien, Mexiko, die Philippinen und Sambia weisen statt einer prognostizierten neutralen oder positiven ESG-Differenz nun eine prognostizierte Verschlechterung auf.

Zudem hat sich die Anzahl der Länder, für die wir keine Veränderung der ESG-Werte prognostizieren, von 16 auf 20 erhöht. Dazu gehören nun Staaten wie Russland, Argentinien, Schweden, China und Südkorea. Für manche Länder dieser Gruppe wurde vorher eine Verschlechterung prognostiziert, aber es sei darauf hingewiesen, dass in solchen Fällen die Aktualisierung auf neutral entweder das Ergebnis einer Verbesserung eines vormals negativ prognostizierten Wertes oder aber der tatsächlichen Verschlechterung der Situation gemäß der vorherigen negativen Prognose sein kann.

Aktualisierte TGM-ESGI-Werte

In den Abbildungen 2 und 3 sind die Ergebnisse unseres jüngsten Bewertungsupdates aus dem Jahr 2019 abgebildet. Wir legen in Fortsetzung der Aktualisierung vom Februar 2019 weiterhin den Schwerpunkt auf 56 Länder.

Noten für Umwelt, Soziales und Governance nach Land (TGM-ESGI)

Abbildung 2: TGM-ESGI-Werte: Aktuell (Stand: August 2019)

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Abbildung 3: TGM-ESGI-Werte: Prognostizierte Änderung (Stand: August 2019)

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Abbildung 4: TGM-ESGI-Werte: Prognostizierte Änderung nach den Faktoren E, S und G (Stand: August 2019)

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Abbildung 5: Vergleich der prognostizierten TGM-ESGI-Werte: Februar 2019 vs. August 2019 (Stand: August 2019)

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Fallstudien

In den nachstehenden Fallstudien rücken wir eine Reihe von Ländern ins Rampenlicht, die in der Prognose erhebliche Verbesserungen aufweisen (Indonesien, Ghana und Brasilien). Außerdem untersuchen wir zwei Länder mit prognostizierter negativer Veränderung (Vereinigtes Königreich und Indien). Indien ist insofern bemerkenswert, weil das Land seit unserer letzten ESG-Bewertung im Februar 2019 eine deutliche Trendwende erlebt hat.

Drei Länder mit prognostizierten Verbesserungen bei den ESG-Werten

Indonesien: Volle Kraft voraus mit wichtigen Reformen

  • Präsident Joko Widodo wurde im April für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, was weitere Fortschritte bei seiner Reformagenda ermöglicht. Dazu gehören das Schließen der Infrastrukturlücke im Vergleich zu anderen Schwellenländern, die Verbesserung des Wirtschaftsklimas und die Bekämpfung der Korruption. In Zukunft werden Verbesserungen der Lebensqualität der Landbevölkerung Indonesiens durch den Abbau von Armut und Ungleichheit wahrscheinlich stärker in den Mittelpunkt rücken, genau wie die Ausweitung einer grundlegenden Krankenversicherung.
  • Der Reformprozess kam vor der Wahl ins Stocken, doch bis dahin waren bereits bedeutende Fortschritte erzielt worden: Indonesien machte zwischen 2014 und 2019 auf der von der Weltbank erstellten Rangliste der wirtschaftsfreundlichsten Länder (Ease of Doing Business Index) einen Sprung vom 120. auf den 73. Platz.
  • Die indonesische Wirtschaftspolitik bleibt konservativ; der Schwerpunkt liegt auf umsichtiger öffentlicher Finanzpolitik und konsequenter Geldpolitik. Die Anzahl der Technokraten in der Regierung und ihre Wertigkeit hat zugenommen.
  • Zu erwarten ist, dass sich der soziale Zusammenhalt in Indonesien verschlechtert, was die Gefahr mit sich bringt, dass religiöse Vielfalt und gesellschaftliche Toleranz abnehmen.
  • Bei den Umweltfaktoren schneidet Indonesien schlecht ab, und momentan werden keine bedeutenden Verbesserungen prognostiziert. Das Land ist Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen, Überschwemmungen und Dürren ausgesetzt. Gleichzeitig werden durch Brandrodung zur Gewinnung von Anbauflächen Emissionen und starker Smog produziert.

Abbildung 6: Indonesien: Aktuelle und prognostizierte Bedingungen (TGM-ESGI) (Stand: August 2019)

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Brasilien: Notwendige Reformen eingeleitet, aber Abholzung im Amazonasbecken besorgniserregend

  • Nach den wirtschaftlichen Krisen und politischen Skandalen der Vergangenheit beginnt in Brasilien eine Ära bedeutender Reformen. Die Wirtschaft erholt sich dank bereits umgesetzter Reformen gegen die Unbeweglichkeit des Arbeitsmarktes, Korruption und für die Privatisierung von staatseigenen Unternehmen, sodass sich das Geschäftsklima verbessern dürfte.
  • Während hinsichtlich des Reformbedarfs bei Themen wie soziale Sicherheit (und möglicherweise Steuerreformen und Abbau von Handelshindernissen) weitgehend Einigkeit herrscht, ist das politische Risiko derzeit hoch, und wir erkennen wegen der Spannungen zwischen den verschiedenen Flügeln der Regierung weniger Unterstützung für andere Reformen.
  • Der soziale Zusammenhalt verharrt auf niedrigem Niveau. Die Gesellschaft ist weiterhin mit den Folgen des Korruptionsskandals Lava Jato – zu Deutsch etwa „Operation Autowäsche“ – beschäftigt, der zu allgemeinem Misstrauen gegenüber dem Establishment geführt hat. Darüber hinaus macht die neue Regierung rechtsextreme Ansichten salonfähig, auch wenn sich Institutionen wie der oberste Gerichtshof diesen Tendenzen widersetzen.
  • Brasilien schneidet bisher beim Vergleich mit anderen Schwellenländern im Bereich der ökologischen Nachhaltigkeit verhältnismäßig gut ab. Die lockere Umweltpolitik der aktuellen Regierung könnte jedoch dazu führen, dass die Abholzung des Amazonas-Regenwalds in einem Tempo voranschreitet, das alles andere als nachhaltig ist.

Abbildung 7: Brasilien: Aktuelle und prognostizierte Bedingungen (TGM-ESGI) (Stand: August 2019)

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Ghana: Eine der stärksten Demokratien in Afrika südlich der Sahara mit besserer Haushaltspolitik und wachsender Energieproduktion

  • Ghana ist eine der stabilsten Demokratien in Afrika südlich der Sahara. Das Land belegt in Indizes für Friedfertigkeit und Pressefreiheit allgemein vergleichsweise hohe Ränge. Es ist reich an Bodenschätzen und hat eine relativ fortschrittliche Industrie. Darüber hinaus geht es bei Wahlen in der Regel stärker um Politik als um ethnische Zugehörigkeit, was in den Nachbarländern nicht immer der Fall ist.
  • Der Regierung des Präsidenten Nana Addo Dankwa Akufo-Addo ist es gelungen, Primärüberschüsse zu erzielen, und sie hat sich einer umsichtigen Fiskalpolitik und einer konservativen Geldpolitik verschrieben. Außerdem ergreift die Regierung Maßnahmen für die Sanierung des Finanzsektors, der sich aufgrund des in der Vergangenheit herrschenden Zustands mit mangelnder Governance und unsachgemäßer Kreditvergabe in Schwierigkeiten befindet. Beide Faktoren dürften dazu beitragen, dass sich das Geschäftsumfeld mittelfristig verbessert.
  • Die Wirtschaftsreformen sorgen voraussichtlich für mehr Investitionen in die Infrastruktur und somit bessere Straßen und Schienennetze sowie eine Unterstützung des Luftverkehrs und der Häfen. Dadurch würde der Status Ghanas als Verkehrsknotenpunkt in Westafrika weiter gefestigt.
  • Die ghanaische Landwirtschaft (in der über die Hälfte der erwerbstätigen Bevölkerung beschäftigt ist) ist akut anfällig für Klimaschocks und sieht sich Problemen wie Dürren und Überschwemmungen ausgesetzt. Zusätzlich verursacht der illegale Goldabbau schwere ökologische Schäden, auch in Gebieten mit Kakaoplantagen.
  • Wir prognostizieren mit Blick auf die positiven Auswirkungen der zunehmenden Erdgasproduktion auf den inländischen Stromsektor eine weiter wachsende Energiesicherheit.

Abbildung 8: Ghana: Aktuelle und prognostizierte Bedingungen (TGM-ESGI) (Stand: August 2019)

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Zwei Länder mit prognostizierter Verschlechterung der ESG-Werte

Großbritannien: Verbreitete Unsicherheit hinsichtlich wirtschaftlicher Aussichten durch den Brexit

  • In Großbritannien bleibt die verbreitete Unsicherheit in Bezug auf die lang- und kurzfristigen wirtschaftlichen Aussichten bestehen, bis es mehr Klarheit zum Thema Brexit gibt. Bis zum 31. Oktober 2019 musste Großbritannien entscheiden, ob der Austritt aus der Europäischen Union (EU) verschoben, ein Austrittsabkommen ratifiziert oder ein „No-Deal-Brexit“ durchgeführt werden soll.
  • Der soziale Zusammenhalt und die Handlungsfähigkeit der Regierung verschlechtern sich den Prognosen zufolge, weil die Brexit-Verhandlungen für immer mehr Streit sorgen. Die Gesellschaft ist stark gespalten. Mehrere Umfragen zeigen, dass die Anteile der Brexit-Befürworter und -Gegner in etwa gleich groß sind. Die Gefahr, die sich durch den Brexit für den sozialen Zusammenhalt ergibt, beschränkt sich nicht nur auf England: In Umfragen zum Verbleib in Großbritannien zeigt sich auch in Schottland eine starke Spaltung.
  • Der Brexit wird die Wettbewerbsfähigkeit Großbritanniens auf den EU-Märkten (an die im Jahr 2018 46 % der Exporte gingen) wahrscheinlich schwächen, besonders bei einem No-Deal-Szenario. Außerdem könnten die ausländischen Investitionen zurückgehen.
  • Bei zahlreichen ESG-Kennzahlen wie Infrastruktur, Korruption und Mischung politischer Maßnahmen erhält Großbritannien Bestnoten. Das Land rangiert gemeinsam mit vergleichbaren Ländern wie Australien und Singapur weit oben. Die leichten Verschlechterungen bringen es näher an Länder wie die Niederlande oder Tschechien heran.

Abbildung 9: Großbritannien: Aktuelle und prognostizierte Bedingungen (TGM-ESGI) (Stand: August 2019)

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Indien: Politische Kontinuität unter Modi, aber zunehmende ökonomische und ökologische Schwierigkeiten

  • Der deutliche Wahlsieg im Mai 2019 steigert die politischen Handlungsmöglichkeiten von Premierminister Narendra Modi beträchtlich und verleiht seinem eingeschlagenen politischen Kurs Kontinuität. Dieses politische Kapital muss aber schon bald eingesetzt werden, denn die wirtschaftlichen Herausforderungen wachsen, und die antizyklische Politik als Reaktion auf die Abkühlung erweist sich als unzureichend.
  • Die institutionelle Unabhängigkeit in Indien scheint schwächer zu werden, seit in letzter Zeit der Einfluss der Regierung auf die Institutionen zunimmt.
  • Der soziale Zusammenhalt verharrt angesichts der vergangenen Konflikte zwischen Hindus und Muslimen in einem anfälligen Gleichgewicht. Hohe Kriminalitätsraten stellen neben Einkommensunterschieden und dem Kastensystem weiterhin erhebliche Hürden auf dem Weg zu einer inklusiven, progressiven Gesellschaft dar.
  • Im Bereich Umwelt bleibt die Verschmutzung ein großes Problem: Die indischen Städte gehören zu den Orten mit der schlechtesten Luft. Laut Analysen von Greenpeace und AirVisual (beruhend auf Luftqualitätsdaten von öffentlichen Überwachungsstellen aus dem Jahr 2018) befinden sich von den 30 Städten mit der weltweit stärksten Luftverschmutzung 22 in Indien.
  • Indien belegt laut dem World Resources Institute unter den 17 am stärksten betroffenen Ländern mit extrem hohem Wasserstress den 13. Platz. Das bedeutet, dass im Land Grund- und Oberflächenwasser knapp werden.
  • Die Regierung hat ihren Schwerpunkt auf Umweltthemen verstärkt und Programme eingeführt, mit denen die Probleme in den Bereichen Wasser und Luftqualität angegangen werden sollen. Angesichts der Größenordnung und des Umfangs dieser Herausforderungen müssten diesen allerdings dringend wesentlich mehr Ressourcen zugeteilt werden.

Abbildung 10: Indien: Aktuelle und prognostizierte Bedingungen (TGM-ESGI) (Stand: August 2019)

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschließlich des potenziellen Verlusts des Anlagekapitals. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück. Die Anlage im Ausland ist mit besonderen Risiken verbunden, z. B. Währungsschwankungen, wirtschaftlicher Instabilität und politischen Entwicklungen. Anlagen in Schwellenländern, zu denen als Untergruppe die Grenzmärkte gehören, sind aufgrund derselben Faktoren mit erhöhten Risiken verbunden. Hinzu kommen Gefahren, die durch die geringere Marktgröße, die niedrigere Liquidität und das Fehlen von gefestigten rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen, die die Wertpapiermärkte stützen würden, entstehen. Da diese Rahmenbedingungen in „Frontier Markets“ (Grenzmärkten) in der Regel noch geringer ausgeprägt sind und diverse abträgliche Faktoren wie gesteigertes Potenzial für extreme Preisschwankungen, Illiquidität, Handelsbarrieren und Wechselkurskontrollen vorliegen, sind die mit Schwellenländern assoziierten Risiken in solchen Grenzmärkten noch höher. Die Anleihenkurse entwickeln sich im Allgemeinen in die den Zinsen entgegengesetzte Richtung. Wenn sich also die Kurse der Anleihen in einem Investmentportfolio an steigende Zinsen anpassen, kann der Wert des Portfolios sinken.

Wichtige Hinweise

Das vorliegende Dokument beruht auf den Analysen und Einschätzungen der Autoren zum 8. Oktober 2019 und weicht möglicherweise von den Einschätzungen anderer Portfoliomanager, Investmentteams oder Anlageplattformen bei Franklin Templeton Investments ab. Es dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist weder als individuelle Anlageberatung noch als Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf, Verkauf oder Halten eines Wertpapiers oder zur Übernahme einer Anlagestrategie zu verstehen. Es stellt keine juristische oder steuerrechtliche Beratung dar.

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1. Quelle: Weltbank, „India: Green Growth—Overcoming Environment Challenges to Promote Development“, 6. März 2019.

  1. Quelle: Europäische Umweltagentur, „Climate change threatens future of farming in Europe“, 4. September 2019.
  2. Quelle: European Academies Science Advisory Council, „New data confirm increased frequency of extreme weather events, European national science academies urge further action on climate change adaptation“, Pressemitteilung, 21. März 2018.
  3. „The Global Competitiveness Report“ ist ein jährlicher Bericht des Weltwirtschaftsforums (WEF), in dem Länder nach einem weltweiten Index der Wettbewerbsfähigkeit in eine Rangliste aufgenommen werden. Der Infrastrukturbericht dient mit Stand vom August 2019 in der TGM-ESGI-Kategorie „Soziales“ als Referenz für den Infrastrukturfaktor, weil er makro- und mikroökonomische Faktoren umfassend in seine Bewertung der Wettbewerbsfähigkeit einbezieht. Dieser Bericht ersetzt die frühere Referenz für den TGM-ESGI, bei der es sich um den „World Bank Logistics Performance Index, Infrastructure“ handelte, einen Index mit stärkerem Schwerpunkt auf den logistischen Aspekten von Infrastruktur.
  4. Der „Social Progress Index“ misst, in welchem Umfang Länder die sozialen und ökologischen Bedürfnisse ihrer Bürgerinnen und Bürger erfüllen. Der Index wird von der Organisation Social Progress Imperative veröffentlicht. Er dient wegen seines Umfangs und seiner führenden Kompetenz bei der Untersuchung der sozialen und ökologischen Entwicklung innerhalb von Ländern als Referenz für nicht nachhaltiges Handeln in der Kategorie „Umwelt“ des TGM-ESGI (Stand: August 2019). Der Index ersetzt die frühere Referenz für den TGM-ESGI, den „Yale Environmental Performance Index“, in dem Länder stärker nach Leistungskennzahlen eingestuft wurden und weniger direkte lokale Recherche zum Einsatz kam als im Social Progress Index.