Die Disruption des GeldesMay 8, 2018

Das rasche Aufkommen von Kryptowährungen hat eine Debatte um das grundsätzliche Wesen von Geld und die Zukunft traditioneller Banking- und Finanzdienstleistungen in Gang gesetzt. Während Spekulanten sich mit großem Eifer auf virtuelle Währungen stürzen, verfolgen professionelle Anleger weitgehend einen vorsichtigeren Ansatz.

Roger Bayston, Senior Vice President von Franklin Templeton Fixed Income Group, Austin Trombley, Vice President und Data Scientist von Franklin Templeton Fixed Income Group, und Anthony Hardy, Research Analyst bei Franklin Equity Group, nahmen jüngst an einer Podiumsdiskussion zum Thema teil. Sie diskutieren, wie digitale Währungen funktionieren, wie Blockchain-Technologie möglicherweise viele Facetten unseres Lebens beeinflussen wird und welche Anlagemöglichkeiten sie in diesem sich rasch wandelnden Bereich sehen.

Hier einige Höhepunkte des Podcasts:

  • Die Medien sind weitgehend auf den Kurs digitaler Währungen wie Bitcoin fokussiert. Hierbei fällt die echte Innovation, die sie darstellen, unter den Tisch.
  • Technologische Vorreiter lösen eine Disruption aus, die andere Branchen beeinflusst. Dies geschieht ungeachtet der Meinung der Menschen über die Werte der einzelnen populär gewordenen Kryptowährungen.
  • Das Tempo des technologischen Wandels könnte viel schneller sein, als die meisten von uns verarbeiten können. Es lohnt sich, die Entwicklung im Bereich Kryptowährungen und die Umwälzungen, die diese Technologien für Unternehmen in vielen Branchen bedeuten, sowie die Anlagechancen aufmerksam zu verfolgen.

Hören Sie unseren neuesten „Talking Markets“-Podcast und erfahren Sie mehr zu diesem Thema.

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Moderator Richard Banks: Hallo und willkommen zu „Talking Markets“ von Franklin Templeton Investments: exklusive und spezielle Einblicke von Franklin Templeton.

Mein Name ist Richard Banks.

In dieser Folge erörtern wir die Disruption im Geldwesen und die Entwicklung von Kryptowährungen. Teilnehmer der Diskussion sind einige unserer Research-Analysten und Portfoliomanager, die diesen Bereich untersuchen. Zu Gast sind Roger Bayston und Austin Trombley von Franklin Templeton Fixed Income Group und Anthony Hardy von Franklin Equity Group. Die Diskussionsleitung hat Kristina Landgraf von Franklin Templeton. Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Zuhören.

Kristina: Der Bereich Krypto-Anlagen wuchs im vergangenen Jahr. Wir sprechen in diesem Bereich von technologischer Disruption. Wie denken Sie als Organisation hierüber und wie fließt dies in Ihren Anlageprozess ein? Roger?

Roger: Sie haben recht. Der Bereich Geld, insbesondere die gestiegene Popularität und die größere Verbreitung von Kryptowährungen in den letzten 12 Monaten, steht repräsentativ für ein Thema, das wir nun seit einigen Jahren in der Wirtschaft beobachten: die Disruption, die technologische Vorreiter in anderen Branchen auslösen. Wir werden dies auf jeden Fall auch bei den Finanzdienstleistungen und beim Konzept von Geld erleben. Und dies geschieht ungeachtet der Meinung der Menschen über die Werte der einzelnen populär gewordenen Kryptowährungen, einschließlich Bitcoin. Ungeachtet dessen wissen wir, dass – weil in dem Bereich so viel Wert geschaffen wird – viele Geschäftsmodelle zusammenkommen werden. Und sie werden finanziert, um weiter Unternehmen umzuwälzen, die höhere Margen haben. Finanzdienstleistungen gehören in der Regel dazu. Bei allem, was mit Geld und Finanzdienstleistungen zusammenhängt, können wir viele disruptive Veränderungen durch diese technologischen Fortschritte erwarten.

Kristina: Was genau bedeutet denn Disruption des Geldes?

Roger: Geld ist im Wesentlichen ein Tauschmittel, und rund um den Globus sind Staaten innerhalb ihrer geopolitischen Grenzen für die Schaffung dieser Währungen verantwortlich, um dieses Tauschmittel zu ermöglichen. Und das bezeichnen wir als Fiatgeld. Wir sehen, dass es andere Dinge gibt, denen Menschen einen Wert beimessen, um Waren und Dienstleistungen zu tauschen. Und ich denke, das ist allgemein die Kategorie der Kryptowährungen. Sie werden nicht durch einen bestimmten Staat eingeführt, aber ihre breitere Verwendung und Übernahme – besonders durch eine neue Generation potenzieller Verbraucher in der Wirtschaft, die bereits weniger mit Bar- und Münzgeld und eher mit elektronischen Zahlungen vertraut ist – ist bloß eine weitere Stufe des Vertrauens, dass diese Verbraucher [diese neuen Währungen] in der Wirtschaft nutzen werden, um Waren und Dienstleistungen zu tauschen.

Kristina: Anthony?

Anthony: Wir sollten beachten, dass all dies vor rund einem Jahrzehnt mit einem White Paper für ein digitales Peer-to-Peer-Zahlungssystem begann. Doch seitdem haben die Menschen begriffen, dass diese zugrunde liegende Technologie eine Unmenge an Möglichkeiten bietet, nicht nur bei Finanzdienstleistungen und Zahlungen, sondern auch in anderen Branchen wie Gesundheit, Lieferkette usw. Wir sollten also beachten, dass diese Technologie möglicherweise nicht nur das Bezahlen in der Finanzdienstleistungsbranche umwälzen wird. Es gibt breite Anwendungsmöglichkeiten.

Kristina: Austin, wie lautet Ihre Einschätzung?

Austin: Unternehmen mit hohen Margen, wie z. B. die traditionellen Kartendienstleister Visa und MasterCard, stehen Kryptowährungen sehr abweisend gegenüber, weil sie meiner Meinung nach wissen, wie disruptiv dies für sie sein wird. Viele Händler zahlen bis zu 4 %, nur um traditionelle Karten im Verkaufsstellensystem annehmen zu können. Meiner Meinung nach könnte man dies, wenn man viele der anderen Mechanismen betrachtet, die diesen Tausch ermöglichen könnten, wie Roger sagte, mit vielen Kryptowährungen deutlich schneller und kostengünstiger tun.

Kristina: Es gibt eine ganz neue Generation, die vermutlich noch nie einen Scheck ausgestellt hat und auch Bargeld nicht oft nutzt. Können Sie uns Beispiele für Anwendungsbereiche einiger dieser neuen Arten von Währung nennen, die wir noch gar nicht im Blick haben?

Austin: Sicher. Ich denke, dies geht auf die verschiedenen Aufsichtsbehörden zurück, die nun mit ihren Einschätzungen darüber rauskommen. Denn Kryptowährungen können sich in vielerlei Form äußern und darstellen. So sagt die US-Steuerbehörde IRS, dass sie als Vermögen betrachtet werden, das US-Finanzministerium betrachtet sie als Geld, die US-Aufsichtsbehörde für den Terminhandel CFTC betrachtet sie als Rohstoff und die Börsenaufsicht SEC betrachtet sie als Wertpapiere. Sie sind also nicht schwarz-weiß, sondern irgendwie alles andere.

Kristina: Wir alle kennen Bitcoin. Aber möglicherweise gibt es noch tausende andere Arten von Kryptowährungen. Zurück zu den Basics. Erklären Sie uns, was Kryptowährungen sind und wie sie sich unterscheiden!

Austin: Sicher. Am Anfang war eine Kryptowährung eher ein Protokoll dafür, wie man versucht, einen Konsens in verteilter Form zu erreichen. Stand heute ist der Nachweis für eine wirkliche Alltagseignung noch nicht erbracht, und Transaktionen brauchen wirklich, wirklich lange. Jeder Block kann nur 15 bis 20 Transaktionen haben. Deshalb ist es wirklich, wirklich langsam. Und es begann im Darknet als Zahlungsform. Und wenn man sich das überlegt, dann ist für den Anfang genau das der perfekte Nährboden für Bitcoin und Blockchain. Denn wo sonst als im Darknet muss man Vertrauen bei üblen Gestalten durchsetzen? Hier fing es also an. Und nehmen wir einen ICO [Initial Coin Offering], das Pendant zum IPO [Initial Public Offering] bei Unternehmen. Viele kleinere Firmen wenden sich nicht an Wagniskapitalgeber, um Mittel zu beschaffen. Sie führen bloß einen ICO durch und geben ein White Paper heraus. Sie beschaffen das Geld für den im White Paper geschilderten Zweck.

Kristina: Wie sollten Anleger sich in Bezug auf Bitcoin und andere Kryptowährungen verhalten?

Anthony: Es gibt derzeit mehr als tausend Kryptowährungen, und einige oder die meisten werden vermutlich verschwinden. Aber ich denke, dass diejenigen, die überleben, in einem Jahrzehnt eine besondere Nutzung erfahren werden, soweit durch die Anwendung dieser Technologie Wert gesteigert wird. Lassen Sie uns einen Schritt zurückgehen und überlegen, welche Probleme diese Technologie vor allem löst und warum dieser Bereich interessant ist. Begründet wurde sie auf dem Höhepunkt der [globalen Finanz-] Krise, und die beiden großen Probleme waren Verdrossenheit mit Banken, [wo] diese Zahlungsdienstleister hohe Sätze verlangen. Und es musste einen vertrauenswürdigen Intermediär bei Transaktionen geben. Und dann Verdrossenheit mit den Regierungen. Ich denke an Regionen außerhalb der USA, die hohe Inflationsraten haben. Wenn Sie dort Verbraucher sind, in einem repressiven Regime, möchten Sie mehr Kontrolle über Ihr Kapital und nicht von den Launen der Regierung abhängen. Und so fing dann alles an. Und als Bitcoin entstand, half es ursprünglich, diese Probleme zu lösen.

Mit Blick auf die Zukunft – Austin sprach einiges davon an – gibt es Verdrossenheit mit den großen Technologieunternehmen. Sehen Sie, das Internet wurde zentralisiert, Wagniskapitalgeber haben eine starke Kontrolle über Innovation. Und ICOs sind eine Möglichkeit, den Prozess der Kapitalbeschaffung zu demokratisieren. Und diese verschiedenen ICOs sind ein Mechanismus zum Aufbau neuer Netzwerke, um diese Tokens zu haben, die verschiedene Zwecke erfüllen. Aber auf einem hohen Niveau ist es wichtig, sich auf diese zugrunde liegenden Treiber zu konzentrieren, denn geredet wird vor allem über den Kurs und seine Entwicklung. Und diese zugrunde liegenden Treiber gehen oft verloren.

Roger: Austin sprach von Vertrauen: Transaktionen im Darknet, wo Menschen sich nicht kennen und für ihre Transaktionen eine Vertrauensbasis finden müssen. Dies gilt nicht nur im Darknet-Teil der Wirtschaft, sondern auch im regulären Teil der Wirtschaft. Und aus diesem Grund fanden reguläre Währungen wie der US-Dollar diese sehr breite offensichtliche Akzeptanz. Es gab eine Zeit, als der US-Dollar durch echte Goldreserven unterlegt war. Er war ein Schuldschein gegenüber der US-Notenbank, der sich gegen Gold eintauschen ließ. Aber da diese Zeiten sind vorbei sind und es keinen Goldstandard mehr gibt, ist besonders dieser Begriff von Vertrauen, bei dem Menschen darauf vertrauen, dass ihre Dollars einen gewissen Wert an sich haben, nicht so weit entfernt von diesen ICOs oder Kryptowährungen, die sich entwickeln. Solange Menschen darauf vertrauen, sie gegen Waren und Dienstleistungen tauschen zu können, werden sie ein weiteres Tauschmittel.

Es stellt sich die Frage, ob die Menschen diese anderen Währungen gegeneinander bewerten können, um ihren Wert zu bestimmen. Dies ist vermutlich eine logische Erweiterung. Es gäbe ein dramatisches Wachstum an den Handelsplätzen, wo Währungen gegeneinander getauscht werden können, vergleichbar mit dem Devisenmarkt, der weltweit existiert, der übrigens der größte Markt weltweit ist, mit Fremdwährungstransaktionen, dem Handel oder Tausch von Währungen für verschiedene wirtschaftliche Akteure rund um den Globus, um die Transaktionen zu ermöglichen, die sie in ihren jeweiligen Ländern tätigen möchten.

Kristina: Interessant, dass sich diese Kryptowährungen wegen des fehlenden Vertrauens in staatliche oder offizielle Systeme entwickelten. Doch wir brauchen irgendeine Form von Regulierung, damit sich die Anleger damit etwas wohler fühlen. Stimmen Sie dem zu, und was halten Sie als Anleger davon, wenn es derzeit ein wenig zugeht wie im Wilden Westen?

Roger: In der Vergangenheit waren die Aufsichtsbehörden, gleich in welcher Form Kapital beschafft wurde, immer eher im Reaktionsmodus. Sie stellen die Regeln auf, wenn die Innovation bereits da ist. Ich könnte mir vorstellen, dass das die nächste Erweiterung ist, wenn die breitere Übernahme in der Wirtschaft sich fortsetzt und die Unternehmen diese Protokolle nutzen, um ihre wirtschaftlichen Interessen zu fördern.

Austin: Was Roger über die Aufsichtsbehörden sagte, stimmt. In aller Regel hinken sie hinterher und versuchen dann aufzuholen.

Kristina: Gibt es mögliche unbeabsichtigte Folgen, die Sie bei dieser Disruption des Geldes erkennen, ob in Bezug auf diese Kryptowährungen oder Blockchain, auf die Sie in Ihren Untersuchungen gestoßen sind?

Anthony: Viele Fragen fokussieren sich auf Bitcoin als Zahlungsmittel. Nochmal, es begann als Peer-to-Peer-Zahlungssystem, aber es scheint gerade, als wäre der Nutzungszweck eher ein Wertspeicher als ein Zahlungssystem. Wir beobachten angesichts der Volatilität steigende Transaktionskosten; die Bezahlung von täglichen Dingen mit Bitcoin wird dadurch schwieriger. Nochmals, unbeabsichtigte Folgen sind für mich, dass es am Anfang ein Bezahlsystem war, und nun ist es ein digitaler Wertspeicher. Andere Kryptowährungen könnten diesen Zahlungsbedarf decken, und vermutlich werden wir die Schaffung von tausenden dieser Währungen erleben. Eine weitere für mich wichtige Folge besteht darin, dass es fast zwei verschiedene Welten im Bereich Blockchain gibt. Da gibt es die Zulassungsliste – Bitcoin, Ethereum, öffentliche Blockchains – und es gibt ein gänzlich anderes Ökosystem, in dem etablierte Finanzinstitute, der traditionelle Markt, wenn Sie so wollen, versuchen, diese Technologie auf andere Weise anzuwenden und hierbei private Netzwerke zu nutzen, bei denen man nicht dasselbe Vertrauen braucht, weil diese Banken einander kennen werden.

Kristina: Können Sie erklären, was Blockchain ist und worin die Unterschiede zu Kryptowährungen bestehen?

Anthony: Das lässt sich vermutlich am einfachsten beschreiben als dezentrale, verteilte Liste, die Transaktionen aufzeichnet. Letztlich, glaube ich, reden wir bloß von einem geteilten Aufzeichnungssystem. Aber es löst besonders in der Finanzdienstleistungsbranche, in der man viele Parteien hat, die versuchen, dieselbe Transaktion zu verfolgen, ein echtes Problem. Nehmen wir den Handel mit einem komplexen Finanzinstrument. Da kann es 20 Banken geben, die ihre eigene Liste für diese Transaktion führen. Die müssen sich miteinander abstimmen. Das erfordert Gespräche, manchmal Faxe und E-Mails. Im Grunde ist eine Blockchain eine geteilte Liste, bei der jede der Banken Zugang zu dieser einen vertrauenswürdigen Quelle haben kann. Eine Liste, die diese notwendige Abstimmung reduziert. Dieses Konzept einer einzigen vertrauenswürdigen Quelle, die unter den einzelnen Parteien geteilt ist, ist äußerst mächtig und hat nicht nur bei Finanzdienstleistungen, sondern auch in anderen Wirtschaftsbereichen Anwendungsmöglichkeiten.

Es gibt interessante Unternehmen, die Diamanten verfolgen können, um sicherzustellen, dass keine Konfliktdiamanten in die Wirtschaft gelangen. Es gibt Anwendungsmöglichkeiten im Gesundheitswesen für die Verwaltung von Aufzeichnungen. Ebenso in der Versicherungsbranche mit sog. Smart Contracts, bei denen programmiert werden kann, was geschieht, falls ein bestimmtes Ereignis eintritt. Dies kann einen Großteil des Prozesses automatisieren. Und jede Woche werden neue Anwendungen für diese Technologie erdacht. Das ist einer der Gründe, warum das so spannend ist.

Austin: Es gibt auch ein Mobiltelefon auf Basis von Blockchain.

Roger: Überlegen Sie sich, wie lange die Abwicklung eines Immobiliengeschäfts dauert. Der ganze Papierkram, der dazu gehört, und die Übertragung des Eigentums von einer Person auf die nächste. Darin scheint eine ganze Menge Ineffizienz zu stecken. Mit dieser verteilten Liste, von der wir sprechen, haben wir eine vertrauenswürdige Quelle, die allmählich viele Probleme löst, wo es viel Ineffizienz gibt.

Anthony: Ich weise darauf hin, dass es öffentliche Blockchains und private Blockchains gibt. Die beiden größten und interessantesten sind bei den öffentlichen Blockchains Bitcoin und Ethereum. Bitcoin kann ein Wertspeicher sein, um Bitcoin zwischen zwei Personen zu übertragen. Ethereum ist eine Art dezentraler Supercomputer, mit dem diese Smart Contracts verwaltet werden können. Es gibt unendlich viele Nutzungsmöglichkeiten. Das ist extrem interessant. Schauen Sie sich auf privater Seite die 12 Banken an, die in der Regel den Großteil des Handels oder der Transaktionen in einer bestimmten Anlageklasse abwickeln. Sie können ein Netzwerk gründen. Es gibt keine Notwendigkeit, sich mit diesem öffentlichen Netzwerk zu verbinden. Dies kann ein sehr interessanter Nutzungszweck sein. Banken können so Kosten reduzieren, und das Kapital, das diesen Geschäften gegenübergestellt werden muss. Ich denke, künftig werden vermutlich mehr private Blockchains Anwendung finden.

Roger: Mit Blick auf die Finanzinstitute allgemein gehe ich davon aus, dass viele dieser Technologien ihre Kosten im Rahmen der Geschäftstätigkeit deutlich reduzieren können. Ich denke da an börsennotierte Unternehmen, die einen Anreiz haben, Kosten und Ausgaben kontinuierlich zu kappen und sie durch höhere Produktivität und Effizienz in ihrem System abzulösen. Hierfür gibt es einen starken Anreiz. Daher erwarte ich von dieser Disruption generell ziemlich positive Folgen für einige Aktien. Im Hinblick auf festverzinsliche Anlagen, als möglicher Inhaber von Schuldtiteln in einer Welt, in der es viel Wandel, Disruption und Umstrukturierung gibt, bedeuten Umstrukturierung und der Umstand, als Anleiheninhaber auf der anderen Seite zu sein, letztlich nicht immer eine positive Erfahrung für Anleiheninhaber, wenn es Umstrukturierung gibt. Diese Disruption bedeutet bei Finanzdienstleistungen, generell bei Zahlungssystemen, viel Umstrukturierung. Genau hier möchte man als Anleger dabei sein, um dies ausnutzen. Das wird in den kommenden Jahren wirklich wichtig sein.

Als Beispiel für Disruption in anderen Branchen wäre das Konzept der sozialen Medien, die reguläre Medien ablösen, zu nennen. Facebook ist ein Riesenunternehmen mit abertausenden von Menschen. Es gibt dort eine kleine Anzahl von Leuten, die früher in traditionellen Medien waren und die den Blick der Menschen von früher einfangen, wie sie von der Arbeit nach Hause kommen, ihre Abendzeitung aufschlagen, die Zeitung lesen oder ihren Lieblingsmoderator in den Abendnachrichten schauen. Diese Blicke sind nun zeitlich geteilt auf andere Dinge. Die Disruption ist deutlich und wird sicherlich viele Menschen in der Wirtschaft ersetzen und umwälzen.

Austin: Es gib viele wirklich brillante Köpfe, die immer vorausdenken, wie Elon Musk, der bereits vorschlägt, die Arbeitszeit auf 25 oder 30 Stunden zu verkürzen, um die Vollbeschäftigung zu sichern, weil wir viel mehr Wert mit viel mehr Automation, zu der uns Blockchain befähigen wird, schaffen können.

Kristina: Warum sollten die Anleger die Disruption des Geldes und die Themen, über die wir reden, ernst nehmen? Und fehlt nach Ihrer Einschätzung in der medialen Diskussion irgendetwas?

Anthony: Viele Medien fokussieren sich auf die Entwicklung des Kurses, egal ob das real ist oder nicht. Verloren geht hierbei ein wenig die echte Innovation. Wieder haben wir hier die beiden Treiber, die wir herausheben wollten. Ich denke, dass es vermutlich keine lineare Übernahme dieser Dinge geben wird. Wir werden vermutlich einen Zeitraum haben, sagen wir von drei, fünf, zehn Jahren, in dem die Unternehmen herausfinden, wie sie diese Dinge am besten für sich nutzen können. Daher erleben wir bei den Finanzdienstleistungen in den kommenden Jahren möglicherweise keine wegweisenden Anwendungen, doch die Unternehmen, die sich jetzt nicht richtig darum kümmern, werden in fünf Jahren einem erheblichen Risiko der Disruption ausgesetzt sein.

Roger: Damals in der Zeit, als der Dotcom-Boom begann und alle Welt über die Bewertung dieser Unternehmen nachdachte, die über Nacht hervorkamen, stand immer die Frage nach der Bewertung im Raum: Sind diese Unternehmen überbewertet oder nicht? Aber dabei ging unter, dass es, nur weil dies geschah, viele andere Unternehmen geben sollte, die sagten: „Das will ich tun. Ich möchte diese hohen Gewinne“, und so begannen sie, eine weitere Generation von Unternehmen dahinter zu entwickeln. Ich denke, dass genau dies auch hier passieren wird. Da die Bewertungen dieser Kryptowährungen praktisch von null auf sehr robustes Niveau stiegen, werden wir viel Innovation erleben. Dies wird in einer ganzen Reihe von Branchen in Anbetracht der Entwicklung in den letzten zwölf Monaten zu einer tieferen Disruption führen. Ich rechne ein bisschen damit, dass das Tempo des technologischen Wandels viel schneller sein wird, als die meisten von uns verarbeiten können. Daher sollte diese Entwicklung genau beobachtet werden, und ebenso, wie diese Technologien die Unternehmen, in denen man vielleicht angelegt hat, sowohl im Aktienbereich als auch als potenzieller Geldgeber, umwälzen. Denn dies wird für eine Reihe unterschiedlicher Unternehmen in mehreren Branchen in unmittelbarer Zukunft Konsequenzen haben.

Kristina: Es wird also auf jeden Fall viele Gewinner und Verlierer in dem gesamten Bereich geben. Wie ist Ihre Einschätzung dazu?

Roger: Ich betrachte das aus Festzins-Perspektive, und ich denke an den Kreditbereich. Seit zehn Jahren haben wir aufgrund der Nullzinspolitik der weltweiten Zentralbanken eine massive Emission von Schuldtiteln. Hierzu kam es, da die Anleger ermutigt wurden, auf der Kreditkurve nach unten zu gehen, um Erträge und Rendite zu suchen. Sorgen bereitet mir, dass diese massive Disruption in der Umstrukturierung vieler Branchen münden könnte. Und falls man auf der Schuldenseite dieser Transaktion steht und etwas umstrukturiert wird, muss man generell um den langfristigen Schutz seiner Interessen besorgt sein. Ich denke, es gibt eine Menge Gewinnchancen im Aktienbereich, denn viele dieser Technologien dienen der Kostenreduzierung. Ich denke, als Inhaber eines Unternehmens hat man mehr Flexibilität, um niedrigere Kosten in die angebotenen Produkte und Dienstleistungen durchreichen zu können. Ich denke bei diesem Konzept also an Gewinner und Verlierer, und nicht an einzelne Unternehmen. Wir fokussieren unserer Research-Anstrengungen auf den Festzins-Bereich und auf die Rolle als Geldgeber für die Wirtschaft und darauf, was die Disruption und die damit einhergehenden Änderungen für diese etablierten Unternehmen, die hohe ausstehende Schulden haben, bedeutet.

Austin: Ich denke, das Vermittlergeschäft wird wirklich schnell verschwinden; alles, was der Vermittlung dient, wird aus dem Geschäft raus sein.

Anthony: Etwas ironisch an der Sache ist, dass dieses ganze Ökosystem als Disruption des Bankenwesen begann. Und irgendwie könnten Banken nun einer der großen Gewinner dieser Technologie sein. Sie haben viele Mitarbeiter und viele Kosten im Zusammenhang mit den Post-Trade-Prozessen, die verschwinden könnten. Es gibt also ein realistisches Szenario, bei dem Banken jährlich dutzende Milliarden Dollar durch diese Technologie einsparen könnten. Wie Austin sagte, ist es wichtig, die Intermediäre zu betrachten. Wenn Sie ein Intermediär sind, der mehr Wert abgreift, als er dem Ökosystem zuführt, werden Sie vermutlich der Disruption zum Opfer fallen. Wenn wir Anlagemöglichkeiten im Finanz-Ökosystem beurteilen, versuchen wir u. a. zu verstehen, wie ernst sie diese Technologie nehmen. Und in der Tat besteht die große Frage darin, ob die vorhandenen Intermediäre einen Weg finden, ihren Platz im Ökosystem zu erhalten, und ob es ihnen gelingt, in ihren bestehenden Prozessen eine Blockchain zu nutzen. Oder tritt jemand anderes auf den Plan und ersetzt sie? Ich halte dies für eine wichtige Frage. Und wir werden sehen, wie es ausgeht.

Roger: Bekanntermaßen gibt es in den USA viel mehr Banken als in vielen anderen Ländern rund um den Globus. Dies ist nur eine Beobachtung. Eine weitere ist, dass die Regierung nach der Finanzkrise die Vorstellung hatte, dass die Banken eher wie Versorger sein sollten. Sie sollen ihrer Funktion nach die Tätigkeit der Wirtschaft ermöglichen – Ausweitung der Kreditvergabe, Verfügbarkeit von Krediten, wenn Geld in der Wirtschaft knapp wird – und daher denke ich, dass die Banken vielleicht die Erlaubnis erhalten, Wege zur Nutzung dieser Technologien zu entwickeln, um ihre wirtschaftliche Versorgungsfunktion für den Rest der Wirtschaft zu stützen und nicht überrollt zu werden. Nach der Finanzkrise trafen wir die Entscheidung, dass die Investmentbanken der Wall Street keine eigenen Handelshäuser werden sollten, aber wir stellten sicher, dass die Lichter nicht ausgingen und sie funktionierten, so dass die US-Wirtschaft auf globaler Ebene weitermachen konnte. Es würde mich daher nicht überraschen, wenn einiges aus dieser Technologie in tieferer Weise in unserem aktuellen Bankensystem integriert würde, und es wird eine verstärkte Übernahme geben und nicht etwas, das die aktuellen Finanzinstitute obsolet macht und verschwinden lässt. Es ist eher zu vermuten, dass sie diese Technologien übernehmen und umgestalten, weg von ihrer früheren Verwendung.

Kristina: Welche Hindernisse könnten dieser Übernahme im Wege stehen?

Roger: Ich denke, einige Reflexionen zu den Wahlen rund um den Globus haben mit der Unzufriedenheit der Menschen zu tun, die eine Lebensweise wie in den 1970ern haben, die es wegen der vielen Änderungen, über die wir reden, nicht mehr gibt. Dies könnten mögliche Konsequenzen sein, die die Entwicklung hemmen.

Austin: Die Koordinierung halt, besonders bei einer neu aufkommenden Technologie. Mit der weiteren Verbesserung der Technologie, z. B. der Behebung der Probleme im Bereich Skalierbarkeit und Datenschutz, wird auch das Koordinierungsproblem kleiner. Das war bisher ein Hindernis. Auf regulatorischer Ebene gibt es immer noch einiges zu klären. Bisher sind die Regulierer, denke ich, offen für Blockchain bei Finanzinstituten, aber offensichtlich möchten sie aus verständlichen Gründen vorsichtig sein. In anderen Bereichen des Marktes, bspw. ICOs, schauen sie strenger hin. Wir bräuchten daher etwas mehr regulatorische, rechtliche Klarheit beim Thema Smart Contracts.
Ich denke, die Volatilität der zugrunde liegenden Anlageklassen könnte eine hohe Hürde sein. Und Umerziehung. Zurück in die Schule, in fünf Jahren. Ist das zu spät, um in die Schule zurückzugehen und aufzuholen? Ich weiß nicht. Das ist wirklich schwer, das wird eine Hürde sein.

Ja, ich denke, eine breitere Nutzung würde ebenfalls helfen. Noch ist es wirklich schwierig, einen Bitcoin in einer Verkaufsstelle auszugeben, um eine Ware zu kaufen. Ich denke deshalb, dass Nutzbarkeit und Handelbarkeit eine allgemeine Übernahme auslösen würden. Außerdem befinden sich Bitcoin und einige der Kryptowährungen vor allem im Besitz weniger Personen, und soweit diese Assets auf mehr Personen verteilt werden könnten, würde dies auch den Lärm darum etwas dämpfen.

Kristina: Ich danke Ihnen allen.

Richard: Das war die neueste Ausgabe der Talking Markets von Franklin Templeton. Ich danke Ihnen allen vielmals. Falls Sie weitere aufschlussreiche Informationen wünschen, steht Ihnen unser Archiv mit früheren Ausgaben der Talking Markets auf iTunes, Google Play oder bei sonstigen bekannten Podcast-Anbietern zur Verfügung. Bis zum nächsten Mal, wenn wir weitere Einblicke von unseren Anlageexperten vor Ort erhalten. Auf Wiederhören!

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