Auf der US-FlüssiggaswelleSep 25, 2018

Während sich immer mehr Länder sich nach möglichen Optionen für eine sauberere Deckung ihres Energiebedarfs umsehen, bauen die USA ihre Kapazitäten für den Export von Flüssigerdgas (LNG) rapide aus. Matt Adams von der Franklin Equity Group erläutert seinen Ausblick für LNG in den USA und die möglichen Konsequenzen für Investoren.

Auch wenn Erdgas kohlenstoffbasiert ist und nicht als echte „saubere“ Energiequelle gilt, wird es doch seit langem als Übergangslösung auf dem Weg hin zu einer von sauberer Energie geprägten Zukunft gesehen, während sich die Welt von den äußerst umweltschädlichen Optionen Kohle und Erdöl abwendet.

Unserer Einschätzung nach dürfte sich diese Übergangsphase noch weit ins nächste Jahrzehnt hineinziehen, da immer mehr Länder auf Erdgas setzen, um Kohle als wichtigste Energiequelle zu ersetzen. Darüber hinaus scheint sich die langfristige Ausweitung des LNG-Angebots zu verlangsamen, nachdem über Jahre hinweg unzulänglich investiert wurde und zuletzt nur wenige neue Projekte in Angriff genommen wurden.

Im Jahr 2016 lieferte Erdgas 22 % der weltweiten Energie, und seine Nutzung nimmt immer mehr zu.[1] Wie die nachfolgende Grafik zeigt, geht die Internationale Energieagentur (IEA) davon aus, dass bis 2040 25 % des weltweiten Energiemixes auf Erdgas entfallen werden.

Warum die LNG-Nachfrage wächst

In vielen Regionen der Welt ist der Bau von Pipeline-Infrastrukturen für den Transport von Erdgas nicht praktikabel. In zahlreichen Ländern außerhalb Nordamerikas tut sich die inländische Erdgasproduktion schwer oder entwickelt sich rückläufig. Daher gehen wir davon aus, dass die Nachfrage nach LNG-Importen zunehmen wird, während Länder eine stärker auf Erdgas ausgerichtete Politik verfolgen. Erdgas wird im Zuge seiner Verflüssigung gekühlt, kondensiert und in einen Rohstoff umgewandelt, der in speziellen Kompressionstankern um die Welt transportiert werden kann.

Die Zahl der Länder, die LNG importieren, ist bereits von 35 im Jahr 2015 auf 40 im vergangenen Jahr angestiegen.[2] Darüber hinaus stiegen die weltweiten Importe 2017 um 9,9 %. Dies stellt das stärkste jährliche Wachstum seit 2010 dar.[3]

Gleichzeitig hat sich das LNG-Angebot aus neuen Projekten verlangsamt, so dass sich innerhalb des nächsten Jahrzehnts ein Angebotsdefizit ergeben könnte, wenn die LNG-Nachfrage ihren aktuellen Wachstumskurs fortsetzt. Da LNG-Projekte eine fünfjährige Anlaufzeit erfordern, könnte der Weltmarkt für Flüssiggas über längere Zeit hinweg angespannt bleiben, bevor höhere Preise Anreize für zusätzliche Investitionen in neues Angebot bieten.

Der Ausblick für LNG in den USA

In den USA profitieren LNG-Exporteure von einem rapiden Nachfragewachstum und der Straffung des auf Bundesebene geltenden Genehmigungsprozesses für LNG-Anlagen, Exportanlagen und LNG-Tankschiffe. Im Juni 2018 erklärten zahlreiche Unternehmen, sich im Prozess der Investitionsentscheidung bezüglich der Errichtung geplanter LNG-Anlagen in den USA zu befinden.[4]

Eine ganze Welle US-amerikanischer LNG-Anlagen wird derzeit an der Küste zum Golf von Mexiko errichtet. Die erster dieser Anlagen, Sabine Pass im US-Bundesstaat Louisiana, begann 2016 mit der Verladung von LNG, während das Cove Point-Terminal in Maryland seinen Betrieb in diesem Jahr aufnahm. Die übrigen Werke sollen bis 2020 fertiggestellt werden.[5]

Werden die Handelsspannungen Auswirkungen auf US-Flüssiggasexporte haben?

2017 war China nach Mexiko und Südkorea das drittgrößte Ziel US-amerikanischer LNG-Exporte.[6] Die Nachfrage des Landes nach Flüssiggas dürfte weiter rapide anwachsen, während die chinesische Regierung Maßnahmen ergreift, um die Luft- und Wasserverschmutzung durch die Verbrennung von Kohle zu begrenzen. Kohle, auf das etwa ein Drittel des gesamten weltweiten CO2-Ausstoßes entfällt, dominiert in China derzeit sowohl den Energieverbrauch insgesamt (ca. 70 %) als auch die Stromerzeugung (fast 80 %).[7]

Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China wirft jedoch einen Schatten auf diese Pläne – zumindest auf kurze Sicht. Im August drohte China, einen Importzoll in Höhe von 25 % auf LNG aus den USA zu erheben, wodurch amerikanisches Flüssiggas für chinesische Käufer teurer werden könnte.[8] Angesichts des Mangels an noch nicht in Anspruch genommenen kurzfristigen Angebotsquellen dürften die USA China aller Wahrscheinlichkeit nach auch weiterhin mit LNG beliefern, selbst wenn entsprechende Zölle erhoben werden sollten, da die Differenz zwischen US-amerikanischen und chinesischen Preisen recht hoch ist.

Derzeit machen LNG-Exporte nur einen geringen Anteil der US-Erdgasnachfrage aus, so dass die Auswirkungen auf US-Erdgasproduzenten minimal sind. Sollte sich der Handelsstreit jedoch über längere Zeit fortsetzen, könnte er allmählich eine langfristige Exportchance für US-Produzenten verringern. Allerdings scheint es in Europa eine wachsende Gelegenheit für den Absatz von US-Flüssiggas zu geben, da sich der Kontinent schwertut, seinen Nachfragebedarf mit einer übermäßigen Abhängigkeit von der Versorgung über russische Erdgasleitungen in Einklang zu bringen.

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[1] Quelle: IEA, Market Report Series: Gas 2018.

[2] Quelle: International Group of Liquefied Natural Gas Importers, „The LNG industry, GIIGNL Annual Report 2018.“

[3] Ebd.

[4] Quelle: Financial Times, „US prepares for next wave of LNG exports“, 20. Juni 2018.

[5] Ebd.

[6] Quelle: U.S. Energy Information Administration, „China is a key destination for increasing U.S. energy exports“ (China ist ein wichtiges Ziel für steigende US-Energieexporte), 10. Juli 2018.

[7] Quelle: U.S. Energy Information Administration, „Chinese coal-fired electricity generation expected to flatten as mix shifts to renewables“ (Chinesische Kohleverstromung dürfte sich abflachen, während sich der Mix auf erneuerbare Energien verlagert), 27. September 2017.

[8] Quelle: Bloomberg, „Trump Push for Energy Dominant U.S. Blunted by China LNG Threat“, 3. August 2018.