Warum europäischen Value-Anlagen glänzende Zeiten bevorstehen könntenOct 30, 2017

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Das Interesse der Anleger an europäischen Aktien hat in den letzten Quartalen generell wieder zugenommen, was vor allem auf passive Zuflüsse zurückzuführen ist. Wir sind jedoch der Meinung, dass die generelle Verbesserung des Anlegerinteresses angesichts der derzeit positiven Rahmenbedingungen in Europa aus guten Gründen gerechtfertigt ist.

Wir beobachten Anzeichen darauf, dass europäische Unternehmen allmählich zu Gewinnwachstum zurückkehren und sind davon überzeugt, dass Fundamentaldaten bei Anlageentscheidungen wieder in den Vordergrund rücken werden. Vor diesem Hintergrund sehen wir derzeit erheblichen Wert bei aktiven europäischen Aktienstrategien.

Zwei Stränge: Bewertungen und Erträge

Viele Aktienmarktindizes aus aller Welt haben in jüngster Zeit neue Allzeithochs markiert. In Europa liegen die Kurs-Buchwert-Verhältnisse jedoch weiterhin unter ihren langfristigen Durchschnittswerten, in einigen Fällen sogar um eine ganze Standardabweichung.[2]

Daraus ergeben sich aus unserer Sicht gute Argumente für Value-Chancen in Europa.  Aktive Manager können über den Index hinausschauen und die Bewertungen auf unternehmensspezifischer Basis analysieren.

Eine potenziell doppelte Chance

Wir sehen eine potenziell doppelte Chance. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse sind in Europa im historischen Vergleich niedrig.[3]   Zudem lassen sich innerhalb der gesamten Region Anzeichen auf eine Erholung der Unternehmensgewinne ausmachen. Die Aktienkurse liefern erste Signale, dass Anleger versuchen, die Frühphase einer Erholung der Ergebnisse vorwegzunehmen.

Das normalisierte (d.h. um kurzfristige saisonale Effekte bereinigte) KGV beträgt für Europa derzeit 19,2. In den USA liegt dieser Wert nahezu bei 29.

Das ist aus unserer Sicht ein erstaunlicher Unterschied. Wenn wir die normalisierten KGVs aus historischer Sicht betrachten, so liegt das durchschnittliche KGV in Europa bei 21,5. Daher sollte unserer Meinung nach erhebliches Aufwärtspotenzial für europäische Aktien bestehen.

Gleichzeitig ist deutlich, dass eine vollständige Erholung der europäischen Unternehmensgewinne von der globalen Finanzkrise der Jahre 2007 bis 2009 weiterhin austeht. In anderen Regionen ist diese Entwicklung bereits abgeschlossen.

Gründe für Optimismus

Aus unserer Sicht gibt es weitere Gründe für Optimismus. Insbesondere auf makroökonomischer Ebene lassen sich Anzeichen auf eine Erholung ausmachen.

Unserer Einschätzung nach scheint sich die Abwertung des Euro ihrem Ende zu nähern, und wir betrachten dies als ein allgemein gutes Zeichen für europäische Aktien. Es zeigt, dass eine gewisse Erholung stattfindet. Und die Chancen, potenziell von der Abwertung der Währung gegenüber dem US-Dollar zu profitieren, sind nicht mehr so hoch wie noch vor zwei bis drei Jahren.

Eine Betrachtung des Kreditzyklus zeigt, dass sich das Kreditwachstum seit 2015 positiv entwickelt hat. Genaugenommen beobachten wir derzeit ein positives Kreditwachstum von etwa 2 % bis 3 %[4], und zwar nicht nur bei Gewerbekrediten, sondern auch im Verbrauchersegment. (Vgl. nachstehendes Diagramm)

Darüber hinaus war die Arbeitslosigkeit in der Eurozone bis Ende August 2017 auf den niedrigsten Stand seit acht Jahren gesunken[5], während der Einkaufsmanagerindex für den Euroraum[6] auf ein Sechs-Jahres-Hoch geklettert war.[7] Das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) lag in Europa im zweiten Quartal 2017 erstmalig seit 2007 über dem der USA[8].

Was bedeutet das für Anleger?

Angesichts dieser positiven makroökonomischen Faktoren finden wir es bemerkenswert, dass die Gewinne europäischer Unternehmen immer noch 48 % unter ihrem Höchstwert vor der Finanzkrise liegen. Im Vergleich dazu liegen die Gewinne in den USA etwa 16 % über ihrem 2008 (vor der Krise) erreichten Höchststand.

Aus unserer Sicht bedeutet dies, dass sich hier eine potenzielle Chance eröffnet.

Um diese Chance bewerten zu können, müssen wir jedoch zunächst einmal verstehen, warum die Gewinne in Europa hinter denen in den USA zurückgeblieben sind.

Wir sehen eine hohe Diskrepanz. Die Umsätze und Absatzmengen europäischer Unternehmen haben sich zwar erhöht, ihre Gewinne jedoch nicht. Das wirft einige Fragen auf. Sind europäische Unternehmen weniger konkurrenzfähig? Ist das Konjunkturprogramm der Europäischen Zentralbank im Hinblick auf eine Ankurbelung der breiteren Wirtschaft weniger effektiv als die Maßnahmen der US-Notenbank?

Die Antwort scheint in den Gewinnmargen europäischer Unternehmen zu liegen.

Wie wir in der Vergangenheit bereits angemerkt haben, sind europäische Unternehmen in der Regel Preisnehmer. Wenn die Inflation sinkt, tendieren europäische Unternehmen dazu, ihre Preise zu senken, um mit ihren Wettbewerbern aus den USA und Asien mithalten zu können. Wenn die Inflation wieder steigt, erhöhen europäische Unternehmen ihre Preise normalerweise.

Daher rechnen wir damit, dass sich die Gewinnlücke zu den USA schließen wird, sobald europäische Unternehmen beginnen, auf die steigende Inflation zu reagieren.

Und da die Fundamentaldaten einzelner Aktien wieder als Differenzierungsfaktor für die Wertentwicklung in den Vordergrund treten, kann ein aktives Management unserer Ansicht nach nun seinen echten Wert unter Beweis stellen.  Unsere Analyse deutet darauf hin, dass diese Entwicklung bereits stattfinden könnte.

Die Kommentare, Meinungen und Analysen in diesem Dokument dienen nur zu Informationszwecken und sind nicht als persönliche Anlageberatung oder Empfehlung für bestimmte Wertpapiere oder Anlagestrategien anzusehen. Da die Märkte und die wirtschaftlichen Bedingungen schnellen Änderungen unterworfen sind, beziehen sich Kommentare, Meinungen und Analysen auf den Zeitpunkt der Veröffentlichung und können sich ohne Ankündigung ändern. Dieses Dokument ist nicht als vollständige Analyse aller wesentlichen Fakten in Bezug auf ein Land, eine Region, einen Markt, eine Anlage oder eine Strategie gedacht.

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Welche Risiken bestehen?

Alle Anlagen sind mit Risiken behaftet, inklusive des möglichen Verlusts der Anlagesumme. Der Wert von Anlagen kann fallen oder steigen, und Anleger erhalten möglicherweise nicht den vollen Anlagebetrag zurück.Aktienkurse schwanken mitunter rasch und heftig. Das kann an Faktoren liegen, die einzelne Unternehmen, Branchen oder Sektoren betreffen, oder an den allgemeinen Marktbedingungen. Substanzwerte verzeichnen mitunter manchmal nicht die erwarteten Kursanstiege oder verlieren weiter an Wert. Sofern ein Portfolio sich auf bestimmte Länder, Regionen, Branchen, Sektoren oder Arten von Anlagen konzentriert, kann es anfälliger für ungünstiger Entwicklungen in solchen Schwerpunktbereichen sein als ein Portfolio, das in ein breiteres Spektrum von Ländern, Regionen, Branchen, Sektoren oder Anlageformen investiert. Investitionen im Ausland sind mit besonderen Risiken verbunden, darunter Währungsschwankungen, wirtschaftliche Instabilität und politische Entwicklungen.

[1] Quelle: FactSet, MSCI. Stand: 30. September 2017. Europäische Substanzaktien werden durch den MSCI European Value Index abgebildet, europäische Wachstumsaktien durch den MSCI European Growth Index. MSCI gibt keine Gewährleistung und übernimmt keinerlei Haftung für hierin wiedergegebene MSCI-Daten. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist weder ein Indikator noch eine Garantie für die zukünftige Wertentwicklung. Weitere Informationen zu Datenanbietern finden Sie unter www.franklintempletondatasources.com.

[2] Die Standardabweichung gilt als ein Maß für die Volatilität und bezeichnet die Abweichung eines Datensatzes von einem Mittelwert.

[3] Das KGV ist eine Bewertungskennzahl. Es wird berechnet, indem der Marktpreis einer Aktie durch den Jahresgewinn je Aktie des Unternehmens geteilt wird.

[4] Quelle: Thomson Reuters, Credit Suisse Research. Aktuellste Daten vom 13. Oktober 2017.

[5] Quelle: FactSet, Eurostat

[6] Beim Einkaufsmanagerindex handelt es sich um eine monatliche Umfrage, die als Indikator für das Geschäftsklima im Fertigungssektor verwendet wird.

[7] Quelle: FactSet, Markit

[8] Quelle: FactSet, Eurostat, Bureau of Economic Analysis