10-jährige US-Staatsanleihe knackt 3%-Marke: Viel Lärm um nichts?May 8, 2018

Am 24. April knackte die 10-jährige US-Staatsanleihe erstmals seit vier Jahren die Marke von 3 %. Dies löste Diskussionen über die möglichen Konsequenzen für die US-Wirtschaft aus. Aber um es mit Worten aus einem bekannten Stück Shakespeares auszudrücken: Ist die Diskussion in den Medien nur viel Lärm um nichts? Laut Michael Materasso von Franklin Templeton Fixed Income Group sollten die Anleger wegen dieser Zahl nicht allzu sehr in Sorge sein.

Die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihe stieg Ende April über 3 %. Das löste unter Marktbeobachtern zahlreiche Diskussionen darüber aus, was diese psychologische Schwelle für die US-Wirtschaft bedeutet. Die 10-jährige Staatsanleihe ist eine Benchmark für eine Reihe von Zinssatzinstrumenten, einschließlich Hypotheken, und wird daher genau beobachtet.

Nach meiner Ansicht dürfte das Überschreiten der 3%-Marke auf fundamentaler Ebene am interessantesten sein, denn diese Zahl entspricht dem Wert, den wir als „Terminal Rate“ der US-Notenbank (Fed) erwarten, d. h. das letzte Schlussniveau ihres kurzfristigen Benchmark-Zinssatzes im aktuellen Straffungszyklus.

Dass die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihe die 3%-Marke geknackt hat, wirft die Fragen über das Tempo und die Zeitpunkte künftiger Zinsanhebungen der US-Notenbank auf. Wir rechnen jedoch im Gegensatz zu manchen Beobachtern nicht mit düsteren Folgen für den Konjunkturausblick.

Bezüglich unseres aktuellen Ausblicks ist für Vergleichszwecke die Mitte des 20. Jahrhunderts interessant, als die US-Wirtschaft eine Verlangsamung erlebte. Als die Fed damals die Zinsen anhob, stieg die Arbeitslosenquote und die Wirtschaft erlebte ein schwaches Quartal (das später wegkorrigiert wurde). Die Fed erreichte letztlich in vielerlei Hinsicht ihr Ziel einer „weichen Landung“, doch dies führte zu einer langen Phase mit relativ moderatem Wachstum.

Inflation: Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage

Natürlich ist jeder Zyklus anders, und wir sollten uns dieser Unterschiede bewusst sein. So könnten beispielsweise die Steuersenkungen und -reformen der Administration von Präsident Donald Trump, fiskalische Anreize in der Spätphase des Zyklus und die Lockerung der Kapitalanforderungen für kleine und mittelgroße Banken künftig einen deutlicheren Inflationseffekt im aktuellen Konjunkturzyklus haben, besonders wenn man bedenkt, dass die Produktionslücke der US-Wirtschaft (die Lücke zwischen tatsächlichem und möglichem Wirtschaftswachstum) weitgehend geschlossen ist.

Gleichzeitig arbeiten die starken langfristigen Kräfte von Demografie und Technologie Hand in Hand, um die Inflation in Schach zu halten. Das Altern der US-Erwerbsbevölkerung bedeutet für die Wirtschaft einen kleineren verfügbaren Arbeitskräftepool, während künstliche Intelligenz und andere neue Technologien weitere Fortschritte bei der Automation vieler manueller und wiederkehrender Aufgaben erzielen.

Alles in allem dürfte der Nettoeffekt der fiskalischen Anreize und steuerlichen Maßnahmen zu einem kurzzeitig über dem Trend liegenden Wachstum und einem Anstieg der Inflation über den Fed-Zielwert von 2 % führen, da die Arbeitslosenquote weiterhin auf Abwärtstrend liegt.

Wir gehen davon aus, dass die Fed in Bezug auf das Tempo weiterer Zinsanhebungen, die sie den Märkten  , auf Kurs liegen dürfte. Auf mittlere Sicht halten wir mit den nachlassenden steuerlichen und fiskalischen Effekten eine allmähliche Verlangsamung der Konjunktur für wahrscheinlich. Überdies sehen wir eine Abschwächung des Inflationsdrucks, da länger- und langfristige inflationsdämpfende Kräfte erneuten Einfluss ausüben.

Rezession der Superzyklus?

Insgesamt hat sich unsere Einschätzung der US-Wirtschaft nicht drastisch verändert. Auch wenn es am Rande vereinzelte schwache Bereiche gibt, steht nach unserer Ansicht keine Rezession bevor.

Da die Fed jedoch nicht die volle Kontrolle über den Konjunkturzyklus besitzt, dürfte die Wirtschaft irgendwann in die Rezession abgleiten. Dies dürfte auf kurze Sicht jedoch kaum eintreten. Die Zutaten für einen verlängerten Konjunkturzyklus (d. h. einen „Superzyklus“) könnten nach wie vor zum Tragen kommen. Falls der Fed eine geschickte Steuerung des Straffungszyklus gelingt und es keine größeren unerwarteten Schocks (z. B. geopolitische Überraschungen) gibt, könnte unser aktueller Wachstumszyklus weiter andauern.

Die aktuelle, seit neun Jahren andauernde Expansion in den USA ist im historischen Vergleich ziemlich lang. Aber sie ist auch sehr brüchig mit einigen Ungleichgewichten, die tendenziell eine Umkehr des Wachstums auslösen. Nach unserem Dafürhalten hat dies bedeutende Auswirkungen auf ihre Nachhaltigkeit.

Wichtiger sind für uns nicht einzelne Zahlen, sondern die Fundamentaldaten der US-Wirtschaft insgesamt. Wir halten die Lage nach wie vor für ziemlich gut.

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